Schalke nach Bremen: Mündige Spieler, schlaue Sprüche

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BREMEN - Das Spiel war schnell abgehakt. 1:1 hieß es am Ende zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke 04. Und alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass es sich um einen „glücklichen Punktgewinn für uns handelte“, wie Schalkes Manager Horst Heldt treffend beschrieb.

Von Jörg Strohschein

Franco di Santo hatte die Bremer zunächst in Führung geschossen (15.), Leon Goretzka erzielte noch in der ersten Hälfte (33.) den Ausgleichstreffer. 15 ordentlich absolvierte Minuten hatten den insgesamt schwachen Schalkern gereicht, um einen Punkt zu gewinnen und weiterhin nachhaltig im Rennen um die direkte Champions-League-Qualifikation zu verbleiben.

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Allerdings waren die Umstände, wie dieser Punktgewinn zustande kam, ungewöhnlich. Mitte der ersten Hälfte hatte Kevin-Prince-Boateng für sich entschieden, lieber als defensiver denn als offensiver Mittelfeldspieler agieren zu wollen. Durch diese Erkenntnis entstand eine Rotation innerhalb des Teams, bei der Goretzka auf die linke Seite für Julian Draxler rückte und dieser hinter den Spitzen für Boateng agierte. Jens Keller hatte darauf von der Außenlinie nach eigenem Bekunden keinen Einfluss genommen.

„Wir wollen doch mündige Spieler. Das war beeindruckend, wir haben Spieler, die mitdenken“, sagte der Trainer der Schalker im Nachhinein und konnte darin auch nicht erkennen, dass für ihn daraus ein Autoritätsproblem entstanden sei.

Auch Horst Heldt wollte keinerlei Makel an der Eigeninitiative der Spieler sehen. „Sie gehen ja auch nicht auf Toilette, nur wenn sie ihren Chef gefragt haben“, so Heldt. „So könnte man doch gar nicht eigenständig arbeiten.“ Und es sei das Ziel der Schalker Verantwortlichen, dass „die Spieler selbst Entscheidungen treffen“, so Heldt. Bis auf einen kleinen Aufschwung, der bis kurz nach dem Ausgleich anhielt, hatten diese Positionsänderungen allerdings auch nur einen geringen positiven Effekt, weil es „nicht unser Tag war“, wie Angreifer Klaas-Jan Huntelaar eingestand.

Bilder vom Spiel:

1:1: Schalke unentschieden in Bremen

Für noch viel mehr als dieser verunglückte Nachmittag der Königsblauen an der Weser sorgte der gleichzeitige Auftritt des FC Bayern in Augsburg für Verwunderung und vor allem Verärgerung. Dass die Münchner ihre erste Saisonniederlage in der Bundesliga kassierten, war sicher nicht der Grund. Vielmehr war es die stark veränderte Startelf des Deutschen Meisters mit jungen Spielern wie Höjbjerg, Weiser oder auch Sallahi, die für Unmut sorgte. „Die schicken ja auch immer ein paar schlaue Sprüche aus München, die alle anderen aufzunehmen haben“, meinte Heldt.

„Das ist kein guter Stil, wenn man so agiert, dass es für andere Probleme geben könnte. Aber vielleicht haben sie ja so viele Verletzte gehabt“, sagte der Manager wenig amüsiert und kritisierte damit die scheinbare Haltung der Münchner, die Bundesliga als zu vernachlässigenden Wettbewerb zu bewerten. Heldt befürchtete schlicht eine Wettbewerbsverzerrung. „Das ist auch ein Frage des Charakters.“

In erster Linie müssen sich die Schalker allerdings auf ihre eigenen Leistungen schauen. „Und da müssen wir uns nun wieder erheblich steigern“, sagte Julian Draxler stellvertretend für sämtliche Kollegen aus Gelsenkirchen.

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