Wegen Nabil Bentaleb

Rassismus-Eklat um Freund: Algerischer Nationalcoach tobt - „Ganzes Land ins Visier genommen“

Steffen Freund hat sich fragwürdig über Nabil Bentaleb und Amine Harit vom FC Schalke 04 geäußert. Der algerische Nationaltrainer holt zum Rundumschlag aus.

Hamm - Es war eine hitzige Diskussion am vergangenen Sonntag über den FC Schalke 04. Nach der erneuten Niederlage suchten die TV-Experten im Sport1 Doppelpass nach Erklärungen über die sportliche Talfahrt in Gelsenkirchen. Die Suspendierung von Nabil Bentaleb und Amine Harit sei für Ex-Profi Steffen Freund folgerichtig gewesen. Seine Begründung sorgte für einen mächtigen Eklat.

NameSteffen Freund
Geboren19. Januar 1970, Brandenburg an der Havel
Größe1,80 Meter
PositionMittelfeld

Steffen Freund hatte Nabil Bentaleb und Amine Harit „unglaublich viel Talent“ bescheinigt. Allerdings würden zwischen den beiden Profis und S04 immer wieder neue Probleme auftauchen. Steffen Freund brachte das mit der Herkunft der beiden Schalker Kader-Mitglieder in Verbindung.

Schalke-Eklat um Steffen Freund: Algerischer Nationalcoach fordert Konsequenzen

Auf Schalke sei es, besonders jetzt, wichtig zu malochen. „Jeder Spieler muss bereit sein, sein Herz auszuschütten für den Verein. Und dann bin ich auch bei Harit: Auch er kann das natürlich nicht mit diesen Wurzeln. Also: Falsche Spieler gekauft - nicht von der individuellen Klasse her“, kritisiert Steffen Freund die Schalker Kaderplanung.

Zwar kenne Freund Nabil Bentaleb persönlich aus der gemeinsamen Zeit bei den Tottenham Hotspur. Wegen seiner algerischen Herkunft müsse man jedoch „wissen, dass eine bestimmte Aggressivität, auch eine Disziplinlosigkeit, schnell kommt, wenn er nicht derjenige ist, der gesetzt ist“, findet Steffen Freund, der anfügt, Bentalebs Herkunft spiele eine Rolle, „wie du als Mensch aufwächst und wie deine Mentalität ist.“

Schalke-Eklat um Steffen Freund: Algerischer Nationaltrainer spricht von Rassismus und Hass

Steffen Freunds Aussagen sorgten im Netz für einen gewaltigen Shitstorm. Auch in Bentalebs Heimat Algerien reagierte man bestürzt über die Vorurteile - besonders der algerische Nationaltrainer Djamel Belmadi. Der 44-Jährige nahm ausführlich Stellung und wurde äußerst deutlich.

Ex-Profi Steffen Freund sorgte im TV für einen Eklat.

Djamel Belmadi sicherte Schalkes Profi Nabil Bentaleb seine Unterstützung zu. Nicht nur wegen seiner Suspendierung bei Schalke 04, sondern besonders wegen der „Bemerkungen von Pseudo-Beratern“, wie Belmadi Steffen Freund in einer Audioaufnahme auf der Facebook-Seite des algerischen Fußballverbandes bezeichnet. Für Belmadi seien die Äußerungen verborgener „Rassismus und Hass“.

Schalke-Eklat um Steffen Freund: „Unser ganzes Land ins Visier genommen“

Noch am Sonntagmittag twitterte der FC Schalke 04: „Die Denkpause für Harit und Bentaleb hat nichts mit deren Wurzeln zu tun! Sowas hat für uns grundsätzlich nichts mit der Herkunft zu tun.“ Auch Steffen Freund zeigte nach der TV-Sendung Einsicht und entschuldigte sich öffentlich in den sozialen Medien. „Jeder, der mich und meine Karriere als Spieler und als Trainer ein wenig kennt, weiß, dass ich jede Form von Rassismus zutiefst verabscheue“, heißt es unter anderem in seiner Mitteilung.

Der algerische Nationalcoach fordert dennoch Konsequenzen wegen Steffen Freunds Bemerkungen. „So etwas kann nicht ungestraft bleiben, wir müssen uns gegen diese Art von Reden und alles aussprechen“, so Djamal Belmadi, der sich besonders enttäuscht von der nicht vorhandenen Reaktion der weiteren Talk-Gäste zeigte.

Für Belmadi seien die Äußerungen von Steffen Freund das eine. Dass den TV-Experten niemand der Anwesenden in die Schranken wies, das andere. „Ich kenne so etwas nicht“, so Belmadi. „Wir [...] dürfen diese Art von skandalösen, beleidigenden Äußerungen nicht auf unser Land übertragen. Nicht nur Nabil, auch unser ganzes Land ist ins Visier genommen“, so Belmadi.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa/picture alliance

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