0:1 gegen Leverkusen

Schalker stellen nach Pleite Schiedsrichter an Pranger

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GELSENKIRCHEN - Klaas-Jan Huntelaar sortierte auf die Frage nach der Schiedsrichter-Leistung zunächst seine Gedanken und dann offenbar auch schon den Terminkalender für den kommenden Sommer.

Von Jens Greinke

„Die Schiedsrichter kommen vor der Saison immer zu uns und erklären uns, was Handspiel ist und was nicht. Vielleicht können wir uns diese Schulung künftig sparen“, ätzte der Niederländer mir für seine Verhältnisse erstaunlich scharfem Sarkasmus.

Auslöser für die schlechten Schwingungen beim „Hunter“ war eine Szene in der 82. Minute gewesen, als der Leverkusener Roberto Hilbert einen Tor-Schuss von Kevin-Prince Boateng mit dem ausgestreckten Arm blockierte. Im Strafraum. Huntelaar erinnerte sich Musterschüler-haft noch einmal das im vergangenen Sommer Erlernte und referierte: „Wenn der Arm am Körper ist, ist es kein Elfmeter. Wenn nicht, dann doch.“ Wofür man dem Schalker durchaus eine gute Note hätte geben können.

Gleich mehrere Aufreger

Die Szene mit Hilbert war nicht der einzige Aufreger, für das Schiedsrichter-Gespann um Gagelmann bei der 0:1 (0:1)-Niederlage der Schalker gegen den direkten Tabbellenkonkurrenten Bayer Leverkusen gesorgt hatte. Für fast ebenso viel Empörung sorgte in der 54. Minute ein vermeintlicher Rückpass von Ömer Toprak auf Bayer-Keeper Bernd Leno. „Gagelmann stand auch da ganz gut“, sagte Schalkes-Manager Horst Heldt und ergänzte: „Solche Rückpässe haben schon ganze Meisterschaften entschieden. Da hätte es indirekten Freistoß für uns geben müssen.“ Andererseits profitierten aber auch die Schalker von den manchmal mysteriösen Entscheidungen Gagelmanns. Wie zum Beispiel im Fall von Marco Höger, der dem Schiedsrichter Grund für gleich zwei bis fünf Gelbe Karten gegeben hatte – und sich mit einer Verwarnung schließlich extrem glücklich fühlen konnte.

Eindrücke vom Spiel:

FC Schalke verliert 0:1 gegen Bayer Leverkusen

Die Niederlage sorgte bei den Königsblauen schließlich für extrem lange Gesichter. Aus dem einstigen direkten Konkurrenten Leverkusen ist angesichts der nun sechs Punkte Rückstand erst einmal ferner Fixstern geworden. „Sechs Punkte sind echt viel“, stöhnte Höger angesichts des Abstands auf die Werkself, die am Samstag viel frischer und handlungsschneller wirkte als die Gastgeber – obwohl Bayer als scheinbar waidwundes Wild nach Gelsenkirchen angereist war, nachdem die Mannschaft unter der Woche im Elfmeterschießen gegen Atletico Madrid aus der Champions League ausgeschieden war.

„Das Madrid-Spiel steckte uns noch in den Knochen“, bestätigte der überragende Karim Bellarabi, der mit einem gewaltigen Schuss aus spitzem Winkel in der 35. Minute Schalkes Keeper Timon Wellenreuther die Grenzen des Machbaren aufgezeigt hatte. „Aber wir haben gut regeneriert“, lobte Bellarabi seinen Trainer Roger Schmidt. Der gebürtige Kiersper hat die Leverkusener Mannschaft mittlerweile so gut im Griff wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton seinen „Silberpfeil“. Leverkusen spielt zwar weiter einen schnellen Fußball, hat aber gelernt. dabei viel Treibstoff zu sparen.

Champions League ade?

Die Schalker hingegen müssen sich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, in der kommenden Saison eher am Donnerstag in der ungeliebten Europa League anzutreten als zum vierten Mal in der europäischen Königsklasse. Auch, wenn sie sich weiter kämpferisch geben. „Wir sind weit davon entfernt, den Eindruck zu erwecken, dass wir unserer Ziele aus den Augen verlieren“, meinte Horst Heldt, und auch Huntelaar merkte an, dass schließlich noch acht Spieltage zu absolvieren seien.

Während der „Hunter“ in der Theorie-Prüfung noch mit seinem Praxis-Wissen hatte glänzen können, erhielt er von Schalkes Manager in der Praxis übrigens nicht so gut Noten. Huntelaar hatte in der 12. Minute die Riesenchance zum 1:0 gehabt, doch war es auch in diesem Fall eine Hand, die das Tor verhinderte: die vom reaktionsstarken Bayer-Keeper Bernd Leno, weshalb die Aktion auch vollkommen regelkonform war. „Hier muss Klaas das Tor machen“, nahm Heldt kein Blatt vor den Mund.

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