"Es gab ja auch schöne Tage"

Coach Jens Keller zwischen Resümee und Abschied 

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Trotz des Erfolgs gegen Basel: S04-Trainer Jens Keller steht weiter mit dem Rücken zur Wand.

GELSENKIRCHEN - Es war am Mittwoch nicht mehr lange bis Mitternacht, als Jens Keller einen kleinen Rückblick zu halten schien. "Es gab ja auch schöne Tage", sagte der 43-Jährige über seine bisherige Amtszeit als Schalker Cheftrainer, die er am 16. Dezember 2012 angetreten hatte. Das klang ein wenig nach Resümee. Und noch mehr nach Abschied.

Von Jens Greinke

Keller ist sich seiner Situation bewusst. Er muss weiter um seinen Job bangen, obwohl der Mannschaft durch das 2:0 (0:0) gegen den FC Basel der anvisierte Einzug in die K.o.-Phase der Champions League geglückt ist. Damit verhinderten die Knappen das vorzeitige Verpassen auch des zweiten von drei Saisonzielen, nachdem sie eine Woche zuvor bereits vorzeitig aus dem DFB-Pokal ausgeschieden waren.

Ob die Vereinsführung Keller nun zutraut, das dritte Ziel, die erneute Qualifikation für die Champions League, zu erreichen, scheint mehr als fraglich. "Ich kann nicht nach einem Sieg alles revidieren. Genau, wie ich das nach einer Niederlage nicht kann“, sagte Manager Horst Heldt, der an seiner ursprünglichen Analyse-Planung festhalten wird: „Nach dem letzten Spiel beim 1. FC Nürnberg machen wir eine Halbjahresbilanz und werden dann sehen, wie es weitergeht."

Erfolg teuer bezahlt

Sowohl Benedikt Höwedes als auch Julian Draxler mussten den Sieg über Basel teuer bezahlen: Beide Schalker zogen sich nach Aussage von Vereinsarzt Dr. Thorsten Rarreck einen Muskelfaserriss zu und fallen für den Rest der Hinrunde aus. Ein neuer Rückschlag für Trainer Jens Keller, dem insbesondere im Defensivbereich die Spieler ausgehen. Angeschlagen ist auch Atsuto Uchida, der sich gegen Basel eine Fleischwunde am Unterschenkel zuzog. - gre

Danach war das Thema für Heldt vorerst abgehakt, den Rest der Nach widmete er in geradezu besinnlicher Stimmung den positiven Gefühlen: "Heute ist der Tag der Erleichterung, der Freude und des Lächelns." Dazu beigetragen hatte vor allem das italienische Schiedsrichtergespann. Basels Trainer Murat Yakin zeigte sich nach der Partie geradezu fassungslos."„Vor allem das zweite Tor war die absolute Krönung", sagte der Ex-Bundesligaprofi (VfB Stuttgart und 1. FC Kaiserslautern).

Tatsächlich hatten die Schiedsrichter um Paolo Tagliavento bei einer Freistoß-Flanke von Jefferson Farfan (57.) gleich vier Schalker Spieler im Abseits übersehen. "Das hat mit Spitzenfußball nichts mehr zu tun", sagte Yakin resigniert. Joel Matip, der schließlich an den Ball wie die Jungfrau zum Kinde gekommen war, hatte sich nach kurzem Überraschungsmoment dazu durchringen können, den Ball zum 2:0 zu versenken.

2:0 gegen Basel - FC Schalke 04 steht im Achtelfinale

Jens Keller hatte sich in diesem Moment "ein wenig Sorgen gemacht, weil der Joel auf einmal so hilflos da stand" und befürchtet, dass der Deutsch-Kameruner die Chance vergibt. Für die 1:0-Führung hatte der an diesem Abend überragende Julian Draxler gesorgt (50.), dessen Verbleib bis zum Sommer 2014 Horst Heldt noch einmal garantierte: „Julian wird mit Schalke das Achtelfinale bestreiten“, sagte der Sportvorstand, nachdem zuletzt wieder Spekulationen über einen möglichen Verkauf in der Winterpause aufgekommen waren.

Der Spielbericht:

- Doppelschlag ebnet den Weg in die K.o.-Runde

Während es über die Irregularität des Treffers zum 2:0 auch auf Schalker Seite keine Diskussionen gab, konnte man sich über die Entscheidungen nach zwei wichtigen Zweikämpfen, die diese Partie ebenfalls mit entschieden hatten, durchaus streiten.

Zunächst hatte Benedikt Höwedes Basels Marco Streller in höchster Not von den Beinen geholt (28.). Schalkes Kapitän entging wohl nur deshalb eines Platzverweises wegen einer Notbremse, weil Felipe Santana sich noch auf gleicher Höhe befunden hatte. Für die Schalker unstrittig hingegen war die Rote Karte gegen Ivan Ivanov, der in der 31. Minute Adam Szalai von den Beinen geholt hatte.

Nun stehen für die Schalker noch zwei Bundesliga-Spiele an, ehe die Weichen auf der Trainerposition gestellt werden. "Immerhin sind noch sechs Punkte zu vergeben, die in die Analyse mit einfließen sollten", sagte Heldt. Am Sonntag empfangen die Knappen den SC Freiburg, ehe es eine Woche später zum befreundeten "Club" geht. Doch selbst wenn zwei weitere Siege gelingen, macht es derzeit nicht den Eindruck, als würde Jens Keller auch 2014 noch Trainer des FC Schalke 04 sein.

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