Keller atmet auf: Erster Schritt aus Schalker Krise

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Schalke-Trainer Jens Keller.

LONDON - In höchster Not zog Jens Keller alle Register - und befreite sich zum x-ten Mal vom größten Druck. Erst zeigte der umstrittene Trainer von Schalke 04 zur Motivation einen Film über die "Ironman"-Triathleten, dann flehte er seinen angeschlagenen Star Kevin-Prince Boateng an.

Es half: Mit dem überraschenden 1:1 (0:1) in der Champions League beim FC Chelsea machten die arg gebeutelten Königsblauen nicht nur einen ersten Schritt aus der Krise, sondern verschafften auch ihrem Coach ein wenig Luft. "Ich brauche den Druck nicht unbedingt. Mir wäre es lieber, es wäre anders", gab Keller zu, der seine Mannschaft im Teamhotel mit einem Video eingestimmt hatte.

Draxler: "Es geht nur über den Willen"

"Die Botschaft war: Es geht nur über den Willen", erklärte Weltmeister Julian Draxler. Nach dem Bundesliga-Fehlstart und dem Aus im DFB-Pokal hätte der Jungstar den Film aber gar nicht gebraucht: "Das muss ich nicht sehen, um 100-prozentig gegen Chelsea motiviert zu sein."

Huntelaar findet Film-Aktion überflüssig

Auch Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, der nach dem frühen Rückstand durch Cesc Fabregas (11.) mit seinem 42. Europapokaltor (62.) den unerwarteten Schalker Punktgewinn rettete, fand die Aktion eher überflüssig. "Ich brauche kein Video, um motiviert zu sein", betonte der Niederländer nach dem kollektiven Kraftakt der königsblauen Notelf.

Trainer ging vor Boateng auf die Knie

Als in der Halbzeit auch noch der zehnte Spieler verletzt auszufallen drohte, ging Keller quasi auf die Knie. Boateng hatte nach einem Schlag auf den Knöchel "unglaubliche Schmerzen", berichtete der Coach: "Ich habe ihn angefleht, dass er sich durchbeißt." Der zuletzt schwache Anführer hielt durch und ging mit gutem Beispiel voran. "Er ist marschiert, hat Zweikämpfe gewonnen und gute Bälle gespielt", lobte Keller: "Man hat gesehen: Wenn er funktioniert, dann läuft es auch bei uns besser."

Konstanz? Frankfurt wird es zeigen

Ob es nach der erneuten Leistungssteigerung unter enormem Druck tatsächlich dauerhaft besser läuft, wird sich am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt zeigen. Dem ebenso überraschenden 1:1 gegen Bayern München waren zuletzt das 1: 4-Debakel bei Borussia Mönchengladbach und der Absturz auf Platz 16 gefolgt. "Wir müssen es einfach schaffen, Konstanz reinzubringen", mahnte Keller.

Schlechtester Start seit 47 Jahren

Denn noch steht der schlechteste Saisonstart der Königsblauen seit 47 Jahren zu Buche. 1967 hatten sie zuletzt keines ihrer ersten fünf Pflichtspiele gewonnen. "Wir müssen jetzt selber das Lenkrad in die Hand nehmen", forderte Huntelaar. Damit meinte der Niederländer zwar vor allem die Offensivarbeit auf dem Platz. Doch auch außerhalb des Feldes hat der 31-Jährige, der nach der Gladbach-Pleite "einen Plan" gefordert hatte, zusammen mit anderen Führungsspielern die Zügel in die Hand genommen. "Wir haben eine kleine Gruppe, die immer zusammen ist", berichtete er: "Von da kommt meistens die Initiative."

Selbsthilfe funktionierte auch ohne Kapitän

In London funktionierte die Selbsthilfe auch ohne den verletzten Kapitän Benedikt Höwedes. Keller betonte indes, dass es zwischen Coach und Team keine Unstimmigkeiten gebe. "Wir sind so eng zusammen", sagte er. Es werde von außen sehr viel reingetragen, "um Unruhe reinzubringen. Wir haben es immer wieder geschafft, dass wir zusammenrücken und aus solchen Situationen rauskommen".

Glückliches Händchen mit Neustädter

Mit seiner Maßnahme, Höwedes in der Innenverteidigung durch Mittelfeldspieler Roman Neustädter zu ersetzen, lag Keller jedenfalls genau richtig. Der 26-Jährige ("Ich habe auf dieser Position ein Jahr in Mainz unter Jürgen Klopp trainiert, aber nicht gespielt") festigte die Notabwehr und rettete nach einem Schuss von Loic Remy auf der Linie (76.) - das Remis und erstmal die Stimmung auf Schalke. - SID

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