Schalkes Aufsichtsratsboss

Clemens Tönnies mit Bart und Reue? Öffentliche Äußerung des Schalke-Boss irritiert

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Clemens Tönnies hat sich öffentlich geäußert.

Die Zwangspause von Clemens Tönnies als Schalker Aufsichtsratschef läuft ab. Der S04-Boss sorgte mit seiner öffentlichen Äußerung für Irritationen.

Update, 7. November, 15.38 Uhr:

Wohlwollende Fragen in entspannter Atmosphäre - am Tag der Rückkehr von Clemens Tönnies in sein Amt als Aufsichtsratschef startete der FC Schalke 04 eine PR-Offensive. In einem Interview des vereinseigenen TV gab sich der Fleisch-Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück geläutert.

Seine vielfach als rassistisch eingestuften Äußerungen vor gut drei Monaten bezeichnete er als "Fehler": "Es hätte mir nicht passieren dürfen. Es ist voll in die Hose gegangen. Wenn sich jemand verletzt gefühlt hat, bitte ich ihn aufrichtig um Entschuldigung. Ich war von der Wucht der Reaktion total erschlagen."

Das Interview soll dazu beitragen, dem Clubchef das Comeback auf Schalke zu erleichtern. In erster Verärgerung über dessen Äußerungen Anfang August beim "Tag des Handwerks" in Paderborn ("Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren") hatte es zahlreiche Vereinsaustritte und viel öffentliche Kritik gegeben. Nicht zuletzt deshalb hatte der Schalker Ehrenrat eine Woche später eine dreimonatige Zwangspause für den 63-Jährigen ausgesprochen.

"Es war eine harte Zeit. Ich hätte nicht erwartet, dass ich ein Stück weit leide, nicht dabei zu sein", bekannte Tönnies. "Das hat mir viele Gedanken gebracht, über das, was ich gesagt habe, wie ich es eigentlich gemeint habe und wie es insgesamt aufgenommen wurde." Tönnies fühlt sich falsch eingeschätzt: "Ich bin nicht der, der trennt, sondern eher der, der vereint und sagt, das darf auf Schalke keinen Einzug haben. Wir müssen uns in der Gesellschaft viel mehr gegen Rassismus stellen. Ich sehe uns alle in Europa in der Pflicht, was für Afrika zu tun."

Schalke 04: Clemens Tönnies kehrt nach Auszeit in sein Amt als Aufsichtsratschef zurück - vorerst nicht in der Arena

Update, 6. November, 14.12 Uhr: Nach drei Monaten Denkpause kehrt Clemens Tönnies beim FC Schalke 04 auf die Kommandobrücke zurück und wird seine Tätigkeit als Aufsichtsratschef des Bundesligisten wieder ausüben. Die Öffentlichkeit meidet er vorerst. Anders die Verantwortlichen bei den Königsblauen, die sich nun via Klub-Mitteilung zur Tönnies' Rückkehr geäußert haben.

"Aufgabe für uns im Gremium war es, alle Prozesse so geräuschlos und effizient wie üblich zu gestalten", erklärt Dr. Jens Buchta, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates: "Das ist uns auch in Unterzahl gut gelungen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf die Komplettierung unserer Runde, wenn Clemens Tönnies in seiner gewohnten Rolle den Vorsitz wieder übernimmt."

Peter Peters, Vorstand Finanzen und Organisation, erklärt: "In den vergangenen 25 Jahren ist es uns gelungen, Schalke 04 in einem sich immer stärker verändernden Fußballgeschäft als ernstzunehmenden Mitbewerber in der Spitzengruppe der Bundesliga zu halten und gleichzeitig unsere Identität zu bewahren. Daran hat Clemens Tönnies in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender einen großen Anteil."

Alexander Jobst, Vorstand Marketing und Kommunikation, erklärt: "Clemens Tönnies ist für uns im Vorstand ein wichtiger Ansprech- und Sparringspartner sowie Ratgeber zugleich. Zudem profitiert der Verein von seinem wirtschaftlichen Netzwerk, sein Wort hat überall Gewicht. Wir freuen uns, dass er dies wieder für unseren Klub in die Waagschale werfen kann."

Sportvorstand Jochen Schneider sagt: "Clemens Tönnies war derjenige, der mich überzeugt hat, zum FC Schalke 04 zu kommen. Mich hat es vom ersten Moment an beeindruckt, wie sehr sich ein erfolgreicher und vielbeschäftigter Unternehmer für seinen Klub einbringt und wie positiv er Schalke 04 lebt. Wir alle freuen uns sehr auf Clemens Tönnies in seiner gewohnt aktiven Rolle."

Tönnies kehrt nach Auszeit zurück - aber vorerst nicht in die Arena

Gelsenkirchen - Drei Monate lang hat Clemens Tönnies sein Amt als Aufsichtsratschef beim FC Schalke 04 ruhen lassen müssen und ist in dieser Funktion nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Wer den 63 Jahre alten Fleisch-Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück kennt, weiß, wie schwer ihm das gefallen sein wird. Die monatlichen Sitzungen des Kontrollgremiums waren nach einem Beschluss des Schalker Ehrenrats ein Tabu für Tönnies.

Um nicht für noch mehr Aufmerksamkeit zu sorgen, belegte er sich sogar mit einem Besuchsverbot der Heimspiele seines Herzensklubs. Die Partien schaute er sich am Fernseher an.

Dabei habe Tönnies ja "kein Stadionverbot", sagte Schalkes Unternehmenssprecherin Anja Kleine-Wilde der Deutschen Presse-Agentur. Gleichwohl zog es der impulsive Tönnies vor, erst einmal abzutauchen und Gras über die für ihn und den Verein delikate Affäre wachsen zu lassen.

Tönnies' Zwangspause läuft ab

Am 6. August hatte der Schalker Ehrenrat nach den viel diskutierten und zum Teil als rassistisch eingestuften Äußerungen von Tönnies über Afrikaner entschieden, dass dieser sein Amt drei Monate nicht ausüben dürfe. Tönnies hatte als Redner beim Tag des Handwerks in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Am Mittwoch um 24 Uhr läuft Tönnies' Zwangspause ab. Dem Vernehmen nach hat Tönnies die Zeit genutzt, um sich Gedanken über seine Rolle bei einem der emotionalsten deutschen Fußball-Vereine zu machen. Mit welchen Ergebnis, wird er wohl bald im hauseigenen Schalke-TV oder via Klub-Homepage mitteilen. In anderen Medien will sich Tönnies vorerst nicht äußern.

Tönnies gegen Fortuna nicht im Stadion

Beim anstehenden Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) in der Arena gegen Fortuna Düsseldorf wird es noch kein Tönnies-Comeback geben. Das bestätigte seine Kommunikationsagentur. Auch am 29. November gegen Union Berlin werde er nach Informationen der Sport Bild aufgrund beruflicher Verpflichtungen noch nicht wieder im Stadion sein.

Demnach werde Tönnies sein öffentliches Comeback wohl erst am 15. Dezember geben, wenn die Königsblauen Eintracht Frankfurt empfangen.

Dem Vernehmen nach hält sich der Fabrikant geschäftlich im Ausland auf. Bei der nächsten Schalker Aufsichtsratssitzung im Dezember wird Tönnies dann aber die Klub-Geschäfte wie gewohnt übernehmen.

Dass Tönnies beim üblichen Essen vor dem Spiel mit den Verantwortlichen des Gegners nicht zugegen ist, dürfte ihm nicht ungelegen kommen. Schließlich träfe er wohl auf Fortuna-Vorstandschef Thomas Röttgermann, der Tönnies scharf kritisiert hatte. "Ich bin nicht Clemens Tönnies. Für mich kann ich aber sagen: Ich wäre zurückgetreten", sagte Röttgermann im dpa-Interview.

Tönnies sorgt bei Verleihung für Aufsehen

In der vergangenen Woche hatte Tönnies mit seinem Auftritt als Gast bei der Verleihung des NRW-Landesverdienstordens an Schalkes langjährigen Torhüter Manuel Neuer durch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der Düsseldorfer Staatskanzlei für Aufsehen gesorgt. Die Duisburger Landtagsabgeordnete Sarah Philipp (SPD) bezeichnete den Tönnies-Auftritt via Twitter als "deplatziert".

Schalke-Fan Peter Lohmeyer war aus Empörung über Tönnies sogar aus dem Klub ausgetreten. Schalke sei immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus gewesen. Darauf sei er stets "sehr stolz" gewesen, meinte der Schauspieler. Seiner Ansicht nach hätte Tönnies "allen einen Gefallen getan, wenn er zurückgetreten wäre".

Sauer war auch Richterin Kornelia Toporzysek, die aus dem Schalker Ehrenrat zurücktrat, nachdem dieser Tönnies vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen und lediglich einen Verstoß gegen die Satzung und das Leitbild des Klubs geahndet hatte. "Ich glaube nicht mehr daran, dass die vereinsinternen Strukturen eine meinem Amtsverständnis entsprechende Erfüllung der Aufgaben zulassen", sagte Toporzysek.

dpa

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