Die "Knappen" gehen ängstlich wie selten ins Revierderby

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Gelsenkirchen. Anfang der Woche hatte es im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund einen launigen Talkabend unter dem Motto „Derbyfieber“ gegeben. „Ente“Lippens erzählte dabei hinreißende Anekdoten aus seinem Leben als Fußball-Filou, Klaus Fischer behauptete, dass man Fallrückzieher nicht lernen könne („Entweder kann man das oder man kann das nicht“), und Christoph Metzelder gab für das bevorstehende Revierderby einen bemerkenswerten Tipp ab: „Ich bin immer für den Underdog. Also tippe ich auf Schalke.“

Was sicherlich nett gemeint war vom Ex-Nationalspieler, dürfte den Schalker Fans überhaupt nicht gefallen. Denn Mitleid bekommt man schließlich geschenkt. Ganz im Gegensatz zum Neid, den man sich erarbeiten muss. Und es dürfte nicht wenige Schalker Fans geben, die derzeit sehr neidisch hinüber zum Erzfeind Borussia Dortmund blicken. Die Stimmung vor dem 170. Revierderby (Sonntag, 15.30 Uhr/Sky) ist auf Schalke jedenfalls so schlecht wie lange nicht mehr. 

Zuversicht zieht die blauweiße Anhängerschaft nach den teilweise peinlichen Auftritten der eigenen Mannschaft lediglich aus der Tatsache, dass dieses Duell schon immer seine eigenen Gesetze hatte. Das ist aber auch schon der einzige, schwach glimmende Funke der Hoffnung. Ansonsten empfangen die Schalker den Tabellenzweiten aus Dortmund als krasser Außenseiter. Oder eben als „Underdog“, wie Metzelder sagt. Was nicht nur die 23 Punkte Unterschied in der Tabelle eindrucksvoll dokumentieren. 

Der 35-jährige Ex-Nationalspieler ist einer der wenigen Profis, der das Trikot beider Vereine getragen hat. Und der deshalb ganz gut aufzeigen kann, wo die Unterschiede zwischen diesen beiden Klubs derzeit liegen. „Es gehört auf Schalke einfach zur DNA, dass es unruhig ist. Beim BVB hingegen hat man die Zuversicht und sagt sich: Das gewinnen wir schon irgendwie.“ Tatsächlich ist es in den vergangenen, sportlich durchaus erfolgreichen Jahren nicht gelungen, eine positive Grundstimmung in diesem chronisch nervösen Verein zu verankern. Was auch die Trainer, die meist von außen kommen, oft zutiefst irritiert. 

Roberto Di Matteo zum Beispiel kam mit dieser negativen Grundeinstellung überhaupt nicht zurecht, sie war ihm auch nicht mit der besonderen Mentalität des Ruhrgebietlers zu erklären. Und auch der aktuelle Coach André Breitenreiter, ein gebürtiger Niedersachse, beklagte sich in dieser Woche darüber, „dass die allgemeine Öffentlichkeit den FC Schalke eher negativ und kritisch beäugt“. Selbst der mittlerweile auf Kompanie-Stärke angewachsenen Presse- und PR-Abteilung des Klubs gelingt es nicht, das Image dieses Klubs grundlegend zu verändern – egal, wie viel gute Laune sie über sämtliche Medienkanäle auch zu verbreiten versucht. 

Hoffnungen ruhen auf Christian Heidel

Breitenreiter steht vor schweren Wochen Große Hoffnungen ruhen auf dem kommenden Manager Christian Heidel, der Horst Heldt in diesem Sommer ablösen wird. Heidel hat sich beim FSV Mainz, wo er aktuell noch der dienstälteste Manager der Bundesliga ist (24 Jahre), einen Ruf als patenter und kompetenter Macher erarbeitet. Nach dem napoleonesken Felix Magath und dem eher unscheinbaren Heldt ein weiterer neuer Charakter, der sich auf Schalke versucht. Ob Heidel allerdings noch mit Breitenreiter zusammenarbeiten wird, ist nicht erst seit den jüngsten Rückschlägen der Schalker fraglich. 

Der Arbeitsplatz des 42-jährigen Breitenreiter gilt durch seine mitunter seltsamen taktischen Ideen und den blutleeren Auftritten der Mannschaft als arg gefährdet. Sein Versprechen, dass er stets eine Mannschaft auf den Platz schicken werde, die sich zumindest für den Erfolg zerreißt, konnte er nicht halten. Ganz im Gegenteil. Zuletzt mussten sich die hochdotierten Schalker Profis von den enttäuschten Fans die eine oder andere Schmähung gefallen lassen. Immer wieder tauchte in den vergangenen Wochen der Name Markus Weinzierl (FC Augsburg) auf, mit dem die Schalker bereits im Vorjahr verhandelt hatten und nach dessen Absage sie Breitenreiter verpflichteten. 

Auch der Name von Lucien Favre, ehemaliger Coach von Mönchengladbach und Hertha BSC, hält sich hartnäckig. Breitenreiter steht vor schweren Wochen. Nach dem Derby folgen die Duelle mit Spitzenreiter Bayern München und Bayer Leverkusen. Und bereits jetzt sind die Schalker auf den siebten Tabellenrang abgerutscht. Sollte aus diesen drei Partien wie in der Hinrunde nur ein Punkt (1:1 gegen Leverkusen) geholt werden, könnte es für Breitenreiter eng werden. 

Denn eine Saison ohne internationalen Wettbewerb wäre ein schwerer Dämpfer für den ambitionierten Klub. Metzelder machte den Blauweißen an jenem Abend im Fußballmuseum schließlich aber doch noch etwas Hoffnung auf einen Erfolg im Derby: „Aus der tiefen Depression kommend ist Schalke immer stark.“ Falls diese These stimmt, muss sich der BVB wirklich auf einiges gefasst machen.

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