In der Champions League

Schalker feiern sich für Punktgewinn in London

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Roman Neustädter (rechts) überzeugte in ungewohnter Rolle als Innenverteidiger.

LONDON - Während im Hintergrund ein Schwarm von Benzinrasenmähern wieder für den ordnungsgemäßen Zustand des Spielfeldes an der Stamford Bridge sorgten, ließ Roman Neustädter in all dem Motorenlärm beiläufig fallen, dass er an diesem Abend alles andere als ein Aushilfs-Innenverteidiger gewesen war.

Von Jens Greinke 

„Ich habe 2008 beim FSV Mainz auf dieser Position ein Jahr trainiert, als Jürgen Klopp dort Trainer war“, sagte der 26-Jährige. Eingesetzt worden wäre er auf dieser Position damals zwar nie, aber gelernt ist eben gelernt.

Neustädter eine der Garanten des Teilerfolges

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der aktuelle Trainer des Schalker Erzfeindes Borussia Dortmund die Basis dafür gelegt hatte, dass sich der nominelle "Sechser" Neustädter am Mittwochabend in London als veritabler und zuverlässiger Innenverteidiger und somit als einer der Garanten für den nicht zu erwartenden Schalker Teilerfolg erwies.

Spektakulär das 1:1 gerettet

So, als hätte er nie etwas anderes gemacht, stellte sich Neustädter den hoch talentierten Angreifern der Millionentruppe des FC Chelsea in den Weg und verhinderte schließlich auf spektakuläre Art und Weise den möglichen Siegtreffer der Engländer, als er in der 76. Minute einen Schuss von Loic Remy per Kopf von der Linie kratzte. Neustädter sagte später zwar, dass er in diesem Moment „gar nicht gewusst habe, wo der Ball war“, doch dürfte dieser Reflex sehr relevant für das nicht erwartete 1:1 (0:1)-Remis der Schalker beim FC Chelsea gewesen sein.

Champions League: Chelsea - FC Schalke 1:1

Zumindest war es mitentscheidend dafür, dass der mal wieder ebenfalls herausragende Schalke-Keeper Ralf Fährmann mit Neustädter nach dem Schlusspfiff in derart inniger Umarmung über den Rasen rollte, als gäbe es gerade den WM-Titel oder ähnlich große Fußball-Weihen zu feiern.

Heldt: "Wir haben das grandios gemacht"

Die Freude der Schalker über dieses Remis im ersten Gruppenspiel der Champions League war mehr als verständlich, schließlich galt die Mannschaft von Trainer Jens Keller angesichts von neun Ausfällen vornehmlich in der Defensive als hoffnungsloser Außenseiter beim englischen Tabellenführer. „Wir haben das grandios gemacht“, sparte Manager Horst Heldt nachher nicht mit Lob: „Wir haben alles gegeben.“ Was stimmte.

Keller zeigt sich "wahnsinnig stolz"

Die Schalker zeigten gegen eine nach der 1:0-Führung durch Cesc Fabregas (11.) recht arrogant aufspielende Startruppe des FC Chelsea die bislang beste Saisonleistung und hätten mit ein wenig Glück letztlich sogar als Sieger vom Platz gehen können. Doch der 1:1-Ausgleich durch Klaas-Jan Huntelaar nach einem von Julian Draxler vorbildhaften initiierten Konter (62.) reichte aus, um die blauweiße Welt wieder etwas ins Lot zu bringen. „Ich bin wahnsinnig stolz“, sagte ein bewegter Jens Keller, „das war beeindruckend.“

Malocher-Aufdruck zurecht auf den Trikots

Beeindruckend war vor allem die Leidenschaft, die seine Mannschaft an diesem Abend an den Tag gelegt hatte. Den kleinen „Kumpel & Malocher“-Aufdruck auf den Trikots trugen die Schalker an der Stamford Bridge zurecht. „Wir haben gearbeitet und gefightet“, bestätigte Kaan Ayhan: „So muss es weitergehen.“

Boateng opferte sich für das Team auf

Herausragend in dieser Hinsicht war neben Neustädter, dem teils grandios aufspielenden Draxler und dem scheinbar unüberwindbaren Fährmann vor allem Kevin-Prince Boateng. Der 26-Jährige hatte an der Stamford Bridge offensichtlich alles gegeben. Der „Prince“ wankte nach jedem Torschuss oder aufreibendem Zweikampf wie ein Kriegsinvalide über den Platz und hatte seinem Trainer in der Halbzeitpause gesagt, dass er nach einem Schlag auf den Knöchel unglaubliche Schmerzen habe. „Da habe ich ihn angefleht, dass er weiter macht“, gestand Keller.

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