Neubeginn auf Schalke

Viele positive Signale: Jetzt wird's ernst für Di Matteo

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Roberto Di Matteo und Jens Keller.

GELSENKIRCHEN - Bei Trainerwechseln verhält es sich meist so, dass sich mit der Vergangenheit niemand mehr beschäftigen will. Schmutzige Wäsche waschen gilt in diesem Geschäft zurecht als verpönt, und so verlieren auch die Verantwortlichen beim FC Schalke 04 kein Wort über Jens Keller und dessen Arbeit in den vergangenen 22 Monaten.

Von Jens Greinke

Doch so, wie sie die Gegenwart beschreiben, wird der Zuhörer das Gefühl nicht los, dass einiges schief gelaufen ist unter der Regie von Keller auf Schalke. Roberto Di Matteo, Kellers Nachfolger, ist seit zehn Tagen im Amt und wird sowohl von Manager Horst Heldt als auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies über den grünen Klee gelobt. Analysiert man die Statements der beiden, ist es verwunderlich, für welche Selbstverständlichkeiten der neue Mann gepriesen wird. Heldt sagt beispielsweise, alles sei nun „klar strukturiert mit vielen guten Ideen“. Und Tönnies ergänzt: „Di Matteo hat gleich klar gestellt, dass er der Boss in der Kabine ist.“ Allesamt Dinge, die eigentlich jedem Cheftrainer zu eigen sein sollten. Als dies zeigt, an welchen Basics es unter Jens Keller gemangelt hat.

Am Samstag im Heimspiel gegen Hertha BSC beginnt eine neue Periode auf Schalke oder wie Di Matteo sagt: „Es fängt bei Null an.“ Der Italo-Schweizer hat in den vergangenen Tagen alte Strukturen mit neuen Regeln und Tagesabläufen aufgebrochen, am Ende sieht er seine Arbeit in dieser Beziehung noch lange nicht: „Auch in Zukunft werden noch Veränderungen vorgenommen.“ Neben einem neuen Strafenkatalog, den Di Matteo im Gegensatz zu seinem Vorgänger selbst ausgearbeitet hat, muss zum Beispiel fast der gesamte Betreuerstab samt Busfahrer bei den Trainingseinheiten zugegen sein. Abgesehen von Teampsychologin Theresa Holst, deren Anwesenheit beim Training Di Matteo für überflüssig hält. Auch, weil er meint: „Diese Zeit gehört mir.“ Und dass er sie sinnvoll füllt, davon haben sich die Fans beim öffentlichen Training ein Bild machen können.

Der 44-Jährige und sein Trainerstab arbeiten akribisch und detailversessen, nichts wird dem Zufall überlassen. Roman Neustädter sagte kürzlich: „Die Intensität ist höher geworden.“ Dass der Defensiv-Spezialist dennoch „mit einem Lachen nach Hause“ geht, zeigt, dass Roberto Di Matteos Methoden in der Mannschaft gut ankommen.

Auch sein Umgang mit den Führungsspielern scheint bislang von der richtigen Mischung zwischen Zuckerbrot und Peitsche geprägt zu sein. Der als schwieriger Charakter geltende Kevin-Prince Boateng zog in den Einheiten der vergangenen Tage voll mit. Weltmeister Benedikt Höwedes genießt Di Matteos ganze Wertschätzung. Und Nachwuchs-Star Julian Draxler muss nach Meinung des neuen Trainers lernen, „mit der Verantwortung umzugehen“.

Sämtliche positiv zu bewertenden Indizien werden allerdings nicht viel nützen, falls es auf dem Platz nicht klappen sollte. Di Matteo hat selbst bereits festgestellt, „dass die Menschen hier alle sehr nett und voller Hoffnungen sind“. Deshalb warnt er vor zu voreiligen Erwartungen: „Wir müssen kleine Schritte machen.“ Ein Sieg über die Hertha heute würde so manchen Schalker Fan vor Glück zumindest hüpfen lassen.

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