Im Interview

Schalkes Neuzugang Suat Serdar lernte das Kicken auf dem Betonplatz

Suat Serdar FC Schalke 04
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Bislang alles im Griff: Schalkes Neuzugang Suat Serdar.

Suat Serdar, teuerster Neuzugang vom FC Schalke 04 in diesem Sommer, spricht im Interview über Helene Fischer, Rap-Musik und seine Ziele auf Schalke.

Mittersill – Schalkes Sportvorstand Christian Heidel, der von 1992 bis 2016 dem Vorstand des FSV Mainz 05 angehörte, hatte stets beteuert, dass er nicht in seinen ehemaligen Gewässern fischen wolle. Doch als Suat Serdar in diesem Sommer zu haben war, griff der Schalker Sportvorstand zu. „Suat hätte Mainz sowieso verlassen, deshalb habe ich da kein schlechtes Gewissen“, sagt Heidel. Elf Millionen Euro überwiesen die Königsblauen für den talentierten Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln, der damit zum teuersten Schalker Einkauf in diesem Sommer wurde. Jens Greinke unterhielt sich mit dem dem U21-Nationalspieler im Trainingslager in Mittersill.

Sie müssen seit Mittwoch beim Training passen, da Sie sich eine Bänderdehnung im rechten Knie zugezogen haben. Wie schwer ist die Verletzung?

Serdar: Es hätte mich auch schlimmer treffen können. Ich werde bald wieder auf dem Platz stehen und nach dem Trainingslager wieder mit der Mannschaft trainieren.

Wie ist es passiert?

Serdar: Ich habe mir die Verletzung im Spiel gegen Aue zugezogen, sie allerdings erst in der Nacht darauf gespürt.

Wer hat Sie eigentlich als Talent entdeckt?

Serdar: Das war Holger Kersting von Mainz 05 auf einem U12-Turnier im Jahr 2008, bei dem ich noch für Hassia Bingen aufgelaufen bin. Da habe ich gut gespielt und habe damals als Stürmer ein paar Tore gemacht. Zum Mittelfeldspieler bin ich erst in der U16 in Mainz umgeschult worden.

Kann man Sie als Straßenfußballer bezeichnen?

Serdar: Ich denke schon. Wir haben als Kinder auf einem Betonplatz gespielt, immer direkt nach der Schule. Wir haben da immer eine Mini-WM ausgerichtet.

"Ich bin gut aufgenommen worden"

Fühlen Sie sich nach den wenigen Wochen auf Schalke bereits integriert?

Serdar: Auf jeden Fall. Auch die Spieler, die später in die Vorbereitung eingestiegen sind, wie Breel Embolo oder Amine Harit haben mich gut aufgenommen.

Suat Serdar im Gespräch mit Jens Greinke.

Kannten Sie vorher schon einige Ihrer neuen Mannschaftskameraden?

Serdar: Ja! Ich kannte Thilo Kehrer, Alexander Nübel und Cedric Teuchert aus den U-Teams des DFB, in denen ich seit der U16 spiele. Sie haben es mir auch leicht gemacht, auf Schalke anzukommen.

Mussten Sie schon ein Aufnahme-Ritual über sich ergehen lassen?

Serdar: Nein, noch nicht. Aber ich denke, das kommt bald. Wahrscheinlich am Ende des Trainingslagers. So wie es aussieht, werde ich etwas vorsingen müssen. Ich werde dann wahrscheinlich etwas von Helene Fischer nehmen. Dann kann mir die Mannschaft ein bisschen helfen und mitsingen.

Sind Sie Helene-Fischer-Fan?

Serdar: Nein, gar nicht. Ich höre am liebsten deutschen und amerikanischen Rap.

Es soll mehrere Klubs gegeben haben, die an Ihrer Verpflichtung in diesem Jahr interessiert gewesen sind. Was hat den Ausschlag für Schalke gegeben?

