Schalkes Niederlage

Di Matteos Defensiv-System scheitert kolossal

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DORTMUND - Die Lust zum Reinfeiern in seinen 27. Geburtstag am Sonntag war Benedikt Höwedes vergangen. Daran ließ seine finstere Miene keinen Zweifel, als er frisch geduscht aus der Mannschaftskabine trat. Die äußerlichen Spuren des Revierderbys hatte der Schalker Kapitän leicht mit ein bisschen Seife abwaschen können, doch die Spuren, die dieses 0:3 in seinem Seelenleben hinterlassen hatte, waren nicht so einfach zu beseitigen.

Von Jens Greinke

„Das wird kein schöner Geburtstag“, sagte der Weltmeister, und man war als Zuhörer fast schon froh, nicht zur Party eingeladen zu sein. „Wir sind alle genervt und gefrustet, dass wir hier so untergegangen sind“, sagte Höwedes.

Das waren sehr deutliche Worte des ansonsten eher bedächtigen Höwedes. Worte, die zeigten, wie tief der schwarz-gelbe Stachel saß. Horst Heldt wurde noch deutlicher, als er meinte: „Heute ist alles schief gegangen. Das war fast ein Komplett-Ausfall.“ Schalkes Manager hätte auch sagen können: ein Totalschaden.

Christian Fuchs

"Wir dürfen uns jetzt nicht runterziehen lassen und müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren."

Das System vom Trainer war an diesem Samstag erstmals kolossal gescheitert. Roberto Di Matteos unattraktive, aber bislang zumindest einigermaßen erfolgreiche Defensiv-Taktik war im Signal-Iduna-Park nicht aufgegangen. „Es war ein Wunder, dass wir mit einem 0:0 in die Halbzeit gegangen sind“, sagte Heldt angesichts der Dortmunder Chancenflut im ersten Durchgang. Über ein halbes Dutzend Riesenmöglichkeiten hatten die Gastgeber vergeben. Entweder, weil sie am jungen Schalker Keeper Timon Wellenreuther, an der Latte oder an den eigenen Nerven gescheitert waren.

So hatte es lange gedauert, bis Pierre-Emerick Aubameyang den Schalkern mit seinem Treffer in der 77. Minute endgültig den Stecker zog. Nach seinem Außenrist-Schuss an Timon Wellenreuther vorbei schnappte sich der Comic-Liebhaber aus Gabun die hinter dem Tor deponierte Superhelden-Maskerade: Aubameyang selbst zog sich ein Batman-Cape über.

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Und Marco Reus erhielt eine Robin-Maske, musste aber immerhin keine grünen Strumpfhosen anziehen. Und die Schalker mussten in den Folgeminuten konstatieren, dass sie keinen Joker in ihren Reihen geschweige denn auf der Bank hatten. Und kassierten fast schon zwangsläufig zwei weitere Gegentreffer, von denen insbesondere der dritte bitter war: als Timon Wellenreuther auf die geradezu wahnwitzige Idee kam, Marco Reus ausdribbeln zu wollen, anstatt den Ball auf die Tribüne zu dreschen.

Frappierende Chancenlosigkeit

Am Ende stellte sich bei den Blauweißen die Systemfrage. „Wir müssen überlegen, ob wir nicht grundsätzlich etwas ändern müssen“, sagte Di Matteo angesichts der frappierenden Chancenlosigkeit seiner Mannschaft. Die Stürmer Klaas-Jan Huntelaar und Eric Maxim Choupo-Moting hatten ohne jegliche Bindung in der Luft gehangen. Und im Mittelfeld hatte Kevin-Prince Boateng zum wiederholten Male verdeutlicht, dass er nicht der Anführer ist, der er glaubt zu sein. Im Gegensatz zu Aubameyang fiel bei ihm die Maske.

Nach dem Schlusspfiff schlappten die Schalker Spieler mit hängenden Schultern zu ihren Fans, die für sie nicht viel übrig hatten außer Pfiffe und Schmähungen. „Es war ein schlimmer Auftritt, für den man sich nur entschuldigen kann“, so Heldt.

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