Seltene Ehre im Bernabeu-Stadion

Standing Ovations: Fans von Real ehren Königsblau

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Atsuto Uchida, Roman Neustaedter, Matija Nastasic, Thilo Kehrer und Timon Wellenreuther nach der Partie vor den eigenen Fans zwischen Stolz auf die eigene Leistung und Enttäuschung über das Aus.

MADRID - Kein Ticket fürs Viertelfinale der Champions League, aber europaweit Komplimente und Hochachtung: Der FC Schalke 04 hat mit dem 4:3-Erfolg am Dienstagabend bei Real Madrid beste Imagewerbung betrieben - und freut sich außerdem darüber, dass Matija Nastasic "königsblau" bleibt.

Von Jens Greinke

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Als Iker Casillas nach dem Schlusspfiff auf die recht unselige Idee gekommen war, den eigenen Fans, sich selbst oder wem auch immer zu applaudieren, löste der Keeper von Real Madrid einen Sturm der Entrüstung aus.

Ein gellendes Pfeifkonzert schallte durchs Estadio Santiago Bernabeu - so schrill, dass alle Fensterscheiben in der mächtigen Betonschüssel zu springen drohten. Mit Schimpf und Schande wurde die eigene Mannschaft daraufhin in die Kabine getrieben. Obwohl sie soeben das Viertelfinale der Champions League erreicht hatte.

Nicht nur aus Sicht der „Madridistas“ ganz offenbar auf unwürdige, weil viel zu glückliche Weise. Dem Schalker Team hingegen, das noch im Mittelkreis versammelt stand, wurde danach eine seltene Würdigung zuteil: Die Real-Fans ehrten die Blau-Weißen mit Standing Ovations.

An sich wäre vielleicht sogar eine Ehrenrunde angebracht gewesen für dieses großartige, von den Schalkern angezettelte Spektakel. Zumal auch die gut 4.000 mitgereisten eigenen Fans vor Stolz zu platzen drohten.

Siegreiche Schalker als tragische Verlierer

 „Bei mir kam dann schon ein bisschen Gänsehaut“, gestand Max Meyer wenig später. Der 19-Jährige war eine der herausragenden Persönlichkeiten an diesem denkwürdigen Abend gewesen, in dessen Verlauf die siegreichen Schalker zum tragischen Verlierer wurden.

Beim 4:3 (2:2)-Erfolg beim Titelverteidiger hatte nach dem 0:2 im Hinspiel letztlich nur ein einziges Tor zum Einzug in die nächste Runde gefehlt. „Max hat sich außergewöhnlich präsentiert“, urteilte Schalke-Manager Horst Heldt mit großer Hochachtung vor der Darbietung des Mittelfeld-Spielers, dessen Spieltrieb und Ideenreichtum unter anderem das große Real Madrid arg ins Wanken gebracht hatte.

„Ich hätte gerne selbst ein Tor gemacht“, fand Meyer selbst ein Haar in der Suppe. Doch da war wohl eine gewisse Koketterie im Spiel. Denn er war neben Weltfußballer Cristiano Ronaldo einer der großen Protagonisten an diesem Abend. Und dürfte dies gewusst haben.

Fotostrecke zur Schalker Sternstunde in Madrid

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„Bei Real hat sich wieder die individuelle Qualität gezeigt“, haderte Heldt mit dem letztlich betrüblichen Ausgang des Abends für die Schalker: „Denn ohne Ronaldo hätten sie heute keine drei Tore gemacht.“

Der portugiesische Weltfußballer war tatsächlich der Rettungsanker für die Madrilenen gewesen. Seine beiden Ausgleichstreffer (25./45.) waren für Madrid wertvoller als jede Lebensversicherungs-Police.

Das 0:1 durch Christian Fuchs (20.) und das 1:2 durch Klaas-Jan Huntelaar (40.) hatten das Selbstverständnis des Titelverteidigers nachhaltig ins Wanken gebracht, lediglich „CR7“ hielt das Starensemble einigermaßen auf Kurs.

Das selbst durch die 3:2-Führung durch Karim Benzema (53.) keine Souveränität erlangte. Ganz im Gegenteil: Der 3:3-Ausgleich von Leroy Sane (57.) und das 4:3 durch Huntelaar (84.) sorgten bei Real vor allem für eins: Angst.

„Am Ende ging denen ganz schön der Stift“, sagte Max Meyer im allerfeinsten Ruhrgebiets-Dialekt. Und stellte eine nicht ganz von der Hand zu weisende Vermutung an: „Hätte das Spiel fünf Minuten länger gedauert, hätten wir es geschafft.“

Personalie: Nastasic bleibt ein Schalker

Abwehrspieler Matija Nastasic bleibt dem FC Schalke 04 erhalten. Wie der Bundesligist mitteilte, wurde der zu Beginn der Rückrunde auf Leihbasis von Manchester City zum Revierclub gewechselte Abwehrspieler fest verpflichtet. Der Vertrag des Serben läuft bis zum 30. Juni 2019.

"Ich bin stolz und glücklich, dass ich ein Schalker bleibe", sagte der 21 Jahre alte Serbe. Nach starken Leistungen von Nastasic in sieben Bundesliga-Rückrundenspielen sowie in beiden Champions-League-Duellen mit Real Madrid entschloss sich der FC Schalke, eine mit Manchester City vorab vereinbarte Kaufoption in Höhe von angeblich 9,5 Millionen Euro wahrzunehmen.

Der 17-malige serbische Nationalspieler sieht in seiner neuen sportlichen Heimat gute Perspektiven: "Die Mannschaft hat mich vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen, ich war sofort ein Teil des Teams. In Zukunft möchte ich mithelfen, dass wir als Verein unsere Ziele erreichen."

Nastasic war Ende August 2012 vom AC Florenz in die Premier League gewechselt. Mit Manchester City gewann er im vergangenen Jahr die englische Meisterschaft und den Ligapokal. - sid

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