Trennung im Sommer

Nach Aus auf Schalke: Diese Transfer-Fehler bereut Jochen Schneider

Jochen Schneider wird Schalke im Sommer verlassen. Nach seinem Aus spricht der Sportvorstand jetzt ungewohnt deutlich über die Transfer-Fehler, die er bereut.

Gelsenkirchen - Die Nachricht, dass Jochen Schneider den FC Schalke 04 verlassen wird, war längst kein Paukenschlag mehr. Stattdessen stand der Vorstand für Sport und Kommunikation in den vergangenen Wochen und Monaten bereits gewaltig in der Kritik. Welcher Druck auf Schneider lastete, wurde in einer abschließenden Bilanz deutlich, in der sich der 50-Jährige mit ungewohnt klaren Worte Fehler eingestand - insbesondere bei der Transfer-Politik.

NameJochen Schneider
FunktionSportvorstand beim FC Schalke 04
Geboren13. September 1970, Mutlangen
BücherStrukturaufklärung zweier Fengycine aus Bacillus subtilis S499

Schalke: Jochen Schneider gibt Transfer-Fehler zu - „Ohne Zweifel trage ich Verantwortung“

Eigentlich galt der Kontrakt des Sportvorstands noch bis Sommer 2022. Durch eine einvernehmliche Auflösung des Vertrags ist nach dieser Saison jedoch Schluss für Jochen Schneider auf Schalke. „Der Aufsichtsrat ist sich einig, dass grundlegende Veränderungen im sportlichen Bereich notwendig sind, um den FC Schalke 04 aus der Krise und in eine erfolgreichere Zukunft zu führen“, begründete Aufsichtsratschef Jens Buchta die Entscheidung, die sich längst angebahnt hatte. Für Ruhr24.de* war das Ende von Jochen Schneider auf Schalke gar überfällig.

Denn Jochen Schneider, der seit März 2019 die Geschicke auf Schalke leitet, musste sich zahlreichen unglücklichen Transfer-Entscheidungen verantworten. Auch seine Trainer-Auswahl sorgte bei vielen Schalke-Fans für Unmut. Die Kritik hat Schneider lange abgewehrt. Doch jetzt, wo sein Aus beim Revierklub besiegelt ist, gibt er die Fehler offen zu: „Ohne Zweifel trage ich Verantwortung für Planungen, Entwicklungen und Entscheidungen, die ich stets nach bestem Wissen und Gewissen getroffen habe. Hierzu gehören auch Fehlentscheidungen, die mich im Nachhinein sehr ärgern.“

Jochen Schneider nach Aus auf Schalke: Diese Fehler ärgern den Sportvorstand

Doch welche Fehler meint Schneider damit genau? Bei einer Ansprache auf der Schalker Forumsplattform „mitGEredet digital“ erklärte er unter anderem, warum es zur Trennung von Vedad Ibisevic gekommen ist. „Die Beziehung zwischen Manuel Baum und Vedad Ibisevic war problembehaftet“, sagte Schneider, „die Chemie hat nicht gestimmt.“ Damit räumte er indirekt einen Fehler ein, schließlich war Schneider es, der dafür sorgte, dass die beiden kurzfristig miteinander zusammenarbeiteten. Es sei zudem ein Fehler gewesen, Ibisevic zu suspendieren. „Das haben wir gespürt, als Goncalo Paciencia ausfiel. Auf Vedad lasse ich nichts kommen“, so Schneider.

Auch der Fall Daniel Caligiuri sorgte bei den Fans für Gesprächsbedarf. Der Rechtsverteidiger war in den vergangenen Jahren auf Schalke eine wichtige Säule. Im Sommer wechselte er dann ablösefrei zum FC Augsburg. Schneider hatte es verpasst, den Vertrag mit dem Deutsch-Italiener rechtzeitig zu verlängern. Später sei die Vertragsverlängerung aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich gewesen. „Nach Corona waren wir nicht mehr in der Lage, das Angebot aufrechtzuerhalten und mussten es dann zurückziehen“, erklärte der Sportvorstand.

Jochen Schneider und Schalke 04 gehen ab dem Sommer getrennte Wege.

Allerdings kritisierte Jochen Schneider nicht nur eigene Transfer- und Personalentscheidungen. Es habe auch schon große Fehler vor seiner Ära gegeben, die ihm die Bedingungen auf Schalke erschwert hätten. Etwa wurde er auf den Verkauf von Breel Embolo angesprochen, den S04 für zehn Millionen Euro nach Gladbach ziehen ließ. „Das war der Marktwert“, betonte Schneider. „Der Punkt ist, dass Breel Embolo zu teuer eingekauft wurde“, sagte er - und verpasste damit seinem Vorgänger Christian Heidel (jetzt Mainz 05) einen Seitenhieb. Dieser hatte Embolo einst zu Schalkes Rekordeinkauf (22,5 Mio. Euro) gemacht.

Schalke löst Vertrag mit Jochen Schneider auf - Suche nach Nachfolger gestaltet sich schwierig

Jochen Schneider soll auf Schalke noch so lange formal im Amt bleiben, bis der Aufsichtsrat einen geeigneten Nachfolger gefunden hat. Die Suche nach einem Nachfolger für den Posten des Sportvorstands auf Schalke, für den auch Erik Stoffelshaus gehandelt wurde, gestaltet sich schwierig. Der Klub steht vor der Herausforderung, die kommende Saison und den Neuaufbau des Schalke-Kaders im wahrscheinlichen Falle des Abstiegs in die 2. Liga zu planen. Dafür hat sich der Aufsichtsrat eine Besonderheit überlegt. Die zweigleisige Vorbereitung der Spielzeit 2021/2022 sollen Ex-Profi Mike Büskens, Nachwuchs-Direktor Peter Knäbel und A-Jugendtrainer Norbert Elgert übernehmen. „Die Drei tragen die Schalke-DNA in sich und stehen für die Werte unseres Vereins“, erklärte Buchta.

Bis zum Sommer soll Jochen Schneider dem Übergangstrio in beratender Funktion zur Seite stehen. Der Sportvorstand versprach, bis zum letzten Spieltag alles versuchen zu wollen, „um entgegen aller Prognosen den Klassenerhalt doch noch zu schaffen“. Das wird angesichts von neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz eine Herkules-Aufgabe. Am Wochenende steht das brisante Revier-Derby gegen Borussia Dortmund an - und beim BVB kriselt es ebenfalls.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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