Horst Heldt gerät zunehmend in die Kritik

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Horst Heldt

GELSENKIRCHEN - Acht Jahre Sportvorstand beziehungsweise Manager, in dieser Zeit sieben Mal mit den jeweiligen Klubs den internationalen Wettbewerb erreicht, davon fünf Mal die Champions League. Deutsche Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen. Wahrlich kein schlechter Leistungsnachweis. Dennoch gerät Horst Heldt beim FC Schalke 04 immer mehr in die Kritik.

Von Jens Greinke

Und die "Bild"-Zeitung fragte in dieser Woche gar: "Herr Heldt, sind Sie der Schalke-Ruinierer?" Damit erreichte die Diskussion um den 44-Jährigen nach der 0:5-Pleite gegen den FC Chelsea einen neuen Höhepunkt. Eine latente Kritik an der Arbeit des Schalker Sportvorstandes hatte es in den zurückliegenden Monaten immer gegeben, doch nun scheint der gelernte Kfz-Mechaniker massiv unter Druck zu geraten.

Befördert wird dies durch den Umstand, dass der durchgeführte Trainerwechsel von Jens Keller zu Roberto Di Matteo bislang keine sichtbaren Verbesserungen mit sich gebracht hat. Das Team ist auch unter der Regie des Italo-Schweizers so wankelmütig wie ein bockiges Rassepferd. Scheinbar so undressierbar, wie es wohl auch Di Matteo nicht erwartet hatte. Der 44-Jährige zeigt sich aktuell eher verblüfft und überrascht vom Charakter dieser Mannschaft. Und deshalb auch ein wenig ratlos.

Sollte er nicht bald den richtigen Schlüssel zu diesem blauweißen Mysterium finden, könnte es auch für Horst Heldt eng werden. Was der Betroffene naturgemäß für ungerechtfertigt hält, wie eine kleine Ansprache des Managers am Donnerstag bewies. "Ich weiß, wie man Teams zusammenstellt, die in die Champions League kommen. Ich weiß, wie man den DFB-Pokal holt. Und ich weiß sogar, wie man Deutscher Meister wird", sagte Heldt. Und der Hinweis auf den Gewinn der Schale mit dem VfB Stuttgart im Jahr 2007 war als kleiner Seitenhieb auf die Kritiker im eigenen Umfeld zu verstehen, schließlich warten die Schalker seit 1958 auf diesen Titel. Bei der Aufzählung der Meriten zitterte Heldts Stimme leicht.

Tatsächlich ist der Ärger des Sportvorstandes teilweise nachvollziehbar. Das Team zog in den vergangenen drei Saisons in die Champions League ein, gleichzeitig wurden rund 80 Millionen Euro Schulden abgebaut. Eine Gratwanderung, die - streng genommen - als gelungen bezeichnet werden muss. Dass es dennoch ein ständiges Murren und Maulen gibt, nervt Heldt zusehends.

Ein Grund für die chronische Unzufriedenheit im Schalker Umfeld liegt wahrscheinlich ein paar Kilometer weiter östlich. Nicht ohne Neid wurde die Entwicklung beim Erzfeind Dortmund unter dem Trainer Jürgen Klopp begrüßt. Während der BVB auf nationaler und internationaler Ebene regelmäßig wahre Fußballfeste feierte, sahen die Schalker Fans selbst bei Siegen oftmals königsgraue Vorstellungen.

Heldt selbst lehnt es zwar ab, nach Alibis zu suchen, doch darf auch das Verletzungspech nicht übersehen werden. Extrem wichtige Spieler wie Jefferson Farfan, Julian Draxler oder Joel Matip fallen lange aus. Di Matteo muss zudem mit der Problematik leben, dass er im laufenden Saisonbetrieb kaum einmal die Möglichkeit erhält, im Training konzeptionell zu arbeiten. Dies wird erst in der Wintervorbereitung möglich sein. Bis dahin werden sich die Schalker "durchwursteln" müssen, wie Heldt es ausdrückt. Auch am Samstag im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr).

Vielleicht war es deshalb ganz gut, das Horst Heldt seine Meriten, die er in den vergangenen Jahren gesammelt hat, vorsichtshalber noch einmal aufgezählt hat. Bevor etwas aus der Erinnerung gerät. Vor allem, dass er bisher seine sportlichen Ziele fast immer erreicht hat. So etwas gab es auch noch nicht so oft auf Schalke.

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