Nach dem 0:2 gegen Bayern

Vier Niederlagen - aber Domenico Tedesco steht noch nicht im Regen

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Nachdenklich, aber nicht ratlos: Schalke-Coach Domenico Tedesco.

Das 0:2 gegen Bayern München sorgt für Enttäuschung beim FC Schalke 04. Doch Sorgen muss sich Domenico Tedesco nach der vierten Niederlage in Folge zum Saisonauftakt vorerst nicht machen.

Gelsenkirchen – Es gab mehrere Momente an diesem Abend, „die einfach passen in so einer Situation“, wie Ralf Fährmann mit zerknirschtem Gesicht bemerkte. Schalkes Schlussmann und Kapitän war beim Elfmeter zum 0:2-Endstand durch Robert Lewandowski (64.) beispielsweise „weggerutscht, sonst hätte ich ihn wohl gehabt“. Und ausgerechnet über Domenico Tedescos Coaching Zone in der Schalker Arena sorgte eine undichte Stelle im geschlossenen Stadiondach dafür, dass der Chefcoach der Knappen so ziemlich als einziger, nun ja, im Regen stand. Doch dies war wohl ein trügerisches Bild.

Vier Niederlagen stehen für den Trainer-Aufsteiger der vergangenen Saison nach dem 0:2 (0:1) gegen den Rekordmeister zwar zu Buche, womit der seit der vergangenen Woche 33-Jährige am Negativ-Auftaktrekord seines Vorgängers kratzt: Der glücklose Markus Weinzierl war vor exakt zwei Jahren mit fünf Pleiten in die Saison gestartet, die danach zu einer der qualvollsten der jüngeren Schalker Vereinsgeschichte geworden war. Und die letztlich mit Rang zehn und der Entlassung von Weinzierl geendet hatte. Von einem Déjà-vu wollen die meisten der damals und aktuell am Fehlstart Beteiligten allerdings nicht wissen.

"Der Trainer gibt jedes Mal einen geilen Spielplan vor"

„Das ist etwas ganz anderes, gerade personell“, sagte Fährmann, der sofort merkte, dass er sich auf dünnes Eis begab: „Ohne jetzt jemanden schlecht reden zu wollen“, ergänzte der Schalker Keeper mit Blick auf Weinzierl. Aber der aktuelle Trainer gebe der Mannschaft „jedes Mal einen geilen Spielplan vor“. Und auch Christian Heidel spricht von einer „ganz anderen Situation“. Der Sportvorstand, der damals gemeinsam mit Weinzierl angetreten war, das neue Schalke zu bauen, sagte an diesem verregneten Samstagabend: „Ich fühle mich auch jetzt nicht gut, es ist genauso unangenehm. Aber es ist natürlich nicht vergleichbar“, meinte der 55-Jährige, um dann zu ergänzen: „Die Enttäuschung ist jetzt noch fast größer, weil wir mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen waren.“

Heidel glaubt felsenfest an die Wende

Tedesco wird sich wegen dieser Aussage allerdings vorerst keine großen Sorgen machen müssen. Denn Zweifel, dass der junge Trainer das Team aus der Bredouille führen wird, hat Heidel nicht. „Er wird die Situation souverän meistern“, sagte der Sportvorstand im Brustton der Überzeugung. Diese Überzeugung konnte auch der Disput Tedescos mit dem ausgewechselten Franco Di Santo bei Heidel nicht trüben. Das war nicht nur ein schönes Kompliment für Tedesco, der die Schalker im Vorjahr zur Vizemeisterschaft und somit zurück in die Champions League geführt hatte. Sondern auch ein unbedingtes Treuebekenntnis. 

Dass das Spiel gegen die Bayern nur geringfügige Chancen hatte, zur Blaupause für die Schalker Wende zu werden, war Heidel bewusst. Der Sportchef meldete nach den 90 Minuten sogar Zweifel an, dass der Rekordmeister überhaupt noch Federn lassen wird. „Ich kann es mir derzeit schwer vorstellen, dass die Bayern ein Spiel verlieren“, meinte Heidel: „Das ist einfach eine Weltklasse-Mannschaft.“ Was in vielen Momenten auch in Gelsenkirchen wieder zu erkennen war. Der Spielfluss der Münchner war beeindruckend, das Können eines jedes Einzelnen ebenso. Robert Lewandowski entzog sich mehrfach der Bewachung des normalerweise unfehlbaren Schalker Abwehrchefs Naldo. David Alaba ärgerte Fährmann mit zwei Freistößen aus mehr als 30 Metern, von denen einer an der Latte (29.) und der andere an den Fäusten des Schalker Keepers (78.) endete. Und die der Schalker Schlussmann mit dem Spruch kommentierte: „Da hat der Ball lange Zeit sich zu überlegen, wo er hinfliegt.“ Schalkes wuchtiger Angreifer Breel Embolo scheiterte stets am noch wuchtigeren Niklas Süle, der in seinem ersten Leben ein offenbar erstklassig ausgebildeter Türsteher gewesen sein muss. Dass der 0:1-Rückstand durch einen Kopfball von James (8.) bereits das dritte Schalker Gegentor in dieser Saison nach einem Eckball war, war umso „bitterer“, wie Fährmann meinte.

In Freiburg soll der Bock umgestoßen werden

So wurde die Partie gegen die Bayern auch für die Schalker ungefähr so inspirierend und aufbauend wie ein Besuch bei einer dieser Schwiegermütter, die alle Unzulänglichkeiten schonungslos aufdecken und zudem noch alles besser wissen. Es war auch für die Knappen der erste von zwei in dieser Saison offenbar obligatorischen Leidens-Spieltagen, die unweigerlich in Niederlagen münden. Am Dienstag (20.30 Uhr/bei uns im Liveticker) geht es nun nach Freiburg. Da wolle man laut Heidel versuchen, „den Bock umzustoßen“.

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