Schalker suchen Grund für Spielfreude beim Coach

Andre Breitenreiter

Nikosia - Max Meyer wehrte vorzeitige Glückwünsche rigoros ab. „In Deutschland habe ich noch keinen Geburtstag, auch wenn es hier schon nach Mitternacht ist“, sagte der Schalker Profi in den Katakomben des GSP-Stadions in Nikosia mit dem korrekten Hinweis auf die einstündige Zeitverschiebung zwischen Zypern und der Heimat.

Grund zum Feiern hätte der mittlerweile 20-Jährige allerdings gehabt – egal, wo er die Datumsgrenze an diesem Abend auch verortete. Denn Meyer war beim 3:0 (2:0)-Erfolg der Blauweißen im ersten Gruppenspiel der Europa League über Apoel Nikosia einer der auffälligsten Akteure gewesen. Ein Treffer blieb ihm letztlich zwar verwehrt, doch sein Lattenknaller aus 20 Metern in der 8. Spielminute fühlte sich für die Schalker wie ein Tor an. „Durch die Aktion von Max haben wir besser ins Spiel gefunden“, war der Schuss ans Gebälk für André Breitenreiter letztlich ein Wirkungstreffer.

Tatsächlich hatte Meyers Lattenknaller wie eine Dosis K.o.-Tropfen auf den letztlich ziellosen Hochgeschwindigkeitsfußball der Gastgeber gewirkt, der zwar für viel Krach und Euphorie bei den Nikosia-Fans gesorgt hatte, ansonsten aber verpufft war. Danach setzte sich die Schalker Nervenstärke und vor allem Qualität durch: Die Treffer von Joel Matip (28.) und zweimal Klaas-Jan Huntelaar (35./71.) waren fast zwangsläufig gefallen.

„Wir haben absolut verdient und souverän gewonnen“, urteilte nachher auch ein gut gelaunter Horst Heldt. Schalkes Manager („Apoel ist ja ein Stück weit der FC Bayern von Zypern“) wollte dennoch „nicht von einem Hoch reden“, sondern meinte: „Wir haben unsere Aufgabe erfüllt.“ Doch diese beiläufige Äußerung über die scheinbare Selbstverständlichkeit solcher Siege barg eine erstaunliche Entwicklung, die die Schalker Mannschaft in den vergangenen Wochen genommen hat. Denn dass auf diesem Team ein extrem großer Druck lastet, davon war auf Zypern nicht mehr viel zu sehen. Ganz im Gegenteil: Das Selbstbewusstsein, die Abgeklärtheit und die Routine dieser jungen Mannschaft waren bemerkenswert.

In Nikosia klang immer mehr durch, wer dafür einen Großteil der Verantwortung trägt. Keiner der Spieler, die am Donnerstagabend aus der Kabine kamen, vergaß den Trainer zu erwähnen. Der überragende Johannes Geis (22 Jahre) sagte: „Der Trainer macht es unheimlich gut. Er quatscht viel mit uns, er nimmt den Druck weg und stellt uns perfekt ein. Das ist seine Handschrift, da kann man ein Lob aussprechen.“

Auch Max Meyer sucht die Gründe für die momentane Spielfreude des Schalker Teams beim Coach: „Das liegt zum großen Teil an ihm. Einige von uns waren zuletzt verunsichert, doch jetzt ist die vergangene Rückrunde aus den Köpfen raus. Das hat der Trainer geschafft durch die Gespräche, die er mit jedem einzelnen geführt hat und sein Verhalten im Training. Er versucht, Spaß reinzubringen.“

Da scheint es Meyer sogar egal, dass er derzeit nicht auf der prestigeträchtigen zentralen Mittelfeldposition eingesetzt wird, sondern auf der linken Angriffsseite. Der 20-Jährige bezeichnet die 10 zwar weiterhin als „meine Heimatposition“, doch bricht ihm kein Zacken aus der Krone, diese aktuell nicht besetzen zu dürfen.

Und Breitenreiter? Der erlebte seinen ersten Auftritt als Trainer auf internationaler Bühne mit jener Emotionalität, mit der er auch die Schalker Mannschaft zu infiziert haben scheint. „Für mich war es heute ein besonderer Moment“, sagte der 41-Jährige in Nikosia: „Das erste Mal werde ich immer in positiver Erinnerung behalten.“ Klingt nach einer schönen Liebesgeschichte.

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