Sportvorstand setzt Trainer unter Druck

Schneider ruft Schicksalsspiel für Tedesco aus

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Schalkes neuer Sportvorstand Jochen Schneider.

Schalkes neuer Sportvorstand Jochen Schneider stellt Trainer Domenico Tedesco keine Job-Garantie aus. Bremen wird dabei zum Schicksalsspiel.

Gelsenkirchen – Jochen Schneider war vorbereitet. Der neue Sportvorstand von Schalke 04 wusste, dass die Frage nach dem Trainer kommen würde – und nahm die Antwort direkt vorweg. „Ich bin in einem offenem Austausch mit Domenico Tedesco“, erklärte der 48-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung. „Wir müssen eine Trendwende herbeiführen, um die Kurve zu bekommen.“ Schneider habe dem Coach, den er noch aus Stuttgarter Zeiten kennt, erläutert, ein Freund von Kontinuität zu sein: „Aber Kontinuität darf Ziele und Erfolge nicht gefährden.“

Der gesamte Fokus liege auf dem Bundesliga-Spiel am Freitag bei Werder Bremen (20.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker). Doch damit war der neue Sportchef – Achtung, Wortspiel – noch nicht aus dem Schneider. „Was wäre, wenn“-Szenarien seien nicht sein Ding, aber er betonte noch einmal die Notwendigkeit der Trendwende: „Ich bin kein Freund von Lippenbekenntnissen. Wir können nicht so spielen wie in Mainz oder gegen Düsseldorf. Die Mannschaft muss ein anderes Gesicht zeigen.“ Bedeutet so viel wie: Tedesco ist nicht nur angezählt, er steht vor seinem Schicksalsspiel.

„Wir sind im Kampf um den Klassenerhalt“, sagte Schneider, für den nun drei Dinge elementar seien: ein voll fokussiertes Trainer-Team. Eine Mannschaft, die dessen Plan – anders als zuletzt – umsetzt. „Und wir brauchen unsere großartigen Fans“, meinte der Sportvorstand, der am 14. März auch juristisch in einer turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrates bestellt werden soll. Die Anhänger der Königsblauen waren nach den jüngsten blutleeren Auftritten mehr als aufgebracht. „Ich kann verstehen, dass der Frust groß ist“, meinte Schneider. „Aber es geht nur, wenn wir alle zusammenhalten.“

Schneider sucht Sportdirektor und Technischen Direktor

Dabei richtet sich der Frust der Fans nicht in erster Linie gegen Tedesco, der nach der Einheit am Dienstag auch Zuspruch erhielt, sondern gegen viele Spieler, die die Lage des Klubs nicht erkennen. Schneider betonte jedoch, dass sein Eindruck des Teams ein guter sei. Ein Moment, in dem er sich wohl lieber auf andere Floskeln berufen hätte. Denn dass der Zustand nicht stimmen kann, ist unverkennbar.

Schalke stellt Schneider vor: Alle Aussagen zum Nachlesen im Ticker

Ist die aktuelle sportliche Situation mal überstanden, gehe es an Strukturen und Prozesse. „Wir sind hier nicht bei einem Neuanfang, sondern gehen unseren eingeschlagenen Weg weiter“, sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies. Auch wenn er es anders sieht: Es ist ein Umbruch, der viele Korrekturen vorsieht.

Schalkes Boss Tönnies stellt Sportvorstand Schneider offiziell vor

Schneider will sein Team breiter aufstellen, unter sich einen Sportdirektor sowie einen Technischen Direktor installieren. „Es geht dabei um zwei Dinge: um Qualität und die menschliche Komponente, wir brauchen Teamplaner“, erklärte der Sportvorstand. Sein Vorgänger Christian Heidel hatte dies abgelehnt. Groß nachtreten wollte Tönnies deswegen nicht: „Ich glaube, dass wir geblendet waren von der Vize-Meisterschaft. Wer Erfolg hat, hat immer recht. Umso mehr sind wir von der Entwicklung stark beeindruckt.“

Fokus auch auf die Jugendarbeit

Schneider und sein Team sollen das königsblaue Schiff wieder auf Kurs bringen. Mit Maßnahmen bei den Profis. Aber auch mit Blick auf die Knappenschmeide. „Wir wären doof, wenn wir die Qualität an guten Leuten nicht nutzen würden“, erklärte er: „Der volle Fokus gilt auch der Jugendarbeit. Die werden wir nach Kräften unterstützen, damit es uns gelingt, regelmäßig Jugendspieler in den Lizenzspielerbereich zu überführen.“

Im Idealfall mit einer Fußball-Philosophie, die für den ganzen Klub gilt. Dabei nennt er seinen vorherigen Arbeitgeber RB Leipzig als Beispiel. „Sie wissen ja, wo ich die vergangenen Jahre verbracht habe und welche Art von Fußball da gespielt wird“, sagte Schneider: „Das ist eine Art, mit der sich die Fans auf Schalke identifizieren können.“ Aber ist es eine Art, die zu Tedesco passt? „Domenico“, antwortete er, „orientiert sich ein Stück weit daran, welche Spieler er zur Verfügung hat. Aber die Dinge schließen sich per se nicht aus.“ Was sich ändern könnte, sofern die geforderte Trendwende ausbleibt.

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