Rassismus-Eklat

Fan-Proteste gegen Tönnies: Sportvorstand Schneider warnt vor Hetzjagd

+
Schalkes Fans protestierten in Drochtersen gegen Klub-Boss Clemens Tönnies.

Schalkes Fans haben im Pokal-Spiel gegen Klub-Boss Clemens Tönnies protestiert. Sportvorstand Jochen Schneider warnt.

Update 11. August, 8.44 Uhr:Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider hat in der Diskussion um die als rassistisch kritisierten Aussagen von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor einer ""Hetzjagd" gewarnt. "Er hat sich entschuldigt. Wir sind im Fußball, und sie haben ihm die Rote Karte gezeigt für ein grobes Foul. Dafür gibt es im Fußball die Rote Karte, dann hat man eine Sperre zu verbüßen. Das ist der Fall. Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht eine Hetzjagd veranstalten. Dass wir das ein Stück weit versachlichen", sagte Schneider in einem ZDF-Interview nach dem 5:0-Sieg des Fußball-Bundesligisten in der ersten DFB-Pokalrunde am Samstag bei der SV Drochtersen/Assel.

Vor der Partie hatten viele der rund 2000 mitgereisten Schalke-Fans gegen Tönnies protestiert. Die Anhänger hielten Plakate mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch. Zudem gab es mehrere Banner mit Sprüchen gegen Tönnies. Auch solche, die seinen Rauswurf forderten.

Ex-Nationalspieler Cacau, Integrationsbeauftragter des DFB, warnte im Sportstudio des ZDF vor einer Relativierung der Worte Tönnies'. "Man darf nicht an einer Spaltung teilnehmen, die in unserer Gesellschaft passiert oder auf dem Weg dorthin ist", sagte der frühere Bundesliga-Profi. Tönnies habe eine zweite Chance verdient, müsse aber durch Taten zeigen, dass seine Reue echt und er "kein Rassist" sei.

Schneider merkte an, dass sich Tönnies möglicherweise beim "kompletten afrikanischen Kontinent" hätte entschuldigen müssen. Er forderte aber einen milden Umgang mit dem Aufsichtsratschef.

"Es ist gut, dass wir in einer Zeit leben, dass die Aussagen, die er getätigt hat, nicht in Ordnung sind und die Leute sagen, das geht so nicht. Nichtsdestotrotz glaube ich, unsere Gesellschaft gibt das auch her, dass jemand einen Fehler macht, dass er sich entschuldigt, dass er bereut und dass man dann auch verzeihen kann", sagte der S04-Vorstand. Die Aktion der Fans bezeichnete er als "starkes Statement gegen Rassismus".

Update 10. August, 19.40 Uhr: Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider hat sich nach dem 5:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Nord-Regionalligist SV Drochtersen/Assel über die Proteste der mitgereisten Anhänger gegen Klub-Boss Clemens Tönnies geäußert.

"Zum einen war das ein klares Statement gegen Rassismus, das ist gut", sagte der 48-Jährige in der ARD: "Zum anderen war es ein klares Statement dafür, dass die Fans mit den Äußerungen von Clemens Tönnies im Rahmen seiner Rede in Paderborn nicht zufrieden waren. Wir sind im Fußball, sie haben ihm die Rote Karte gezeigt - und im Fußball heißt das: Wenn man ein Foul begehrt, bekommt man die Rote Karte, entschuldigt sich, und man hat eine Sperre zu verbüßen. Das ist zu respektieren."

Update 10. August, 15.30 Uhr: Die rund 2500 Schalker Fans, die zum DFB-Pokal-Match bei Nord-Regionalligist SV Drochtersen/Assel gereist sind, haben mit einer Choreo vor den Anpfiff klar Stellung in Richtung Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies bezogen.

Die Anhänger hielten beim Einlaufen der Teams im wahrsten Sinne des Wortes die Rote Karte nach oben. Die Botschaft: "Wir zeigen Rassismus die Rote Karte." Und damit auch Klub-Boss Tönnies nach dessen umstrittenen und heftig kritisierten Aussagen über Afrika.

Die Protest-Aktion war mit dem Anpfiff der Schalker Erstrunden-Partie im DFB-Pokal (5:0) wieder beendet.

Zur zweiten Halbzeit folgte ein weiterer Banner mit der Aufschrift "Antirassismus ist mehr als reden auf der MV. Peters, du Heuchler."

