Schalke - Werder Bremen

Später Ausgleich fühlt sich wie eine Niederlage an

GELSENKIRCHEN - Immerhin schien der Schalker Mannschaftsarzt noch gute Laune zu haben. Auf die Frage, ob es bei Joel Matip schon eine genaue Diagnose gäbe, tänzelte Dr. Andreas Falarzik lachend durch die Katakomben der Schalker Arena und sagte: "Alles gut, alles gut."

Von Jens Greinke

Wenige Minuten zuvor war Matip noch mit Leidensmiene in Richtung Ausgang gehumpelt und hatte Manager Horst Heldt gesagt: "Die Diagnose ist auf keinen Fall eine beruhigende. Hinten im Muskel ist irgendwas passiert."

Es war eine seltsame Reaktion des Schalker Mannschaftsarztes, bei der man schon fast vermuten musste, dass der Sportmediziner auf Schalke per Fall-Pauschalen entlohnt wird. Demnach hätte Farlazik tatsächlich allen Grund zur guten Laune, denn das Lazarett der Knappen wird immer größer. Vor der Partie hatte bereits Atsuto Uchida mit Muskelproblemen passen müssen. Der Krankenstand bei den Blauweißen hat mittlerweile geradezu beängstigende Ausmaße angenommen. Auf dem Aufstellungs-Waschzettel, den der Verein vor jedem Spiel auf der Pressetribüne verteilt, waren gleich zehn nicht einsatzfähige Spieler aufgeführt.

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Gleichzeitig war der befremdliche Auftritt von Farlazik der Abschluss eines fast ebenso seltsamen Fußball-Nachmittages in der Arena. In dessen Verlauf die Mannschaft von Trainer Roberto Di Matteo in geradezu allerletzter Minute den scheinbar sicheren Sieg noch aus der Hand gegeben hatte. Während die Schalker Fans in der Schluss-Viertelstunde bereits den durch das Tor von Max Meyer sicher geglaubten Sieg mit Sprechchören in Richtung des nächsten Gegners Borussia Dortmund feierten ("Die Nummer eins im Pott sind wir"), muss es den Schalkern Profis in der zweiten Minute der Nachspielzeit wie eine eiskalte Dusche vorgekommen sein, als der SV Werder Bremen doch noch zum Ausgleich kam. Der kurz zuvor eingewechselte Sebastian Prödl stieg nach einem Freistoß von Zlatko Junuzovic am höchsten und lenkte den Ball per Kopf in die Maschen -- wobei Schalke-Keeper Timon Wellenreuther erstmalig an diesem Nachmittag keine gute Figur abgegeben hattte. Es war ein Moment, als hätte man bei einer hochwertigen Dolby-Surround-Anlage versehentlich die Mute-Taste gedrückt: Die Schalker Fans verstummten augenblicklich, für ein leichtes Rest-Rauschen sorgten lediglich die mitgereisten Werder-Anhänger, die ihr spätes Glück kaum fassen konnten.

Schalke spielt 1:1 gegen Bremen

Mit zwei Niederlagen (0:1 in Frankfurt und 0:2 gegen Real Madrid) und dem Remis am Samstag gehen die Schalker "mit einem nicht ganz so guten Gefühl" aus der Englischen Woche, wie Max Meyer sagte. Die Euphorie, die nach dem Traum-Rückrundenstart mit drei Siegen in Folge aufgekommen war, ist gedämpft worden. Und am nächsten Wochenende steht das Revierderby bei Borussia Dortmund an (Samstag, 15.30 Uhr). Über das sich zumindest Horst Heldt "noch gar keine Gedanken" machen wollte: "Heute nicht und morgen auch nicht", sagte der Manager, für den sich dieses Unentschieden "wie eine Niederlage" anfühlte.

Auch die meisten der Schalker Spieler wollten das Wochenende erst einmal dazu benutzen, das Remis gegen Werder zu verarbeiten. "Ab Montag freuen wir uns dann auf das Derby, das ist schließlich ein Highlight des Jahres", sagte Tranquillo Barnetta, der aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Uchidas auf der Rechtsverteidiger-Position aushelfen musste. Barnetta war es schließlich gewesen, der an der Seitenaus-Linie das Foul an Santiago Garcia verursacht hatte, das schließlich zum verhängnisvollen Freistoß geführt hatte. Der Schweizer verteidigte sein Vorgehen: "Wir hatten vorher viele Freistoß-Situationen, die wir immer gut gelöst haben. Es wäre schlimmer gewesen, wenn er durch gegangen wäre", sagte Barnetta. Die Frage war, was da noch hätte Schlimmeres passieren können als der späte Gegentreffer.

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