Schalke will von der Rolle des Jägers nichts wissen

Ein Tor wie aus den guten alten Kreisel-Tagen: Julian Draxlers (links) Treffer zum 3:0 entsprang einer großartigen Schalker Kombination. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Marco Höger ist nicht unbedingt als Dickkopf bekannt, doch am Samstag hielt sein Schädel auch den extremsten Belastungsproben stand. „Meine Stirn ist wohl etwas härter als Bennys Wangenknochen“, sagte Schalkes Defensivsspieler, nachdem er mit seinem Mannschaftskameraden Benedikt Höwedes im Luftduell (32.) zusammengeprallt war.

Von Jens Greinke

Während der Kapitän mit einen Jochbein-Bruch vom Platz geführt wurde, war auf Högers Stirn noch nicht einmal eine kleine Beule zu sehen. Nur ein paar Sorgenfalten: „Ich werde mich gleich bei ihm erkundigen, wie es ihm geht“, sagte Höger nach der unabsichtlichen Kollision.

Höwedes ging es nicht so gut, der Schalker Kapitän wird am Montag operiert und wird einige Wochen fehlen. Der Ausfall des Schalker Kapitäns war der einzige Betriebsunfall der Hausherren beim nie gefährdeten 3:1 (1:0)-Erfolg über einen erschreckend harmlosen VfB Stuttgart, der die „Knappen“ mit Tabellenführer Bayern München nach Punkten gleichziehen ließ. Huub Stevens, der Fragen nach der Meisterschaft so scheut wie eine Katze das Wasser, ließ sich erst gar nicht in irgendeine Diskussion über Titelträume ein: „Bayern-Jäger? Das machen nur die Medien“, sagte der 58-jährige Niederländer in gewohnt schroffer Art.

Eine Philosophie, die auch bei seinen Spielern greift. Abgesehen von Klaas-Jan Huntelaar, dem am Samstag durch Schiedsrichter Dr. Felix Brych sein 16. Saisontreffer wegen einer angeblichen Abseitsposition geraubt wurde, spricht keiner der Schalker Profis offen vom möglichen Titelgewinn. „Wir schauen von Spiel zu Spiel und nicht auf die Konkurrenz“, sagte beispielsweise Linksverteidiger Christian Fuchs, der wie seine Kollegen in der Defensive eine sehr stabile Leistung gezeigt hatte. Trotz des Ausfalls von Spielern wie Lewis Holtby, Per Kluge oder Jermaine Jones war die Schalker Abwehr gegen die Stuttgarter so wie gut überhaupt nicht in Bedrängnis geraten. Die Treffer von Joel Matip (3. ), Kyriakos Papadopoulos (57.) und Julian Draxler (80.) fielen fast zwangsläufig. „Wir haben die Ausfälle gut kompensiert“, ergänzte Fuchs und meinte damit vor allem Matip, der eine überragende Partie auf der Sechser-Position gezeigt hatte. Auch den frühen Ausfall von Höwedes noch vor der Pause hatte der Schalker Kader in Person von Christoph Metzelder bestens auffangen können.

Horst Heldt ließ sich dennoch die Möglichkeit, den Kader innerhalb des Transferfenster zu verstärken, offen. „Wir haben noch bis Ende Januar Zeit. Wenn es etwas Gescheites gibt . . . “, sagte der Manager – der zu Spekulationen über den Meistertitel übrigens kryptisch schlüpfrig meinte: „Träumen ist schön. Es ist nur wichtig, dass es keine feuchten Träume sind.“

Ob dieser Ausspruch irgendetwas mit dem Interview von Schalke-Anhängerin und Skandal-Autorin Charlotte Roche („Schoßgebete“, „Feuchtgebiete“) im aktuellen „Schalker Kreisel“ etwas zu tun hatte, ließ sich nicht ermitteln.

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