Adressat ist Peter Peters. Schalkes Finanz-Vorstand hatte noch vor wenigen Wochen auf der Mitgliederversammlung rassistische Sprüche in der Fankurve der Königsblauen stark kritisiert und gesagt: "Da hätte ich kotzen können vor Ekel." Solche Menschen seien keine Schalker, meinte er.  

Schalke siegt - Fans protestieren gegen Tönnies

Auch der Ehrenrat, der den Klub-Boss nicht härter bestrafte, bekam sein Fett weg: ""Ehrenrat, ihr zeigt Rassismus die rote Karte?“ Einige Anhänger forderten sogar den Rauswurf von Tönnies.

Bedeutendste Schalker Fan-Gruppierung fordert "Rote Karte" für Tönnies

Bedeutendste Schalker Fan-Gruppierung fordert "Rote Karte" für Tönnies

Gelsenkirchen - In den Schalker Fankreisen regt sich Widerstand gegen die Entscheidung des Vereins in der Causa Tönnies. "Clemens Tönnies kann so nicht mehr das Gesicht von Schalke sein", sagte Manfred Beck von der Schalker Fan-Initiative am Mittwoch im Interview mit Radio Emscher-Lippe.

Dass Aufsichtsratschef Tönnies nach seinen als rassistisch empfundenen Äußerungen für drei Monate sein Amt beim Fußball-Bundesligisten ruhen lässt, hält Beck für nicht ausreichend. "Ich hoffe, dass das nicht das endgültige Ergebnis ist, sondern dass dies erst einmal ein Zwischenergebnis ist. Wir sind enttäuscht darüber, weil wir schon erwarten und es für richtig halten, dass das zu einer endgültigen Lösung wird." Beck wollte in Gesprächen mit weiteren Medien nicht ausschließen, dass es "im ersten Heimspiel zu Aktionen der Fans kommt".

Auch für die Ultras Gelsenkirchen sind die bisherigen Konsequenzen viel zu wenig. "Das Ergebnis des Ehrenrates ist für uns in keiner Art und Weise akzeptabel", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme der bedeutendsten Schalker Fan-Gruppierung, in der sie unter dem Strich die "Rote Karte" für Tönnies fordert.

Für Ultras GE wird in zweierlei Maß gemessen

Für die Ultras Gelsenkirchen werde in zweierlei Maß gemessen und führte als Beispiel an: "Es ist das zweite Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass der Ehrenrat im Fokus der Mitglieder und Medien steht. Zuletzt war es beim Aufsichtsrat Dr. Horn der Fall. Ihm wurde unsportliches Verhalten vorgeworfen, da er versucht haben soll, Clemens Tönnies zum Rücktritt zu bewegen. Der Ehrenrat suspendierte Dr. Horn daraufhin für zwölf Monate von seinem Amt."

Daher stelle sich die Frage, inwiefern ein "unsportliches Verhalten" also schlimmer zu werten sei als ein "diskriminierendes". Weiter heißt es: "Vergleicht man diese beiden Fälle und vor allem den immensen Imageverlust des FC Schalke 04 e.V., so wird das Verhalten des Ehrenrats zur Farce. An dieser Stelle muss man sich fragen, ob der Ehrenrat mit zweierlei Maß misst und inwiefern er unabhängig urteilen kann."

"Einzelner Personen scheinbar größer als der Verein"

Die Fan-Gruppierung komme zu dem Schluss, dass eine einzelne Person einmal mehr größer zu sein scheint als der gesamte Verein. "Die jahrelange Antirassismus-Arbeit auf Schalke wird durch diese Entscheidung nicht nur mit Füßen getreten. Dieser Beschluss schädigt das Image unseres Vereins nachhaltig", schreiben die "Ultras für GE". "Wie sollen wir Mitglieder in Zukunft bei ähnlichem Verhalten reagieren? Ist Wegsehen erwünscht? Ist einmal kein Mal und alles halb so wild?"

Kommentar: So ist das Schalker Leitbild nichts wert

Die Ehrenratssitzung des Revierklubs am Dienstagabend hatte ergeben, dass Tönnies sein Amt nach seinen umstrittenen Aussagen über Afrika für drei Monate ruhen lassen will. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass der "Vorwurf des Rassismus unbegründet ist". Vorzuwerfen sei dem Unternehmer "allerdings, gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben."

mg/dpa

Verpassen sie keine Nachricht zum FC Schalke 04 und werden Sie Fan unserer Facebook-Seite.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare