"Ein Sieg der Gruppe"

Das große, blauweiße Mysterium auf Schalke

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Ein seltener Moment: Schalkes Tranquillo Barnetta (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 3:1.

GELSENKIRCHEN - Wahrscheinlich werden sie auf Schalke in der Winterpause zwei, drei renommierte Philosophen verpflichten müssen, schließlich wabert seit Monaten eine scheinbar unlösbare Fragestellung durch die Kabinengänge der Arena, die da lautet: Warum spielt diese Mannschaft einmal gut und einmal schlecht?

Von Jens Greinke 

„Das ist hier die Frage“, erkannte am Samstag auch Eric Maxim Choupo-Moting, eine Antwort blieb allerdings er schuldig. Vielleicht deshalb, weil der 25-Jährige selbst noch nicht von diesem blauweißen Virus befallen ist. Der Stürmer, der im Sommer vom FSV Mainz 05 nach Gelsenkirchen gewechselt war, ist eine der wenigen Konstanten in dieser Mannschaft: Er spielt meist gleichbleibend gut und fleißig und zeigt allenfalls die Leistungs-Schwankungen eines ganz normalen Fußballprofis.

Die Statistik

FC Schalke 04:  Fährmann - Neustädter, Kirchhoff (46. Barnetta), Höwedes - Uchida, Fuchs (90.+1 Clemens) - Höger, Aogo - Meyer (80. Sane) - Choupo-Moting, Huntelaar

FSV Mainz 05: Karius - Bell, Wollscheid, Jara - Brosinski, Júnior Díaz (63. Malli) - Geis, Park (76. Soto) - Koo, Allagui (59. Jairo) - Okazaki

Schiedsrichter: Perl (Pullach)

Zuschauer:  60.904

Tore:  1:0 Huntelaar (9.), 2:0 Huntelaar (25.), 2:1 Okazaki (44.), 3:1 Barnetta (54.), 4:1 Huntelaar (61.)

Gelbe Karten: Höger (5), Neustädter (2) / Jara (2)

Ballbesitz in %: 41,7 - 58,3

Torschüsse: 14 - 22 gew.

Zweikämpfe in %: 47,7 - 52,3

Fouls: 16 -12

Ecken: 2:5

Gegen eben jenen FSV Mainz gelang den Schalkern am Samstag ein souveräner 4:1 (2:1)-Heimerfolg, der die Schalker Fans zwar glücklich, aber auch wieder einmal ratlos in den 1. Advent entließ. Das Team von Roberto Di Matteo hatte sich von der ersten Sekunde an mit einem enormen Selbstvertrauen präsentiert – eine Tugend, die nach der peinlichen 0:5-Klatsche am vorangegangenen Dienstag gegen den FC Chelsea niemand erwartet hatte.

Munter kombinierende Schalker

Offenbar auch nicht die Mainzer: Die kamen gegen die zügig und munter kombinierenden Schalker kaum einmal zum Zug. Zwar ließ der 2:1-Anschlusstreffer durch Shinji Okazaki kurz vor dem Wechsel (44.) beim Karnevalsverein noch einmal kurz Hoffnung aufkeimen, doch diese trog letztlich. Vor allem weil Klaas-Jan Huntelaar an diesem Tage nicht zu stoppen war: Der Niederländer hatte bereits in der ersten Halbzeit doppelt getroffen (9./25.) und markierte im zweiten Durchgang schließlich noch den 4:1-Endstand (61.).

3:1 war symptomatisch für das Schalker Spiel

Das wichtige 3:1 hatte Tranquillo Barnetta mit einem herrlichen Schuss aus 25 Metern in der 54. Minute erzielt. Auch dies symptomatisch für das Schalker Spiel an diesem Tag: Ausgerechnet Barnetta, dem im Schalker Trikot bislang nicht viel Sinnstiftendes eingefallen war, gelang ein wahres Traumtor.

Trainer Roberti Di Matteo, der zuletzt ohne Umschweife zugegeben hatte, dass ihn diese Mannschaft derzeit ebenfalls immer wieder „überrascht“, hatte vor allem „ein Sieg der Gruppe“ gesehen. Eine These, die schlüssig war. Entgegen anderen Auftritten der Knappen hatten dieses Mal sämtliche Spieler ein enormes Engagement an den Tag gelegt. „Wenn du auf dem Platz stehst und siehst, dass jeder 100 Prozent gibt, dann macht das Spaß“, sagte Choupo-Moting.

Schalke gewinnt deutlich mit 4:1 gegen FSV Mainz

Vor allem Max Meyer, der die Spielmacher-Position des angeschlagenen Kevin-Prince Boateng eingenommen hatte, war unglaublich belebend für das Schalker Spiel. Der 19-jährige brachte jede Menge gute Ideen und vor allem Tempo in die Partie, ein eigener Treffer blieb ihm nur knapp verwehrt, weil ein Zuspiel von Huntelaar zu ungenau war. „Ich hoffe, dass er es das nächste Mal besser macht“, lächelte Meyer, der seine eigene Leistung folgendermaßen bewertete: „Ich wollte gut spielen. Und ich glaube, dass mir das ganz gut gelungen ist.“

„Ich habe keine Prognose für die nächste Woche“, meinte Choupo-Moting letztlich angesichts des anstehenden Spiels beim VfB Stuttgart. Was sollte er auch sonst sagen?

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