Breitenreiter auf Schalke unter Druck: "Stimmung umgeschlagen"

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Andre Breitenreiter

Gelsenkirchen - In Hamburg begann die Bundesliga-Karriere des Spielers Andre Breitenreiter. Als Trainer von Schalke 04 steht der 42-Jährige gegen seine alte Liebe unter Erfolgsdruck.

Andre Breitenreiters Einstand im Trikot des Hamburger SV war drehbuchreif: Ein frecher Tunnel gegen Lothar Matthäus, dann ein unhaltbarer Abschluss gegen Oliver Kahn - am 17. September 1994 sprach plötzlich ganz Fußball-Deutschland über den 20 Jahre alten Angreifer, der bei seinem Bundesliga-Debüt so unbekümmert aufspielte und mit den Hanseaten bei Meister Bayern München ein 1:1 errang.

Es war ein grandioser Auftakt für den Fußballer Andre Breitenreiter beim HSV, doch bis zu seinem Abgang bei den Hanseaten 1998 folgten viele Verletzungen - die erste gleich am Tag nach seinem großen Auftritt - und nur noch elf weitere Tore. "Schön war die Zeit trotzdem in Hamburg", sagt Breitenreiter heute noch.

Kein Wunder, setzten sich die positiven Assoziationen doch immer weiter fort: Mit Underdog SC Paderborn feierte Breitenreiter bei seinem ersten Auftritt als Trainer an der Elbe 2014 einen 3: 0-Erfolg, auch das Hinspiel im vergangenen September mit Schalke 04 gewann er 1:0 im Volkspark.

Am Mittwochabend will Breitenreiter den Hamburgern im eigenen Interesse ein weiteres Mal weh tun. Nach dem Hinspiel war Schalke nämlich noch Tabellendritter mit nur einem Punkt Rückstand auf den Erzrivalen Borussia Dortmund. Damals wurde Breitenreiter gefeiert als Architekt eines neuen, offensiven und erfolgreichen Schalker Stils. Allen voran Sportvorstand Horst Heldt lobte den im Sommer installierten Trainer überschwänglich: "Er leistet ganz herausragende Arbeit. Er hat eine enorme Kompetenz - fußballerisch, aber auch sozial."

Seither gewann Schalke bis zum zweiten Duell mit dem HSV nur noch fünf Partien in der Liga, der BVB ist den Königsblauen weit enteilt. Nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Europa League müssen die Knappen mittlerweile auch um das Minimalziel Europapokal-Qualifikation zittern.

Für Breitenreiter ist der Gegenwind bereits deutlich spürbar. Nach dem 0:3-Debakel in der Europa League gegen Schachtjor Donezk am vergangenen Donnerstag zeigte der 42-Jährige öffentlich Nerven und beklagte eine zu hohe Erwartungshaltung im Umfeld: "Die Stimmung ist deutlich umgeschlagen. Das gehört zu Schalke und hat alle anderen Trainer in den letzten Jahren auch begleitet." D

och auch die externen Kritiker wetzen bereits die Messer. "Mit der Qualität, die im Schalker Kader vorhanden ist, muss man einfach offensiver spielen", polterte das einstige Tunnel-Opfer Matthäus in seiner Funktion als Sky-Experte nach dem biederen 0:0 bei der abstiegsbedrohten Frankfurter Eintracht.

Nach Matthäus' Meinung geht es für Breitenreiter trotz Vertrags bis 2017 bereits in diesen Wochen um seine Zukunft. "In der nächsten Saison kommt Christian Heidel als starker Mann. Was aus Breitenreiter wird, entscheidet sich wohl in den kommenden Spielen", vermutete der Rekord-Nationalspieler. - sid

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