BVB empfängt Schalke

Reus, Stevens und mehr: Fünf Thesen zum Revierderby

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Das Hinspiel auf Schalke endete mit einem 2:1 für den BVB: Kapitän Marco Reus (rechts) setzte sich gegen Salif Sane durch.

Selten waren die Vorzeichen so eindeutig, wenn Borussia Dortmund den FC Schalke 04 empfängt. Wie viel hat das zu sagen? Wir stellen fünf Thesen zum Revierderby auf.

Tabellenzweiter gegen Tabellen-15., 42 Punkte Unterschied. Ein gestärktes Selbstvertrauen durch einen 4:0-Auswärtserfolg in Freiburg auf der einen, eine Dauer-Krise mit nur fünf Zählern aus den vergangenen zehn Bundesliga-Begegnungen auf der anderen Seite.

Lange schienen die Vorzeichen nicht mehr so eindeutig wie vor dem Revierderby am Samstag (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker), wenn Titel-Anwärter Borussia Dortmund auf Abstiegskandidat FC Schalke 04 trifft. Die Beteiligten werden aber nicht müde zu erwähnen, dass gerade diese Partie ihre eigenen Regeln hat – und Tabellenstände und Formkurven wenig zu bedeuten haben.

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Ist das Derby also eine klare Angelegenheit? Oder haben die Königsblauen doch eine Chance auf eine Überraschung? Auf wen kommt es besonders an beim BVB? Wie wichtig sind die Resultate der Vorwochen? Und wer kann Schalke zu einem nicht erwarteten Auswärtscoup führen? Wir stellen fünf Thesen zum Ruhrgebiets-Klassiker auf.

These: "Auch ein Sieg kann Schalkes Saison nicht retten"

Immer wieder sprechen sie auf Schalke von dem besonderen Kribbeln vor dem Revierderby. Darüber, wie speziell dieses Duell mit dem BVB ist. Und in dem Fall gehen sie so weit, dass sie mit einem Sieg in Dortmund sogar die Saison (halbwegs) retten könnten.

Aber mit Verlaub: Bei den Königsblauen ist in dieser Saison herzlich wenig zu retten. Es regieren Chaos und Charakterlosigkeit. Denn selbst, wenn Schalke tatsächlich beim ungeliebten Rivalen punkte sollte, täuscht es nicht darüber hinweg, dass die Borussia im Sommer nach ihrer enttäuschenden Vorjahres-Runde weitgehend richtige Entscheidungen getroffen hat – und die Knappen um Ex-Manager Christian Heidel, der sich bereits aus dem Staub gemacht hat, eben nicht. Diese Tatsache dürfte die Anhänger der Knappen viel mehr schmerzen, zumal sich die Verhältnisse im Ruhrpott wieder so krass zugunsten des BVB verschoben haben.

Daher rettet ein Sieg keineswegs Schalkes Saison. Sie könnte allenfalls insofern für etwas Balsam für die Leid erprobte Seele sorgen, wenn die Knappen schaffen, dem BVB die Chance auf den Titel zu nehmen. Was immerhin ein klitzekleiner kleiner Trost wäre.

Marcel Guboff

These: "Marco Reus macht sich unsterblich"

Man mag es kaum glauben, aber: Marco Reus hat mit Borussia Dortmund noch nie eine Meisterschaft gefeiert. Die Chance war schon lange nicht mehr so groß wie in diesem Jahr. Am Samstag also ausgerechnet über den Erzrivalen aus – echte Dortmunder würden es so nennen – der verbotenen Stadt stolpern? Für den BVB-Kapitän, der jetzt schon Legendenstatus besitzt, keine Option.

Hier also ein möglicher Spielablauf: Der FC Schalke geht kurz vor der Halbzeit durch einen von Daniel Caligiuri verwandelten und strittigen Handelfmeter (BVB-Coach Lucien Favre wird wüten) in Führung. Nach dem Seitenwechsel gleicht Jadon Sancho nach einem irren Solo aus und wenig später legt Reus nach. Spiel gedreht, Dortmund führt – kassiert dann aber den Ausgleich durch einen Treffer von Guido Burgstaller.

Und dann? Dann macht sich Reus unsterblich: In der 04. Minute der Nachspielzeit lässt er zwei Schalker aussteigen, gönnt sich den Doppelpass mit Raphael Guerreiro und schiebt aus 09 Metern ein. Dortmund gewinnt mit 3:2 das Derby dank Doppelpack-Reus. Und Bayern patzt am folgenden Tag in Nürnberg, bei den Schalker Freunden aus dem Frankenland.

