Für Blau-weiß geht es um Einiges

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Der Vorstand um Clemens Tönnies will nach dem Hamburgspiel die Zukunft diskutieren.

Gelsenkirchen - Jene Ahnungslosen, die nur auf die Tabelle schauen, könnten meinen, dass es für den FC Schalke 04 heute im letzten Saisonspiel beim Hamburger SV um nichts mehr geht: Das Minimalziel, die Qualifikation für die Europa League ist gesichert, ein kleines Fragezeichen steht lediglich dahinter, ob die „Knappen“ als Fünfter oder Sechster ins Ziel kommen.

Tatsächlich geht es in der Partie aber um viel mehr. Horst Heldt dürfte ein Lied davon singen können. Schalkes Manager steht unter Dauerbeschuss. Während an Stammtischen und im Internet die Stimmung fast durchgehend gekippt ist – und zwar gegen den 45-Jährigen – genießt Heldt im Verein noch Rückhalt.

Die Frage ist nur, wie lange noch. Am vergangenen Samstag beim peinlichen Auftritt der Mannschaft im Heimspiel gegen den SC Paderborn (1:0) wurden nicht nur die Spieler ausgepfiffen und beschimpft, sondern auch die sportlich Verantwortlichen. Neben Heldt selbst („169 cm Inkompetenz“) geriet erstmals auch Clemens Tönnies massiv in die Schusslinie. Bereits in der Halbzeitpause war der Aufsichtsratsvorsitzende mit versteinerter Miene durch die Arena gestapft, nach dem Spiel verweigerte der ansonsten auskunftsfreudige Großmetzger jegliche Auskunft.

Analyse der Lage nach letztem Saisonspiel

Wer Tönnies kennt, weiß, dass er auf Kritik und persönliche Anfeindungen so reagiert, wie ein Pollen-Allergiker auf einer Blumenwiese im Frühling: ziemlich verschnupft. Die Frage wird nun sein, welche Konsequenzen er aus der Situation ziehen wird. Und ob er Heldt und Trainer Roberto Di Matteo weiter zutraut, die in dieser Saison heftig schlingernde Mannschaft wieder in die Bahn zu bringen. Eine Analyse der Saison findet laut Aussage des Managers erst nach dem letzten Saisonspiel statt.

„Es werden dann viele Sachen auf den Tisch kommen. Und dann wird es weitergehen“, sagt Heldt. Die meisten Fakten sind allerdings schon hinlänglich bekannt: Die Schalker Mannschaft hat sich in den vergangenen Monaten als eine inhomogene Truppe präsentiert, der es an Disziplin und offenbar auch an Charakter mangelt.

Viele negative Sachen geschehen

Heldt selbst weiß, dass sich dieses Bild am letzten Spieltag nicht mehr wird wandeln lassen, dafür ist in den vergangenen Monaten zuviel Negatives passiert: „Wir können es nicht schaffen, die Dinge in einem Spiel wieder wettzumachen.“ Dies dürfte ihm am vergangenen Samstag endgültig klar geworden sein, als er sich vor der Schalker Arena den Fans stellte und deren ganze Wut abbekam.

Allerdings schränkt Heldt ein: „Draußen war es angenehmer als im VIP-Bereich.“ Dennoch wird viel darauf ankommen, wie die Mannschaft in Hamburg auftreten wird. Einerseits, um die eigene Reputation ein wenig wieder herzustellen; andererseits, um nicht auch noch bei der Bundesliga-Konkurrenz in Ungnade zu fallen. „Wir haben in diesem Spiel eine Verpflichtung der Liga gegenüber“, sagt Heldt.

Verantwortung ist den Spielern bewusst

Schließlich werden die Schalker großen Anteil daran haben, wer im dramatischen Abstiegsfinale den Kürzeren ziehen wird. Heldt ist sich sicher, dass sich die Schalker Spieler dieser Verantwortung bewusst sind.

„Ich habe in dieser Woche viele Profis in mein Büro zitiert und mit ihnen gesprochen“, berichtet Heldt. Während die Spieler nach der Partie beim HSV ihren Urlaub antreten werden, wird für Heldt und auch Roberto Di Matteo noch die große Schlussanalyse mit Vorstand und Aufsichtsrat anstehen.

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