Boateng, Neururer...

Schalke ein Pulverfass - Kritik von allen Seiten

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Gelsenkirchen - Zwar hat Schalke 04 das Minimalziel Europa League erreicht, der Haussegen hängt trotzdem schief. Fans wenden sich entsetzt ab, die Offiziellen wirken angeschlagen. Der freigestellte Kevin-Prince Boateng wirft dem Klub derweil schlechten Stil vor.

Das Motto des Klubs der Malocher steht schon in seiner Hymne geschrieben. "Tausend Freunde, die zusammenstehn'", heißt es dort: "Dann wird der FC Schalke niemals untergehn'." Die Realität beim Fußball-Traditionsverein aus dem Revier sieht aber in diesen Tagen ganz anders aus. Kein Zusammenhalt, kein Vertrauen, keine Einheit: Das Verhältnis zwischen den Fans, der Mannschaft und den Verantwortlichen ist schwer beschädigt - und Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

"Auf Schalke lebt man Fußball, aber was man da im Augenblick im Stadion sieht ist nicht Leidenschaft, sondern Verängstigung", sagte der ehemalige Schalke-Coach Peter Neururer bei Sport1.

Spätestens nach dem äußerst schmeichelhaften 1:0 gegen den Abstiegskandidaten SC Paderborn kippte die Stimmung endgültig. Die Fan-Wut richtet sich nicht nur gegen die Mannschaft, insbesondere die Führungsetage um Sportvorstand Horst Heldt und Klubboss Clemens Tönnies steht massiv in der Kritik. Unvergessen sind die Schmähplakate der eigentlich so treuen Anhänger ("Der Fisch stinkt vom Kopf").

In Fan-Foren und den sozialen Medien gibt es erste Forderungen, das Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten Hamburger SV am Samstag (15.30 Uhr/Sky) zu boykottieren. Zu tief sitzt die Enttäuschung, zu groß ist der Ärger - der Tenor der Fans ist eindeutig: Heldt gilt als schuldig, dessen Wunschtrainer Roberto Di Matteo als gescheitert. Die Mannschaft ist in etliche Grüppchen zersplittert - Zusammenhalt Fehlanzeige! Neururer legt den Finger in die Wunde.

"Platz fünf oder sechs ist für Schalke mit diesen Ansprüchen und Gehältern überhaupt nicht vertretbar", sagte er und führte aus: "Von daher müssen diejenigen die immer die falschen Entscheidungen treffen - und das ist in diesem Fall nun mal Horst Heldt, der einen Trainer nach dem anderen entlässt und Spieler verpflichtet, die plötzlich nicht das bringen, was man erwartet hat - Konsequenzen ziehen."

Dies bedeutet: Heldt soll seinen Hut nehmen. Auch die Entscheidung des Sportvorstandes, die lustlos wirkenden Großverdiener Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam mit sofortiger Wirkung vor die Tür zu setzen, zeigte keine Wirkung. Neururer: "Nichts weiter als blinder Aktionismus." Die gewünschte Trotzreaktion blieb aus, dass die Mannschaft mit viel Glück zumindest das Minimalziel Europa League erreichte, war ein schwacher Trost. Die Fans, die Boateng und Sam als "Bauernopfer" sehen, fühlen sich bestätigt.

Und auch der freigestellte Boateng wirft den Verantwortlichen schlechten Stil vor. "Das Niveau dieser Leute, die etwas über mich erzählen und Gerüchte streuen, bediene ich nicht", sagte der ehemalige Italien- und England-Legionär der Sport Bild: "Dass ich im Nachhinein nun schlecht gemacht werde, spricht doch weiterhin für sich. Doch alles, was jetzt medial transportiert wurde, ist gelogen."

Neururer brachte derweil den seinerzeit vom Hof gejagten Ex-Trainer Jens Keller ins Spiel. Unter dessen Leitung sei zwar auch nicht alles schön gewesen, aber "unter Keller hatte Schalke Erfolg und hat die vorgegebenen Ziele erreicht", sagte Neururer. Bei Schalke 04 wird man sich wohl derzeit mit Wehmut an diese Tage erinnern. - sid

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