Im Interview

Naldo: "Die Fans lieben mich überall"

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Innenverteidiger beim FC Schalke 04 mit 36 Jahren: Naldo.

Naldo, Innenverteidiger des FC Schalke 04, hat seinen Vertrag bis 2020 verlängert. Er liebt die Fans, die Fans lieben ihn – das hat er im Interview verraten.

Gelsenkirchen - Dieser Mann ist „everybody’s darling“. Sagt er jedenfalls. Und man glaubt es ihm auch. Egal, ob bei Werder Bremen, beim VfL Wolfsburg oder bei Schalke 04 – „die Fans lieben mich überall“, sagt Naldo über seine drei Bundesliga-Stationen. 

Und er liebt die Fans. Sowie den Fußball, von dem er auch mit 36 Jahren noch nicht lassen will. Für ihn sei es eine „Motivation“, auch mit 40 noch in der Bundesliga zu spielen, erklärt der Innenverteidiger, der es also machen will wie Claudio Pizarro: einfach nicht aufhören. Dazu passt, dass er seinen Vertrag gestern bis 2020 verlängert hat.

 Am Samstag (18.30 Uhr) treffen Schalke 04 und der SV Werder in der Arena aufeinander – oder anders gesagt: Fehlstarter empfängt Höhenflieger. Vor den Duell dieser beiden Teams sprach Naldo mit unserem Mitarbeiter Carsten Sander.

Das Interview:

Naldo, Sie waren am Wochenende auch beim Abschiedsspiel Ihres alten Werder-Kollegen Per Mertesacker dabei. Im Trikot hat man Sie in Hannover zwar gesehen, nicht aber auf dem Platz – was war los?

Naldo: Ich hatte einen kleinen Schlag abbekommen und ein bisschen Probleme. Mein Trainer hat gesagt, ich solle lieber nicht spielen. Aber ich trainiere ganz normal und bin fit für das Spiel gegen Werder.

Seit Ihrem Weggang aus Bremen vor sechs Jahren haben sie elfmal gegen Werder gespielt. Man sollte also davon ausgehen, dass die Partie am Samstag Ihren Puls nicht mehr zum Rasen bringt.

Naldo: Nicht ganz richtig. Da sind immer noch viele Gefühle dabei. Werder ist für immer in meinem Herzen, und ich bedanke mich, dass der Verein mich damals nach Deutschland geholt hat.

Im aktuellen Fall geht es auch sportlich um einiges. Nach dem Horror-Saisonstart mit fünf Niederlagen hat Schalke zuletzt zweimal gewonnen, mit einem Sieg in der Champions League als Zugabe. Jeweils ohne Gegentor. Schalke zurück in der Erfolgsspur?

Naldo: Die Siege waren schön für uns, keine Frage. Aber wir wissen, dass es in der Liga mit nur sechs Punkten immer noch schlecht aussieht. Wir stehen in der Pflicht am Samstag wieder Vollgas zu geben.

Kann man das Spiel unter die Überschrift stellen: Rückkehr oder Ende der Schalke-Krise?

Naldo: Wir haben das Wort Krise nie benutzt. Ich bin mir auch sicher, dass wir eine gute Mannschaft sind und aus dieser Situation rauskommen werden.

Nach dem 1:0 gegen Mainz 05, dem ersten Schalker Bundesliga-Sieg der Saison, hat sich zwischen Ihnen und Trainer Domenico Tedesco Bemerkenwertes zugetragen. Obwohl Sie das zweite Spiel in Folge nur auf der Bank gesessen hatten, haben Sie sich beim zu dem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit angezählten Trainer im Namen der Mannschaft bedankt. Wieso?

Naldo: Nach jeder der fünf Niederlagen hat er sich vor uns Spieler gestellt, hat nie öffentliche Kritik geübt, hat uns immer das Vertrauen ausgesprochen. Deswegen habe ich nach dem ersten Saisonsieg gesagt: ,Trainer, wir müssen auch Danke sagen.’ Er braucht doch genauso unsere Unterstützung wie wir seine. Als Mannschaft wissen wir doch, dass er das erste Mal so eine Situation erlebt hat – das war bestimmt nicht einfach für einen 33 Jahre alten Trainer. Er hat so viel für uns gegeben, da mussten wir auch zurückzahlen. Und dabei war es auch nicht wichtig, dass ich in dem Spiel nur auf der Bank gesessen hatte. Wir gehören alle zusammen. Nur mit dieser Einstellung kannst du erfolgreich sein.