Marvin K. Hoffmann

These: "Alle Vorteile auf Seiten der Borussia"

Es wird wieder viel geredet und gefrotzelt. Tagsüber an den Arbeitsplätzen, abends beim Pils vor den Kneipentheken. Das allgegenwärtige Thema ist in dieser Woche das Revierderby. Noch nie herrschte vor dem ewig jungen Ruhrpott-Schlager rein sportlich gesehen eine solche Distanz zwischen den beiden Rivalen. Eine nicht ungefährliche Situation für die Dortmunder Borussia. Die Schalker 2:5-Heimpleite gegen die TSG Hoffenheim und der 4:0-Erfolg des BVB beim SC Freiburg sorgen dafür, dass eigentlich nur über die Höhe des Sieges der Schwarz-Gelben diskutiert wird.

Dennoch müssten alle Vorteile auf Seiten der Borussia liegen. Existenzangst kann eine Mannschaft verunsichern oder lähmen, wie in den vergangenen Wochen bei den Schalkern deutlich zu sehen war. Die Gier nach der Meisterschale sollte ein Team in erster Linie beflügeln. Der BVB hat mit der vorzeitigen Qualifikation für die Champions League das gesteckte Saisonziel bereits erreicht, jetzt kann die ohnehin erfolgreiche Saison noch gekrönt werden. Erst mit dem zweiten Derby-Sieg, danach vielleicht mit der Schale. Gewiss ist aber nur eins: Nach dem Derby wird wieder gefrotzelt – ganz gleich, wie es endet.

Peter Schwennecker

These: "Was zählt, ist das Derby"

Tabellenstand? Chancen auf die Meisterschaft? Angst vor dem Abstieg? Sagenhafte 42 Punkte Unterschied zwischen den beiden Teams? Das interessiert am Samstag einfach niemanden. Zumindest mich nicht. Was zählt, ist das Derby. Ist das Aufeinandertreffen der beiden Ruhrpott-Giganten. Ist die Rivalität, die nicht nur während dieser 90 Minuten auf dem Rasen zu spüren sein wird. Ist am Ende das Glücksgefühl, den unbeliebten, teilweise gar verhassten Nachbarn besiegt zu haben.

Das ist auch gut so. Und zwar nicht nur an diesem Tag. Sondern immer und überall. Egal, ob in Argentinien, Brasilien, England oder eben in Deutschland: Die Derbys elektrisieren wie kaum ein anderes Fußballspiel die Massen, sie haben Tradition und einen hohen symbolischen Wert, der über das reine Duell auf dem Feld hinausgeht.

Sie sorgen aber nicht nur bei den Fans der beiden Mannschaften für Schnappatmung, auch alle anderen Fußball-Anhänger lieben diese besonderen Duelle, wenn es mit ungemein viel Getöse und mit deutlich mehr Leidenschaft als sonst zur Sache geht, wenn die Brisanz einfach überall zu spüren ist. So wie es am Samstag wieder sein wird.

Patrick Droste

These: "Stevens passt nicht mehr in die Zeit"

Rudi Assauer hat mal gesagt: „Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich.“ Huub Stevens hat bewiesen: Er kann Schalke. Und das ist keine Selbstverständlichkeit, wie die vergangenen Monate gezeigt haben.

Der blau-weiße Jahrhunderttrainer hat den Uefa-Cup gewonnen, die Meisterschaft nur um Sekunden verpasst, zweimal den DFB-Pokal geholt und sein Team mehrmals in die Champions League geführt. Die zweite Amtszeit des knurrigen Niederländers endete 2012 aber schon mit einem Rauswurf.

Zwar rettete Stevens später zweimal den VfB Stuttgart, glücklich wurde er aber bei keiner seiner Trainerstationen mehr. Als Coach der TSG 1899 Hoffenheim holte er mickrige acht Zähler in zehn Partien.

Auf eine ähnliche Bilanz läuft sein aktuelles S04-Engagement hinaus. Vier Punkte aus fünf Spielen, das Aus im DFB-Pokal. Das hätte die Mannschaft auch mit Domenico Tedesco geschafft.

Es gibt keine Verbesserung im Schalker Spiel. Was zeigt: Ein Schleifer-Typ wie Stevens hat im heutigen Hochgeschwindigkeits-Fußball mit all seinen taktischen Feinheiten keine Chance mehr – was im Vergleich mit BVB-Coach Lucien Favre am Samstag klar zu sehen sein wird.

Benedikt Ophaus

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