S04-Fans feierten Stevens

Schalker Horrorstreifen: Heldt schaut 2. Hälfte am TV

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Die große Torflaute ist beendet: Nach 1196 torlosen Minuten glückt Klaas-Jan Huntelaar gegen Stuttgart ein Doppelpack.

Gelsenkirchen - Horst Heldt war in der zweiten Halbzeit von seinem Stammplatz auf der Haupttribüne verschwunden. Des Managers königsblauer Polstersitz im La-Ola-Block IV, auf dem er in aller Regel die Spiele bis zum Schlusspfiff verfolgt, blieb verwaist. Nach dem Spiel verriet Heldt, dass er große Teile des zweiten Durchgangs allein vor einem Fernseher in der Mixed Zone vor den Spielerkabinen verbracht habe.

Von Jens Greinke

In einer Phase, „wo erst mal Horror angesagt“ gewesen sei, wie Heldt nachher verriet. Eine Phase, offenbar zu gruselig für Heldt, um sie live zu ertragen. 1:2 hatte sein Team zu diesem Zeitpunkt zurückgelegen. Und dem 45-Jährigen muss es wie ein kleines Fußballmärchen vorgekommen sein, dass auf dem Flat-Bildschirm schließlich doch noch ein blauweißes Happy End in ultrascharfen HD übertragen wurde. Auf die Frage, ob er beim 3:2-Siegtreffer von Kevin-Prince Boateng (89.) in dem eher schmucklosen Kellerraum denn jemanden zum mitjubeln gehabt habe, meinte Heldt: „In so einer Phase bin ich nicht ansprechbar, das wissen die Leute hier unten.“

Die Frage, inwieweit Heldt ansprechbar gewesen wäre, wenn die Partie gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart verloren gegangen wäre, blieb somit offen. Nach dem tief enttäuschenden 0:2 beim FSV Mainz eine Woche zuvor, hatte der Schalker Manager einen seiner letzten Joker aus dem Ärmel gezogen: Er hatte die Mannschaft für vier Tage ins Hotel Klosterpforte im ostwestfälischen Marienfeld gebeten, um dort vielleicht zur Besinnung zu kommen. Es war eine Art Notbremse. Nachdem die erneute Qualifikation für die Champions League bereits verspielt worden war, drohte nun auch noch das Verpassen der Europa League. Mehr Horror ginge nun wirklich nicht aus Schalker Sicht. Vor allem für Heldt. Weshalb es ihm beim Zwischenstand von 1:2 eiskalt den Rücken hinunter gelaufen sein dürfte.

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„In diesem Spiel gab es alles“, urteilte später Schalkes Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies: „Höhen und Tiefen, rauf und runter.“ Das erste Hoch gab es in der 9. Minute, als Klaas-Jan Huntelaar seine unfassbare lange Torlos-Phase von 1196 Minuten beendete. Stark begünstigt von Stuttgarts Georg Niedermeier, der zuvor unbedrängt über den Ball getreten hatte. Danach kam ein langanhaltendes Schalker Tief, während dessen die Stuttgarter durch einen zauberhaften Heber von Martin Harnik zunächst ausglichen (22.) und in der 51. Minute schließlich durch Kostic mit 2:1 in Führung gingen. In diesem Moment schien Heldts letzter Joker nicht gestochen zu haben, es drohte die Niederlage gegen das Schlusslicht. Und wahrscheinlich auch eine äußert heftige Reaktion des Publikums.

Die Schalker Fans begannen, ihren Unmut lautstark zu äußern und feierten als Höhepunkt Stuttgarts Trainer Huub Stevens mit lauten Sprechchören. „In diesem Moment hat sich das Publikum von uns abgewendet“, meinte Klaas-Jan Huntelaar, der nach Vorlage des eingewechselten Kevin-Prince Boateng mit seinem zweiten Treffer in der 78. Minute schließlich für einen erneuten Stimmungsumschwung sorgte. Boateng selbst hatte dann großen Anteil am Siegtreffer in der letzten Spielminute: Sein spektakulärer Volleyschuss fand unaufhaltsam seinen Weg ins Stuttgarter Tor, Florian Klein konnte ihn nur noch abfälschen, weshalb der Treffer offiziell schließlich als Eigentor gewertet wurde. Nach diesem Sieg ist die Teilnahme an der Europa League nun wieder greifbar nahe.

Auf die Frage, warum diese Schalker Mannschaft offenbar immer erst einen lauten Weckruf benötigt, antwortete Aufsichtsratschef Clemens Tönnies etwas kryptisch: „Es liegt nicht an der Mannschaft. Es ist vielleicht ein Stück weit Schalke 04.“ Schalkes starker Mann kündigte mal wieder Veränderungen für die Zukunft an: „Wir wissen einiges, was wir besser machen müssen und besser machen werden. Wir werden einiges umstellen, auch innerhalb der Mannschaft“, sagte der Großmetzger. Was genau, verriet Tönnies nicht. „Dazu ist es noch zu früh.“

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