Zombiehafter Auftritt

Schalke bangt nach 0:2 in Köln um Europa League

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Köln - Während die Spieler des 1. FC Köln im Mittelkreis wie jeck den endgültigen Klassenerhalt feierten, stand Schalke-Trainer Roberto Di Matteo am Spielfeldrand und blickte auf einen Punkt im Nirgendwo. Kurz vor dem Ende der Saison setzt der FC Schalke 04 auch sein letztes verbliebenes Ziel noch aufs Spiel: Nach der 0:2 (0:1)-Niederlage beim 1. FC Köln droht auch noch die Qualifikation für die Europa League zu scheitern.

Von Jens Greinke

„Diese Leistung war einer Schalker Mannschaft nicht würdig“, urteilte Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes nach dem Schlusspfiff recht gnadenlos, aber zutreffend. Auch Kölns Keeper Timo Horn hatte recht, als er meinte: „Die Schalkerh haben ein bisschen müde auf mich gewirkt.“ Die Frage war nur, wovon. 

Roberto Di Matteo hatte drei Änderungen in der Startelf vorgenommen: Für den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar, Joel Matip und Jefferson Farfan (beide auf der Bank) kamen Marco Höger, Kevin-Prince Boateng und Julian Draxler ins Spiel. Ein weiteres klares Signal an Max Meyer: Der 19-Jährige gehörte in Köln zum dritten Mal in Folge nicht zur Anfangsformation. 

Es war ein unfassbar lebloser Auftritt der Schalker, sie wirkten wie Fußball-Zombies in blauweiß. Das Aufbauspiel einfallslos und lasch, das Zweikampfverhalten oft nur halbherzig, von Inspiration und Fantasie war so gut wie nichts zu sehen. Marco Höger stellte hinten rechts ein Hochsicherheits-Risiko dar. Allenfalls Benedikt Höwedes, der auf seine Innenverteidiger-Position hatte zurückkehren dürfen, zeigte eine solide Vorstellung. Wie auch Keeper Ralf Fährmann, der durch die ein oder andere Parade letztlich eine noch höhere Niederlage verhinderte. 

In der Offensive setzte Eric-Maxim Choupo-Moting seinen mysteriöse Durchhänger fort. Die Impulse, die sich Di Matteo von Kevin-Prince Boateng erhofft hatte, spielten sich im Niedrigstrom-Bereich ab. Für den „Prince“ war der Arbeitstag nach nicht einmal einer Stunde beendet, als Di Matteo ihn durch Jefferson Farfan ersetzte. Gut möglich, dass es der vielleicht letzte Auftritt des Deutsch-Ghanaers im Schalker Trikot war, dessen Abschied nach der Saison so gut wie sicher scheint. Und dass Julian Draxler nach seiner langen Verletzung noch sehr viel fehlt, wurde erneut überdeutlich. Vor allem fehlt ihm noch das notwendige Tempo. 

Die keinesfalls überirdisch aufspielenden Kölner nutzen all diese Schwächen in der 34. Minute, als Kevin Vogt mit einem feinen Pass auf Kazuki Nagasawa die Schalker filetierte. Den Schuss des Japaners aus halblinker Position konnten Schalke-Keeper Ralf Fährmann noch abwehren. Doch Marcel Risse lauerte im Strafraum und staubte eiskalt zur 1:0-Führung ab. 

Die Kölner hätten die Partie früher endgültig entscheiden können, wenn sie nicht zu nachlässig mit ihren Chancen umgegangen wären. So schoss der eingewechselte Dusan Svento in der 61. Minute völlig freistehend aus 13 Metern neben das Schalker Tor schoss. In anderen Momenten fehlte es der Kölner Offensive an der nötigen Konzentration, die teilweise sehr gut vorgetragenen Angriffe mit dem letzten, tödlichen Pass zu krönen. In der 81. Minute parierte Fährmann einen harten Schuss von Risse. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit glückte Yannick Gerhardt dann doch noch der verdiente zweite Treffer für die Gastgeber. „Ihr werdet uns nicht los“, frohlockte daraufhin Stadionsprecher Michael Trippel: „Ein weiteres Jahr 1. Liga.“ Die Schalker hingegen trotteten mit hängenden Köpfen in Richtung des Gästeblocks und holten sich verdientermaßen Pfiffe und Beschimpfungen ab.

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