Schalkes Derby-Sieg

Bei aller Party-Laune: Schneider legt den Finger in die Wunde

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Schalke 04 feierte ausgiebig den Sieg im Revierderby beim BVB, während Sportvorstand Jochen Schneider den Finger in die Wunde legte.

Nach dem Sieg im Derby ist Schalke in Party-Laune. Nur Sportvorstand Jochen Schneider gibt den Mahner - und denkt dabei auch an Domenico Tedesco.

Dortmund – Egal, ob in der Kabine, auf der Rückfahrt im Bus oder anschließend in der Fan-Kneipe „Bosch“: Überall stimmte die Schalker Mannschaft ein lautstarkes „Derbysieger, Derbysieger“ an. Der Jubel über den Erfolg beim Revier-Rivalen Borussia Dortmund war so riesig, dass sich die Mannschaft spontan für diesen Besuch in der Vereinsgaststätte entschlossen hatte.

Coach Huub Stevens genoss sein Bier, die Spieler tanzten mit den Anhängern auf den Tischen. „Der Trainer hat gesagt, dass er alle Getränke für euch bezahlt“, kündigte Kapitän Ralf Fährmann an.

Der Jubel kannte auf Seite der Knappen keine Grenzen. Weil so gut wie niemand mit einem Erfolg des abgestürzten Vize-Meisters beim bisherigen Titel-Kandidaten aus Dortmund gerechnet hatte. „Wenn wir an uns glauben, ist alles möglich. Schalke ist ein bisschen verrückt“, sagte Vize-Kapitän Benjamin Stambouli.

Schalke als Einheit auf dem Platz

Diesmal hatte tatsächlich nahezu alles gepasst bei den Königsblauen. Natürlich spiele Schalke nicht die Sterne vom Himmel, aber es fand gegen spielstarke Dortmunder die richtigen Mittel: Kompaktheit, Leidenschaft, Einsatz und Mentalität. „Mich freut es riesig, dass wir gemeinsam auf dem Platz standen und jeder für den anderen da war“, meinte Daniel Caligiuri. Stambouli sagte: „Das war eine Chance für uns, um den Fans etwas zurückzugeben.“

BVB patzt ausgerechnet gegen Schalke

So groß der Jubel über den Sieg war und darüber, dem BVB wohl die Titel-Chance genommen zu haben, stellt sich weiterhin die Frage: Warum schafft es dieses Team nur in solchen Duellen, Charakter zu zeigen? Und auch, wenn viele nun denken, der Derby-Sieg entschädige die Schrott-Saison: weit gefehlt. Stevens: „Das macht die Saison nicht gut. Dass Schalke so weit unten reinrutscht, das darf uns nicht passieren.“

Schneider denkt auch an Tedesco

Noch deutlicher wurde Sportvorstand Jochen Schneider. Natürlich war auch der 48-Jährige erleichtert nach dem Sieg, mit dem „wohl die allerwenigsten“ gerechnet hätten – „mich eingeschlossen“. Dennoch drückte er vehement auf die Euphorie-Bremse und öffnete allen Beteiligten, allen voran wohl der Mannschaft, die Augen. „Schalke 04 hat nach 31 Spieltagen 30 Punkte. Das ist ein Desaster“, sagte Schneider in aller Deutlichkeit. „Das ist ein Schnitt von weniger als einem Punkt pro Spiel. Das ist eine Katastrophe.“

Der Nachfolger von Christian Heidel, der dieses Team zusammengestellt hat, redete dabei deutlich den Spielern ins Gewissen. „Da müssen sich alle die Frage stellen: ‘Warum nicht immer so?’“ Schneider berichtete, dass er dabei auch an den beurlaubten Ex-Coach Domenico Tedesco gedacht habe: „Er war der Erste, der mir geschrieben und gratuliert hat. Er hat sich gefreut wie kein Zweiter.“

Auf Schalke wartet viel Arbeit

Schalkes Sportchef ließ durchblicken, dass vor allem die nicht immer passende Einstellung nicht allein ein Problem des Trainers gewesen sei. Schließlich liefen die ersten Partien unter der Leitung von Stevens nur bedingt besser. „Jedes Bundesliga-Spiel ist wichtig“, betonte Schneider. „Wir freuen uns riesig, aber es steht noch eine Menge Arbeit an.“

Kommentar: Schalkes wirklicher Charakter-Test kommt erst jetzt

Vor allem für ihn. Er muss mit der sportlichen Führung, die mit einem Sportdirektor und neuem Cheftrainer noch gefunden werden muss, ein neues Team formen, das den Schalker Tugenden gerecht wird. Zumal Königsblau auch jetzt noch nicht definitiv gesichert ist. „Es kann noch alles schief gehen“, mahnte Stürmer Guido Burgstaller. Immerhin in der Hinsicht waren sich alle einig.

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