Ihre Aktion hat Tedesco vermutlich noch mehr Rückendeckung gegeben als der Sieg zuvor. War das so geplant oder kam das spontan?

Naldo: Das war total spontan. Der Ursprung war aber, dass ich mit unserem Trainer total zufrieden bin.

Sie sind 36 Jahre alt und damit drei Jahre älter als Tedesco – wer passt da eigentlich auf wen auf?

Naldo: Domenico Tedesco braucht niemanden, der auf ihn aufpasst. Er ist jung, aber erfahren. Er ist intelligent und findet immer die richtigen Worte. Aber klar: Ich habe schon viel erlebt in meiner Karriere. Da versuche ich zu helfen, wo ich kann.

Hat es Sie nicht gestört, dass Sie gegen Freiburg und Mainz nur zugucken durften?

Naldo: Ich weiß ja, dass viele erwartet hätten, dass ich sauer darauf reagiere oder das Diskutieren anfange. Das wäre in den Augen der meisten wohl die normale Reaktion gewesen. Aber der Trainer hat zu mir gesagt: ,Naldo, ich brauche dich. Aber ich muss deine Belastung steuern.’ Er wollte nicht, dass ich mich in den Englischen Wochen mit Bundesliga und Champions League verletze, weil ich ihm zu wichtig bin. Ich war froh, dass er so etwas über mich gesagt hat.

Vor dem achten Spieltag weist die Tabelle Werder als Vierten und Schalke als 15. aus. Leverkusen steckt noch im unteren Drittel, während die Hertha einen Höhenflug erlebt. Befindet sich die Liga gerade im Wandel?

Naldo: Um das zu beantworten, ist es noch zu früh. Natürlich ist es aktuell in einigen Bereichen erstmal ein überraschendes Tabellenbild. Aber auf Schalke beschäftigen wir uns sowieso nicht so sehr mit der Tabelle – das gilt nicht nur jetzt, sondern war auch vergangene Saison so.

Sind Sie überrascht über den Bremer Entwicklungssprung vom Abstiegskandidaten zum Europa-League-Aspiranten?

Naldo: Nein, gar nicht. Schon in der vergangenen Saison war die Entwicklung gut, dann kamen gute Neuzugänge wie Davy Klaassen dazu, mit denen es sofort gepasst hat. In der Mannschaft steckt jetzt richtig Qualität. Auf Max Kruse muss man aufpassen, Maximilian Eggestein ist in starker Form. Wenn dann Pizarro ins Spiel kommt, muss man gewaltig aufpassen.

Pizarro gegen Naldo – das wäre das Duell der aktuell ältesten Feldspieler der Liga. 76 Jahre kämen da zusammen. Schon irre, oder?

Naldo (lacht): Das zeigt, dass wir beide ein Vorbild sind. Wir sind immer noch topfit. Ich fühle mich körperlich und mental jedenfalls sehr, sehr gut. Und ich glaube, Claudio geht es genauso. Das Alter zählt einfach nicht, wenn du auf dem Platz noch deine Leistung bringst. Claudio sendet in dieser Hinsicht ein Zeichen an die ganze Bundesliga.

Pizarro ist seit kurzem der vierte Ü40-Feldspieler der Bundesliga-Geschichte. Werden Sie der fünfte?

Naldo: Warum nicht? Es ist zwar noch ein langer Weg, aber es sieht sehr gut aus, dass es in diese Richtung geht.

Ihr Vertrag auf Schalke hatte sich zuletzt aufgrund einer bestimmten Anzahl an absolvierten Spielen bis 2019 verlängert, nun haben Sie bis 2020 verlängert...

Naldo: Der Verein ist zufrieden mit mir, ich bin es auch und die Fans lieben mich. Ich bin überglücklich, weiterhin auf Schalke spielen zu dürfen. Es ist ein großartiger Verein mit unglaublichen Fans..

Werden Sie Ihre Karriere sogar auf Schalke beenden oder noch mal wechseln?

Naldo: Weiß ich nicht. Im Fußball kann immer alles passieren.

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