Schalke zieht bei Boateng die Notbremse

+
Nach seinem schwachen Auftritt in Hannover soll Kevin-Prince Boateng zunächst seine Probleme am Sprunggelenk auskurieren.

GELSENKIRCHEN - Pokal-Blamage in Dresden, verspielter Sieg in Hannover - und jetzt die großen Bayern: Schalke 04 drohen ungemütliche Zeiten, und deshalb sprach der Kapitän nun ein Machtwort.

"Wir haben Qualität. Aber wir müssen sie auch einsetzen und nicht nur wie selbstverständlich glauben, das wird schon irgendwie", sagte Weltmeister Benedikt Höwedes und forderte: "Jeder muss seine Qualitäten bedingungslos einbringen und intensiv arbeiten."

Vor dem Heimspiel gegen den Rekordmeister aus München am Samstag (18.30 Uhr), gegen den S04 zuletzt sieben Niederlagen mit 2:23 Toren kassierte, ist der Ton bei den Königsblauen rauer geworden, dies ließ sich auch am eher rustikalen Auftreten von Coach Jens Keller in der täglichen Trainingsarbeit festmachen. Grundtenor dieser Tage: Wer nicht Vollgas geben will oder kann, für den ist im Moment kein Platz.

Boateng das erste "Opfer"

"Gerade gegen Bayern kann man es sich nicht leisten, fünf sechs Spieler auf dem Platz zu haben, die nicht bei 100 Prozent sind", sagte Sportvorstand Horst Heldt. Erstes "Opfer": Topstar Kevin-Prince Boateng. Der ghanaische Nationalspieler und früher Milan-Profi war zuletzt das Symbol der Krise, schleppte sich mit starken Sprunggelenkproblemen durch - er selbst hatte sich vor den Spielen gegen Dresden und Hannover fit gemeldet und damit seiner Mannschaft einen Bärendienst erwiesen.

Heldt: Nicht der Buhmann

"Anders kann man das bei einem so erfahrenen Profi nicht machen", sagte Heldt, ließ aber offen, ob die Pause die Entscheidung Boatengs oder der sportlichen Leitung war. Zum Buhmann abgestempelt wissen, will Heldt den gegen Hannover ganz schwachen Boateng aber nicht: "Wenn er Tennis- oder Golfspieler wäre, wäre die Kritik berechtigt. Wir betreiben aber keinen Einzel- sondern Mannschaftssport, da ist jeder im Team gefordert", sagte Heldt: "Dass jetzt gerade Kevin in der Kritik steht, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir sind froh, ihn zu haben."

Wohl gar nicht im Kader

Wie auch immer: Gegen die Bayern wird Boateng, der nun erstmal völlig fit werden soll, höchstwahrscheinlich nicht in der Startelf, womöglich gar nicht im Kader stehen. Gleiches gilt für Abwehr-Youngster Sead Kolasinac, der nach seinem gegen Hannover erlittenen Kreuzbandriss das Grüppchen der Langzeitverletzten weiter vergrößerte.

"Es ist bitter, dass wir nicht konsequent alle Mann auf dem Platz haben. Aber wir müssen damit zurechtkommen und dürfen jetzt nicht jammern. Das funktioniert nicht", sagte Höwedes, der voraussichtlich als Linksverteidiger - wie bei der WM im Nationalteam - die Kreise von Bayern-Ass Arjen Robben stören soll.

Höwedes nimmt Kapitänsrolle sehr ernst

Er selbst sieht sich nach seinem verspäteten Trainingseinstieg in Sachen Fitness "noch nicht bei 100 Prozent", dafür nimmt er seine Rolle als Kapitän um so ernster: "Ich habe als Kapitän die Aufgabe Worte zu finden, die die Mannschaft berühren, die sie auch annimmt. Ich mach die Sache nicht zum Spaß."

Vor dem Bayern-Match, in dem Schalke "eh nix zu verlieren hat" (Heldt), konnte sich Höwedes kurz fassen: "Das ist ein Spiel, in dem wir vieles wieder gut machen können - und das geht vor allem über den Einsatzwillen." SID

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare