150. Revier-Schlager

Remis im Derby - Fehlentscheidung bringt Schalke um möglichen Sieg

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Thilo Kehrer (r.) traf für Schalke im Derby gegen den BVB zum 1:1.

Gelsenkirchen - Das 150. Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund endet unentschieden. Aubameyang packt erneut die Maske aus. Königsblau hadert mit dem Referee.

Das war nichts für schwache Nerven: In einem insbesondere in der zweiten Halbzeit rasanten und hochdramatischen Revierderby trennten sich der FC Schalke 04 und Borussia Dortmund mit 1:1 (0:0)-Unentschieden. Pierre-Emerick Aubameyang hatte den BVB in der 53. Minute zunächst in Front geschossen, ehe Thilo Kehrer in der 77. Minute der Ausgleich gelang. Beide Teams verpassten damit ihr gestecktes Ziel, sich drei wichtige Punkte zu sichern. Die Gewinner waren hingegen die Zuschauer, die einen aufregenden Nachmittag verbrachten.

"Wir haben das Spiel lange mit viel Ballbesitz kontrolliert, aber es war schwierig, es zu beschleunigen, weil Schalke kompakt verteidigt hat", meinte BVB-Coach Thomas Tuchel. Schalkes Trainer Markus Weinzierl sagte: "Besonders auf die Leistung in der zweiten Halbzeit können wir stolz sein."

Wie befürchtet musste Weinzierl die Abwehr umbauen, da der zuletzt so starke Sead Kolasinac aufgrund von muskulären Problemen ausfiel. Allerdings vertraute Weinzierl auf das Defensiv-Konzept, mit dem die Schalker zuletzt so erfolgreich gewesen waren. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

„Wir müssen das Spiel genauso angehen wie die Partie in der Vorrunde“, sagt der Coach, allerdings mit einer kleinen Änderung: Statt mit der Fünferkette, mit der sich die Blau-Weißen im Oktober ein 0:0 erkämpft hatten, vertraute Weinzierl weiter auf die zuletzt so verlässliche Viererkette. Für Kolasinac rückte Thilo Kehrer auf die linke Außenverteidigerposition - und auf der rechten Abwehrseite gab Coke sein Pflichtspie-Debüt für Königsblau nach fast neunwöchiger Verletzungspause. „Die Defensive wird heute die Basis sein“, sagte Weinzierl: „Aber wir wollen natürlich auch agieren.“

Dembelé sorgt schnell für Gefahr

Thomas Tuchel nahm gleich vier Änderungen vor. Vor allem konnte der Dortmunder Coach wieder auf Ousame Dembélé bauen, der nach seiner Gelbsperre ins Team zurückkehrte und Michael Zorc meinte vor dem Anpfiff: „Wir müssen hier eine Topleistung abliefern. Es ist das wichtigste Spiel des Jahres.“ Zudem sah der Dortmunder Sportchef seine Mannschaft in der Pflicht: „Wir sind natürlich durch den Hoffenheimer Sieg in Berlin ein bisschen unter Druck.“ Die Kraichgauer hatten den BVB durch den 3:1-Erfolg in der Hauptstadt vom dritten Tabellenrang verdrängt.

Das 150. Pflichtspiel-Derby war eines der besseren Sorte, man merkte schnell, dass es für beide Teams nicht nur um die Ehre ging, sondern auch um wichtige Punkte. So suchten die beiden Erzrivalen ziemlich oft den Weg zum Tor. Dembélé war der erste, der für Gefahr im Schalker Strafraum sorgte, doch klärte Kehrer die Situation.

Nur wenig später sorgte der Nachwuchsspieler der Blau-Weißen auf der rechten Seite für Betrieb und passte auf Guido Burgstaller, dessen Schuss ins Toraus abgefälscht wurde. Ein guter Freistoß von Daniel Caligiuri, der sich fies in den Dortmunder Strafraum senkte (26.) und ein raffinierter Schuss von Dembélé (30.) waren weitere erwähnenswerte Gelegenheiten. Und in der 34. Minute durfte Ralf Fährmann noch einen Schuss von Pierre-Emerick Aubameyang abwehren.

Coke war es nur selten anzumerken, dass er soeben erst eine so lange Verletzungspause hinter sich hatte. Der Spanier agierte äußerst souverän und bereinigte die ein oder andere Situation äußerst elegant. Natürlich war es auch abseits des Platzes ein echtes Derby. Die beiden Fangruppen tauschten die üblichen Beleidigungen aus.

Aubameyang feiert mit Maske

Beide Teams kamen unverändert aus den Kabinen, allerdings zog Weinzierl Leon Goretzka zurück ins Mittelfeld, der bis dahin kaum zur Entfaltung gekommen war. In der 53. Minute hatte Burgstaller die Riesenchance zur Führung, doch sein Schuss aus der Drehung war schließlich leichte Beute für Roman Bürki.

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Ein aus Schalker Sicht fataler Moment, denn der direkte Gegenzug hatte die Dortmunder Führung zur Folge. Dembélé bediente Shinji Kagawa, der klug auf Aubameyang querlegt, der keine Mühe hatte, zum 0:1 ins leere Tore einzuschieben. Während es aus der Schalker Südkurve Bierbecher nur so regnet, feiert der exaltierte Gabuner seinen 24. Saisontreffer mit einer selbstgemachten Maske, wofür er die Gelbe Karte sah.

Die Schalker schüttelten sich den Schock schnell aus den Knochen, hatten in der 57. Minute Pech, als Bürki einen wuchtigen Kopfball von Benedikt Höwedes parierte. Auf der Gegenseite verdaddelte Aubameyang das 0:2, als er sich freistehend einen Fehlpass leistete anstatt selbst einzuschießen (58.).

Schalke erhöht die Offensiv-Power

Weinzierl reagierte und brachte Max Meyer und Alessandro Schöpf für Benjamin Stambouli und den erschöpften Coke (70.). Und die Partie nahm neue Fahrt auf. Dembélé traf zunächst mit einem feinen Schuss nur den Pfosten (74.), ehe die Arena in ihren Grundfest erschüttert wurde: In der 77. Minute legte Goretzka den Ball im Dortmunder Strafraum mit der Sohle auf Kehrer zurück, der aus elf Metern zum 1:1 einschoss. In diesem Moment durfte man froh sein, dass das Dach der Arena weit geöffnet war, so viel Energie entlud sich von den Schalker Rängen.

In der 85. Minute zog Weinzierl zum frenetischen Jubel der Nordkurve seinen letzten Joker: Klaas-Jan Huntelaar kam für Burgstaller. Doch der „Hunter“ konnte das Spiel auch nicht mehr drehen, was von der Dramaturgie aus Schalker Sicht schade, vom Spielverlauf aber letztlich gerecht war. Dabei hätte Königsblau durchaus noch siegen können: Referee Felix Zwayer ahndete ein klares Handspiel von Marc Bartra (90.+3) nicht, der Elfmeterpfiff blieb aus. "Wir hatten Glück, dass der Schiedsrichter das Handspiel nicht pfeift, was er auch nicht muss, aber durchaus kann", räumte Tuchel ein.

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