Interview nach Wechsel

Ex-Spieler rechnet mit Schalke ab: „Noch ein halbes Jahr - und ich hätte aufgehört“

Nach seinem Wechsel von Schalke nach Belgien rechnet Benito Raman mit S04 ab. Besonders an einer Phase seiner Zeit in Gelsenkirchen lässt er kein gutes Haar.

Hamm - Er kam im Juli 2019 als Hoffnungsträger. Nach einer bärenstarken Saison bei Fortuna Düsseldorf heuerte Benito Raman beim FC Schalke 04 an und sollte an seine fulminanten Leistungen in der Landeshauptstadt anknüpfen. Doch das Engagement des Belgiers im Ruhrgebiet entwickelte sich zu einem großen Missverständnis.

VereinFC Schalke 04
TrainerDimitrios Grammozis
Liga2. Bundesliga
Gründung4. Mai 1904, Gelsenkirchen

Schalke: Benito Raman tritt gegen S04 nach - heftige Kritik an einem Trainer

Zwar spielte Raman eine ordentliche erste Halbserie (vier Tore und drei Assists) unter Trainer David Wagner, doch mit dem beispiellosen Absturz der Schalker fiel auch der Offensivspieler in ein tiefes Leistungsloch. Zwei mickrige Bundesliga-Treffer kamen in den verbleibenden eineinhalb Saisons auf Schalke noch hinzu - eindeutig zu wenig für einen Stürmer.

Im Sommer wollte Benito Raman nur noch weg aus Gelsenkirchen - und wechselte schließlich zum RSC Anderlecht in seine belgische Heimat. Für seine Zeit beim FC Schalke findet der 26-Jährige keine schönen Worte: „Wenn ich noch ein halbes Jahr auf Schalke geblieben wäre, hätte ich aufgehört, Fußball zu spielen. Ich war es leid, was dort passiert ist“, sagte Raman in einem Interview mit der belgischen Tageszeitung Het Nieuwsblad.

Besonders auf eine Phase der vergangenen Saison blickt der Belgier mit Grauen zurück: „Außerdem gab es noch einen ganz schlechten Trainer: Christian Gross. Unter ihm ist nichts passiert. Keine Taktik, keine stagnierenden Phasen.“ Gross habe nicht einmal die Namen der Spieler aus dem Kader des FC Schalke gekannt - und machte in einer Pressekonferenz aus Alessandro Schöpf beispielsweise „Massimo Schüpp“. Daher hätten die Spieler in manchen Spielen die Dinge selbst in die Hand genommen. „Dann kamen die erfahrenen Jungs zusammen und sagten: ‚Der Trainer will, dass wir so Fußball spielen, aber so machen wir das‘. Es lief oft besser, aber es konnte uns nicht retten“, erklärte Raman. Als Dimitrios Grammozis, der zuletzt nach dem Unentschieden gegen Aue nicht zufrieden war, kam, sei es schon zu spät gewesen.

Benito Raman tritt gegen Schalke nach - doch es war nicht alles schlecht

Doch insgesamt zieht Benito Raman ein durchaus positives Fazit nach seinen vier Jahren in Deutschland. Er sei nicht mehr derselbe Mensch wie 2017, als er von Standard Lüttich nach Düsseldorf gewechselt war: „Ich habe die deutsche Mentalität übernommen: harte Arbeit. Okay, ich werde nie gerne trainieren. Das machen meine Teamkollegen mehr als ich. Aber für den Rest?“ In der Bundesliga habe sich seine Ausdauer verbessert, sein Positionsspiel habe sich verbessert, sein Finishing, seine tiefen Läufe. „Wenn ich das auch nach Belgien bringen will, muss ich dieselbe Arbeitsmoral beibehalten“, sagte der 26-Jährige.

Jetzt hofft Benito Raman auf einen Neuanfang in Anderlecht - auch wenn er bei seinem neuen Verein nicht unbedingt als Heilsbringer empfangen wurde. „Die Frage, ‚Warum sollte jemand, der Schalke nicht helfen konnte, Anderlecht helfen?‘, ergab Sinn. Schalke 04 hat bereits eine besondere Saison erlebt“, erklärte der Stürmer bei Het Nieuwsblad. Nach seinen ersten beiden Spielen in Anderlecht seien die Zweifel berechtigt gewesen, ihm habe ganz einfach der Rhythmus gefehlt. Doch das soll sich schon bald ändern: Den besten Raman hätten die Fans „noch nicht gesehen“, versprach er.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner

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