Streitende Versager nach "kollektivem Versagen"

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Am Boden: Klaas-Jan Huntelaar.

LEVERKUSEN - Am Ende hatte einer der Schalker Spieler doch noch etwas Schönes mitnehmen können vom Ort des schrecklichen Geschehens: Tranquillo Barnetta, der seit kurzem einen traurigen Schnauzbart trägt, hatte einen bunten Blumenstrauß im Arm, als er die Katakomben der BayArena verließ.

Ein kleines Abschiedspräsent, dass er vor dem Anpfiff von seinem Ex-Klub Bayer Leverkusen erhalten hatte. Das einzige Geschenk für die Schalker an diesem Abend.

Horst Heldt nahm nach der 0:2 (0:1)-Pleite der Schalker kein Blatt vor den Mund und sprach von „kollektiven Versagen“. Um das ganze Ausmaß des Scheiterns zu beschreiben, wählte Schalkes Manager einen drastischen Vergleich: „Da waren wir ja gegen die Bayern besser.“ Gegen den Rekordmeister hatten die Knappen eine der nunmehr drei Niederlage in dieser Saison kassiert. Ähnlich unverblümt beurteilte Huub Stevens das Geschehen in der BayArena: „Wir haben gebettelt, um zu verlieren“, wetterte der sichtlich angespannte Niederländer.

Beide lagen mit ihrer Analyse ziemlich richtig. Die Schalker, die sich bislang einen Ruf als souveräne, abgeklärte Spitzenmannschaft erarbeitet hatten, zeigten so viele Fehler in allen Bereichen, dass der Betrachter vermuten konnte, dass die Mannschaft an diesem Tag zum ersten Mal zusammen spielte. Heldt fasste nachher zusammen: „Es fehlte die geistige Frische. Es war kein Aufbäumen vorhanden. Es gab eine Vielzahl von Fehlpässen. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zum letzten Mal ein solch schlechtes Spiel abgeliefert haben.“

Die taktisch gut eingestellten Leverkusener, die defensiv extrem tief standen, waren kurz vor dem Pausenpfiff durch eine Traumtor von Andre Schürrle aus 30 Metern in Führung gegangen. Christian Fuchs, der an diesem Abend einige der haarsträubendsten Abspielfehler abgeliefert hatte, leitete durch einen gruseligen Rückpass das 2:0 durch Stefan Kießling vor (67.). Schalkes Keeper Lars Unnerstall verhinderte durch einige gute Paraden sowie einen gehaltenen Foulelfmeter gegen Kießling (80.) schließlich, dass die Schalker Niederlage debakulöse Züge annahm.

„Ich hätte heute auch neun Spieler auswechseln können. Und einer der beiden, die ich nicht ausgewechselt hätte, fliegt dann auch noch vom Platz“, kommentierte Stevens schließlich „die Krönung der Partie“ (Heldt), als Kyriakos Papadopoulos wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah. Der junge Grieche stapfte daraufhin laut schimpfend vom Platz und misshandelte eine Trinkflasche mit einem kräftigen Tritt. Deren Inhalt regnete auf den Aufnahmeleiter einer TV-Produktionsfirma nieder, der nachher klagte: „Das war kein Wasser, sondern total klebriges Zeugs.“ Immerhin hätten sich Papadopoulos und auch Stevens nachher für den Fehltritt entschuldigt.

Für eine weitere bemerkenswerte Szene hatte Stevens selbst gesorgt, als er die ausgewechselten Jefferson Farfan und Lewis Holtby nach lautem Wortgefecht noch während des Spiels in die Kabine geschickt hatte. Schalkes Trainer spielte den offensichtlichen Disput nachher genauso herunter wie Horst Heldt, der sagte: „Die beiden waren erhitzt. Huub hat sie zum Duschen geschickt, damit sie sich nicht erkälten.“

Am Ende fiel es den Schalkern schwer, den Blick nach vorne zu richten. Am Mittwoch spielen die Knappen in der Champions League gegen Olympiakos Piräus. „Aber das interessiert mich heute nicht“, sagte Heldt: „Dieses Spiel muss ich erst einmal sacken lassen.“ - Jens Greinke

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