Serdar: Ich hatte sehr gute Gespräche mit Christian Heidel (Anm. der Redaktion: Sportvorstand) und Domenico Tedesco (Cheftrainer). Wir haben lange telefoniert. Diese Gespräche waren letztlich ausschlaggebend. Ich habe damals in der U17 gegen ihn gespielt, als er noch in Stuttgart Jugendtrainer war. Da habe ich gegen seine Mannschaft ein Tor gemacht. Das wusste er noch, ich war ganz überrascht. Er hat mir gesagt, dass er einen Umschalt-Spieler brauche, einen Box-to-Box-Spieler. Und das ich der richtige für diese Position sei. Das hat mich sehr geehrt. Ich denke, es ist der richtige Schritt für mich, da ich mich hier gut weiterentwickeln kann. In Mainz standen wir in den vergangenen zwei Jahren in erster Linie im Abstiegskampf. Das ist auf Schalke anders, deshalb kann ich etwas befreiter Fußball spielen.

Aber auch auf Schalke gibt es Druck…

Serdar: Ja, klar, Druck gibt es bei jedem Bundesligisten. Aber hier ist es positiver Druck.

Sie haben zehn Jahre lang in Mainz gespielt. Wann gab es den ersten Kontakt mit Christian Heidel dort?

Serdar: Als ich erstmals als Jugendspieler hochgezogen wurde und mit ins Trainingslager der Profis durfte. Da hatte ich erstmals Kontakt mit Christian.

Der Vergleich mit Goretzka "interessiert mich nicht"

Ihre neue Rückennummer ist die 8 - eine Zahl mit Vergangenheit auf Schalke. Bis zum Mai trug sie noch Leon Goretzka. Sehen Sie sich in der Rolle als sein Nachfolger?

Serdar: Nein. Mich interessiert dieser Vergleich nicht. Ich bin noch jung und möchte mich weiterentwickeln. Ich möchte den Fans und den Mitarbeitern hier auf Schalke erst einmal zeigen, was ich auf dem Platz kann.

Sie können auch auf der Sechser-Position spielen…

Serdar: Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt. Auf der Achter-Position bin ich allerdings vielleicht etwas flexibler.

Als Naldo sein erstes Bundesliga-Spiel absolviert hat, waren Sie acht Jahre alt. Ist er für Sie eine Art Leitbild?

Serdar: Ich hatte am Anfang einen Riesenrespekt vor Naldo. Aber ich habe schnell gemerkt, dass er sehr zuvorkommend und sehr freundlich ist. Er hilft mir oft auf dem Feld.

Schalkes Sportdirektor Axel Schuster, der Sie ebenfalls schon aus Mainzer Zeiten kennt, lobt Ihre schnelle Auffassungsgabe und Ihre Schusstechnik...

Serdar: Das stimmt, aber ich muss überall noch viel draufpacken, auch an Muskelmasse und Ausdauer. Ich bin noch am Anfang meiner Karriere.

Sie sind in diesem Sommer erstmals in Ihrem Leben aus Ihrer Heimatstadt Bingen weggezogen und wohnen nun in Gladbeck. Was vermissen Sie am meisten?

Serdar: Meine Familie. Ich bin ein sehr familiärer Typ. Deshalb pendelt meine Familie derzeit viel hin- und her.

Die Nationalmannschaftsfrage ist noch nicht entschieden

Sie spielen derzeit in der deutschen U21-Nationalmannschaft. Der nächste Schritt wäre die A-Mannschaft. Würden Sie sich für die deutsche oder die türkische Nationalmannschaft entscheiden?

Serdar: Damit befasse ich mich momentan nicht. Ich möchte mich jetzt erst einmal auf Schalke durchsetzen. Falls die Situation einmal kommen sollte, werde ich mich mit meiner Familie und meinem Berater zusammensetzen. Es wäre beides ein Traum: für Deutschland oder für die Türkei spielen zu dürfen.

Es schlagen also zwei Herzen in Ihrer Brust?

Serdar: Auf jeden Fall.

Mit welchen Gefühlen haben Sie das Theater um Mesut Özil, das mit dem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan begann und mit Özils Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft endete, in diesem Sommer verfolgt?

Serdar: Da ich die Hintergründe nicht ausreichend kenne, fällt es mir schwer, mich dazu zu äußern. Ich möchte die Handlungsweisen anderer nicht beurteilen, ohne alle Fakten zu kennen.

Sie sind mit elf Millionen Euro Ablösesumme der teuerste Schalker Neuzugang in diesem Sommer. Ist diese Zahl für Sie eine besondere Verpflichtung?

Serdar: Das ist mehr ein Thema für die Öffentlichkeit. Ich befasse mich damit gar nicht. Ich möchte nur gut Fußball spielen, gesund bleiben und eine geile Saison spielen.

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