Schalkes Erkenntnisse: Leistungslimit und forsche Jugend

GELSENKIRCHEN - Das 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid am Mittwoch bedeutet für den FC Schalke 04 höchstwahrscheinlich das Aus in der Champions League. Doch deshalb geht beim Revierclub die Welt nicht unter.

Immerhin sind die Königsblauen nicht wie im Vorjahr mit 1:6 von Cristiano Ronaldo und Co. oder vom FC Chelsea in der Gruppenphase mit 0:5 vorgeführt worden. Manche Erkenntnis des ersten internationalen Fußballabends 2015 auf Schalke ist für das Team von Trainer Roberto Di Matteo nicht befriedigend, doch es gibt auch positive Aspekte.

1. Leistungslimit: Der FC Schalke 04 gehört zu den besten 16 Teams in Europa. Von den besten Acht aber ist er immer noch ein gutes Stück entfernt. Das dritte Achtelfinal-Aus hintereinander in der Königsklasse scheint besiegelt. Schwergewichte wie Real Madrid oder der FC Chelsea sind international genauso weit entfernt wie der FC Bayern in der Bundesliga. Gerade in K.o.-Spielen bekommt Schalke international seit Jahren die Grenzen aufgezeigt. Die letzten sieben Spiele dieser Art konnten nicht gewonnen werden. Der bis dato letzte Erfolg gelang am 15. März 2012 - beim 4:1 im Achtelfinale der Europa League gegen Twente Enschede.

2. stabilere Devensive: Der Freibrief für Roberto Di Matteo kam von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Bei dieser Personallage könne der Trainer "keine andere Taktik spielen" lassen. Der Schalker Beton wird aus der Not heraus angerührt und wird immer stabiler. Noch im November brach man gegen Chelsea (0:5) auseinander - 14 Gegentore in der Gruppenphase der Champions League waren Höchstwert aller für das Achtelfinale qualifizierter Teams. Das Augenmerk auf die Abwehr zu legen, ist zurzeit alternativlos. Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder lobte bei Sky: "Schalke hat sich gut verkauft und defensiv die Marschroute bis auf zwei Szenen vernünftig umgesetzt."

3. Harmlose Offensive: Ausfälle wie Jefferson Farfán oder Julian Draxler schmerzen Schalke nach wie vor. Die taktische Flexibilität im Angriff ist eingeschränkt. Neun Tore in sieben Spielen der Königsklasse sind unter dem Durchschnitt. Und für den einzigen Klassemann begann das Jahr 2015 denkbar schlecht. Durch die komplett Rote Karte gegen Hannover nahm sich Klaas-Jan Huntelaar in der Bundesliga für vier Spiele selbst aus dem Rennen. Nun erlitt der Angreifer nach einer halben Stunde gegen Real eine schwere Schienbeinprellung und musste raus. Im Derby gegen den BVB kann er wegen seiner Sperre frühstens wieder angreifen.

Bilder vom Champions League-Spiel Schalke 04 gegen Real

4. Jugend forsch: Zwei 19 Jahre alte Talente setzen Schalkes Jugendtradition fort. Torwart Timon Wellenreuther und Stürmer Felix Platte zeigten gegen Real, dass die Nachwuchsarbeit in der Knappenschmiede klappt. Nach Julian Draxler, Max Meyer und Leroy Sané stehen zwei weitere Youngster mit Perspektive parat. Platte hatte Pech bei seinem Lattenschuss. "Ich stand da rum und hab dann einfach mal draufgehalten. Schade, dass der nicht reingegangen ist", sagte er. Wellenreuther parierte großartig gegen Karim Benzema und Cristiano Ronaldo, ärgerte sich aber über die beiden Gegentore. "Beide Jungs haben ein gutes Spiel gemacht und gezeigt, dass sie ein große Zukunft vor sich haben können", lobte Di Matteo.

5. Die Chance in der Niederlage: Lamentieren nützt nichts. Aus dem Gefühl einer insgesamt befriedigenden Leistung gegen eine der besten Mannschaften der Welt kann Schalke Kraft tanken, um sich über die Bundesliga erneut für die Champions League zu qualifizieren. Platz drei (oder vier) ist das Minimalziel. Es stehen nun wegweisende Spiele an. Gegen Werder Bremen muss am Samstag das Team der Rückrunde in Schach gehalten werden. Dann wartet das Revierderby bei Borussia Dortmund. Ein Sieg beim Rivalen würde die Stimmung für den Rest der Rückrunde positiv beeinflussen. Das Rückspiel zehn Tage später in Madrid hat dagegen kaum noch sportliche Relevanz.

dpa

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