Schalke voller Selbstbewusstsein zum Spitzenspiel

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GELSENKIRCHEN - Horst Heldt weiß, dass der Fußball ein unzuverlässiger Geselle ist, weshalb der Schalker Manager von Zwischenbilanzen lieber absieht. Drei Liga-Siege in Folge, eine wie ausgewechselt wirkende Mannschaft – selbst der bislang so makellose Start in die Rückrunde verleitet Heldt nicht dazu, sich irgendwelchen Wunschträumen hinzugeben. „Es sind ja schließlich noch viele Punkte zu verteilen“, sagt der 44-Jährige mit ernster Stimme.

Von Jens Greinke

Wie am Samstag (18.30 Uhr) in der Partie bei Bayer Leverkusen. Manch einer würde die Begegnung gegen den Tabellenzweiten als „Sechs-Punkte-Spiel“ bezeichnen, für Heldt ist es lediglich eine weitere Etappe auf dem Weg zum anvisierten Saisonziel, der erneuten Qualifikation für die Champions League. „Doch selbst wenn wir dort gewinnen, ist für uns nicht alles eingetütet. Und bei einer Niederlage ist auch nicht alles vorbei.“

Der Eindruck, den die Schalker Mannschaft zuletzt machte, lässt in der Anhängerschaft allerdings langsam wieder berechtigte Hoffnung auf ein paar schöne Schalker Fußball-Wochen aufkommen. Das teilweise uninspirierte und eigenbrödlerische Spiel der Hinrunde hat die Mannschaft von Jens Keller abgestreift, dafür zeigte sie sich in den ersten drei Partien in 2014 so beseelt und motiviert, als würden in der Mannschaftskabine regelmäßig Glückshormonene verabreicht. „Zur Zeit gibt jeder das, was er geben kann“, sagt Heldt mit gewisser Zufriedenheit in der Stimme. Dabei investieren die Profis offenbar soviel, dass der Manager nach eigener Aussage derzeit keine Veranlassung sieht, in den Trainings- und Spielbetrieb einzugreifen.

Dies hatten die Schalker ja bekanntlich in der Winterpause getan. „Es waren viele Hebel, die in Bewegung gesetzt wurden“, sagt Heldt. Der ganz große Hebel war dabei allerdings nicht betätigt worden: Der in der Hinserie oft unglückselig auftretende und nach außen wenig überzeugende Trainer Keller durfte im Amt bleiben. Allerdings ist es längst kein Geheimnis mehr, dass es für den 42-jährigen, ehemaligen Jugendcoach auch anders hätte kommen können. Und er wohl eher aufgrund einer fehlenden Alternative seinen Job behielt. Nun ist allerdings auch Keller gestärkt aus der Situation hervor gegangen. Bereits im Trainingslager in Doha wirkte er lockerer, seit den drei Siegen in Folge ist nun sogar ein Hauch von einer gewissen Lässigkeit zu erkennen, die er vorher meist nur auf sehr krampfhafte Art zu vermitteln versuchte. Meist vergeblich.

Fest steht, dass die Rückkehr von Klaas-Jan Huntelaar nach langer Verletzungspause ein wichtiger Katalysator für das verbesserte Schalker Spiel ist. Mit dem Niederländer steht nun ein zweiter „Leader“ auf dem Feld, was auch das Spiel des anderen Platzhirschen sichtbar befreite: Kevin-Prince Boateng. Die Balance innerhalb des Teams ist dadurch wieder hergestellt, zumal sich die anderen Profis auf einmal klaglos in den Dienst der Mannschaft stellen. Horst Heldt lässt sich dabei durchaus auf einen militärischen Vergleich ein: auf die Einteilung der Spieler zwischen Generälen und Soldaten. „Wichtig ist, dass dabei die Stimmung stimmt“, sagt Heldt. Und: „Es ist keine Abwertung, wenn wir von Soldaten sprechen. Sead Kolasinac war beim 2:0 gegen Hannover vergangenes Wochenende ein spielentscheidender Soldat, als er mit einer enormen Willensleistung das 1:0 eingeleitet hat“, so Heldt.

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