Trainer droht Entlassung

Überlebenskampf für Schalke und Tedesco

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Allein auf weiter Flur: Schalkes Trainer Domenico Tedesco stellte sich nach dem spielerischen Offenbarungseid gegen Düsseldorf der Wut der Fans, während sich die Mannschaft ängstlich im Hintergrund hielt

Schalke 04 hat nach dem spielerischen Offenbarungseid gegen Düsseldorf den nächsten Tiefpunkt erreicht. Für Trainer Domenico Tedesco wird es allmählich eng – auch wenn er offenbar noch Befürworter hat.

Gelsenkirchen – Die Fans waren außer sich. Aufgebracht. Wütend. Die Stimmung auf Schalke ist endgültig gekippt. Trainer Domenico Tedesco zeigte Verständnis, marschierte vorweg. Stellte sich der Kritik. Entschuldigte sich für den spielerischen Offenbarungseid seiner Mannschaft. Und die Spieler? Sie hielten demonstrativ ängstlich Sicherheitsabstand, ließen ihren Coach allein im Regen stehen.

Ein Bild, das derzeit Symbolcharakter hat bei den Königsblauen. Während Tedesco nach außen wie nach innen alles versucht, scheint die Truppe dem Cheftrainer zumindest nicht komplett zu folgen. Doch ans Aufgeben denkt der 33-Jährige beileibe nicht. „Ich bin der letzte, der sich in so einer Situation verpisst“, erklärte Tedesco nach dem 0:4-Debakel gegen Fortuna Düsseldorf. „So lange ich das Vertrauen habe, werde ich für diesen Verein alles geben.“

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Diese Worte sind dem Deutsch-Italiener durchaus abzunehmen. Die Frage ist jedoch, wie lange er es noch darf. Es ist eine verzwickte Lage. In mehrfacher Hinsicht. Denn der Wut der Anhänger richtete sich nicht gegen den Chefcoach. Weit und breit war nichts zu hören von „Tedesco raus“-Rufen. In der Branche kaum üblich. Vor allem mit Blick auf die schlechteste Schalker Bilanz seit der Abstiegssaison 1982/83.

Schneider erst ab 14. März offiziell Sportvorstand

Zudem ist da die Situation auf der Ebene der Verantwortlichen. Jochen Schneider, der im Stadion und mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies sowie Marketingvorstand Alexander Jobst nach der Partie in der Kabine war, kann formell erst auf der turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrates am 14. März zum Sportvorstand bestellt werden. Seine Arbeit habe er aber schon aufgenommen, und durch die anderen Vorstände Jobst sowie Peter Peters (Finanzen) ist der Klub in jeglicher Hinsicht handlungsfähig. „Der neue Sportvorstand wird sich am Dienstag vorstellen und sich zur Lage äußern. Ich werde jetzt nicht Trainer aus- oder einstellen“, kommentierte Tönnies.

Schneider wird in seinen ersten Tagen gleich mächtig gefordert sein. Er muss den Klub und seine Fans im Eiltempo kennenlernen und möglichst die richtigen Schlüsse ziehen. Auch in puncto Tedesco. Ihm wird nicht entgangen sein, dass der Trainer mit seiner Art beim Großteil der Anhänger weiterhin gut ankommt, weil er eben zum Klub passt. Aber das schützt auch ihn irgendwann nicht mehr vor den Mechanismen im Profi-Fußball.

Schalkes neuer Sportchef sieht Hilflos-Auftritt gegen Düsseldorf

Denn bei der Kader-Zusammenstellung – sportlich wie charakterlich – hat Ex-Manager Christian Heidel ebenso Fehler gemacht wie Tedesco. In Sachen Taktik und Einstellung war der Coach ebenso wenig tadellos. Doch so akribisch er arbeitet: Derzeit sieht es so aus, als würde das Team ihm nicht mehr geschlossen folgen. Eine spielerische Weiterentwicklung? Bis heute nicht zu erkennen.

"Der Trainer kann nicht dafür..."

Dabei betonen zumindest die Führungsspieler, die sich öffentlich stellen, dass es in erster Linie an ihnen selbst liege. „Wir treffen die falschen Entscheidungen, halten uns manchmal nicht an den Plan. Dann kommt noch Unsicherheit dazu. Dann wollen wir zu viel. Es ist nicht immer der Trainer oder der Sportvorstand, wir Spieler sind verantwortlich“, erklärte Stürmer Guido Burgstaller (29), Teil des königsblauen Mannschaftsrates. Mark Uth (27) meinte: „Der Trainer kann nichts dafür, wenn wir auf dem Platz so einen Schrott abliefern. Wenn man sieht, wie wir Fußball spielen – wir spielen ja gar keinen Fußball. Ich weiß selbst nicht genau, was wir da machen.“

Tedesco nahm die Worte wohl wollend zur Kenntnis und meinte darauf: „Dann sollen die Spieler auch mal Gas geben.“ Was ein Großteil gegen die Fortuna nicht tat. Als „leblos, brotlos, mutlos und sehr leer“ bezeichnete er den Auftritt seiner Mannen: „Die Mannschaft wirkte in der Trainingswoche sehr lebendig, im Spiel war sie aber eher tot. Das war von zu vielen Spielern einfach viel zu wenig. Das hat mit Schalke nichts zu tun.“ Anders formuliert: Königsblau spielte wie ein Absteiger.

Kommentar: Schalke hat die Warnsignale zu lange ignoriert

Was nun dazu führte, dass Schalke im Abstiegskampf ist – und die Verantwortlichen sich das nun eingestehen. Tedesco ist sich sicher, dass seine Truppe genug passende Charaktere habe. Es geht nur noch um Überlebenskampf. Für Schalke. Und für Tedesco. Burgstaller: „Wir müssen es können, denn wir sind mittendrin. Wer das nicht verseht, hat hier nichts zu suchen. Ich kann nicht immer die gleichen Floskeln raushauen, wir müssen es draußen zeigen.“ Es könnte jedoch sein, dass es zu spät ist. Besonders für Tedesco.

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