Horst Heldt muss über Jens Kellers Zukunft entscheiden

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GELSENKIRCHEN - Auf dem Schalker Trainingsplan für Freitag, den Dreizehnten, war schlicht das Wörtchen „Ruhetag“ eingetragen. Dabei dürfte es sich allerdings nicht um eine prophylaktische Maßnahme gehandelt haben, um weiteres Unheil vom Klub abzuwenden. Sondern schlicht, um einmal durchzuschnaufen vor den beiden letzten Aufgaben der Hinrunde. - 

Von Jens Greinke 

Drei Englische Wochen liegen hinter der Mannschaft, die ereignisreich waren und viel Kraft gekostet haben dürften. Drei Wochen, die in Zeitraffer auch ein wenig die bisherige Halbserie zusammenfassten, die durch ein ständiges Auf und Ab gekennzeichnet war. Ein kurioses 3:3 bei Eintracht Frankfurt, ein ödes 0:0 bei Steaua Bukarest, ein aufmunterndes 3:0 über den VfB Stuttgart, ein desillusionierendes 1:3 im Pokal gegen Hoffenheim, ein verdientes 1:2 in Mönchengladbach und schließlich ein erlösendes 2:0 über den FC Basel, das den Einzug ins Achtelfinale der Champions League bedeutete.

Unter dem Strich steht eine Bilanz, die im Ruhrgebiet gerne mit dem Urteil „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ bewertet wird. Die Bilanz, die Horst Heldt nach Abschluss der Hinrunde zu ziehen gedenkt, muss eindeutiger ausfallen. Der Schalker Manager wird entscheiden, ob der Klub mit dem selben Trainer in die Rückrunde startet. Die Zeichen stehen klar auf Abschied, Heldt hat schon seit längerer Zeit kein klares Bekenntnis pro Keller mehr abgelegt.

Auch das Überwintern in der europäischen Königsklasse dürfte dem 43-jährigen Trainer nicht mehr helfen. Anstatt die Leistung nach dem Erfolg über Basel zu würdigen, sagte Heldt erst einmal: „Ich kann nicht nach einem Sieg alles revidieren.“ Und auch Keller scheint zu wissen, dass sich seine Zeit als Schalker Cheftrainer nach nur einem Jahr dem Ende zuneigt. Am Mittwoch meinte er in fast schon melancholischer Rückschau: „Der Großteil der Tage als Schalker Trainer war für mich ja schön.“ Selbst zwei Siege in den verbleibenden Spielen gegen den SC Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr) und den Nürnberg eine Woche später dürften die Trennung von Keller nicht mehr verhindern. Der gebürtige Stuttgarter hat es nicht geschafft, sich und der Mannschaft innerhalb eines Jahres ein prägnantes Profil zu verleihen. Die Spielphilosophie blieb diffus.

Hinzu kam, dass Keller bei seinen öffentlichen Auftritten meist so blass war wie ein Wintermond nach Sonnenaufgang. Vor allem ist es ihm nicht gelungen, einen zwar schwierigen, aber hochbegabten Kader zu konstanten Leistungen zu treiben. Dies ist sicherlich das größte Manko Kellers als Schalke-Trainer. Potenzielle Nachfolger werden schon seit einigen Tagen öffentlich gehandelt. Das mag nicht die feine Art sein, gehört aber in diesem Geschäft der Hochbezahlten dazu.

Thomas Schaaf, der ehemalige Coach von Werder Bremen, gilt weiterhin als aussichtsreichster Kandidat. Auch, weil das Angebot von verfügbaren Übungsleitern derzeit recht überschaubar ist. Und einen Trainernovizen wie Stefan Effenberg zu engagieren, wäre für Horst Heldt ein hoch riskantes Unterfangen. Der 44-jährige Manager weiß, dass er es besser mit dem alten Adenauer halten sollte: „Keine Experimente!“

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