Gast-Kommentar des Ex-Schalkers

Kuranyi: "Die Situation ist wie 2007 – und trotzdem nicht zu vergleichen"

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Kevin Kuranyi spielte von 2005 bis 2010 für Schalke 04.

Das Revierderby 2007 zählt für Kevin Kuranyi nicht gerade zu den Lieblingsthemen. Die Situation vor dem Hit beim BVB erinnert an 2007, ist für den Ex-Schalker dennoch nicht vergleichbar. Gast-Kommentar.

Eigentlich zählt das Derby 2007 nicht zwingend zu meinen bevorzugten Gesprächsthemen, das gebe ich ganz offen zu. Es war der vorletzte Spieltag der Saison, vor der Partie waren wir Tabellenführer und auf Meisterkurs. Nach den 90 Minuten und einem bitteren 0:2 waren wir nur noch Zweiter – und blieben es bis zum Ende der Saison. Den Titel holte der VfB Stuttgart.

Noch bis heute fragen mich immer wieder Schalker Fans, wie das damals passieren konnte. Eine endgültige Antwort kann ich darauf gar nicht geben.

Aber ich glaube, dass wir dem Druck nicht gewachsen waren. Uns hat ein wenig diese Selbstverständlichkeit gefehlt, mit der große Teams von Erfolg zu Erfolg eilen. Die Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchte haben schwer auf uns gelastet. Wahrscheinlich zu schwer. Wir haben im Vorfeld zu viel darüber nachgedacht, was wir in diesem Spiel verlieren können. Nicht, was wir gewinnen können. Das hat uns gelähmt.

Wirklich schade. Wir hätten den Fans so gerne diese verdammte Schale geschenkt.

In dieser Spielzeit ist es genau andersrum – und trotzdem nicht zu vergleichen. Damals hatte der BVB zuvor drei Spiele in Folge gewonnen, stand im tabellarischen Niemandsland und hatte nichts mehr zu verlieren. Schalke hat zurzeit leider eine ganze Menge zu verlieren.

BVB - Schalke hier im Live-Ticker

Trotzdem traue ich der Mannschaft im Gegensatz zu vielen Experten eine Überraschung zu. Weil ich weiß, dass so ein Derby ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Völlig unabhängig von der aktuellen Form oder der Tabellensituation. Das alles muss in solchen besonderen Partien keine Rolle spielen.

In diesen 90 Minuten kann Schalke nicht nur einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib machen, sondern die Fans zumindest ein bisschen für die vielen Rückschläge in dieser Saison versöhnen. Das wissen die Spieler. Und entsprechend werden sie hoffentlich auch auftreten.

Ich drücke ihnen jedenfalls die Daumen.

Kevin Kuranyi (37) stand von 2005 bis 2010 162 Mal für Schalke 04 auf dem Platz (71 Treffer), ehe er für fünf Jahre zu Dynamo Moskau wechselte. Seine Profi-Karriere startete er beim VfB Stuttgart (2001 bis 2005) und beendete sie nach der Saison 2015/16 bei 1899 Hoffenheim. Für das DFB-Team war er 52 Mal im Einsatz (19 Tore). Heute hat er eine Berater-Agentur.

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