Rassismus-Aussagen des Schalker Bosses

Fall Tönnies: Boateng hätte sich ein anderes Zeichen gewünscht hätte si

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Ex-Schalker Kevin-Prince Boateng.

Die rassistischen Aussagen von Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies schlagen hohe Wellen. Nun hat sich auch Ex-Knappe Kevin-Prince Boateng geäußert.

Update 11. September, 8.33 Uhr: Der ehemalige Schalke-Profi Kevin-Prince Boateng hat Aufsichtsratschef Clemens Tönnies kritisiert. Wegen seiner Äußerungen zu Afrika verdiene Tönnies "ganz klar die Rote Karte", sagte Boateng der Sport Bild. "Ich weiß nicht, wie solche Sachen rausrutschen sollen", kritisierte der inzwischen in Florenz spielende Profi und sagte zu der dreimonatigen Pause des Aufsichtsratschefs: "Da hätte man ein anderes Zeichen setzen müssen. Die Möglichkeit war da, allen zu zeigen, dass so etwas nicht akzeptiert wird."

Boateng hatte zwei Jahre für den Fußball-Bundesligisten gespielt. Tönnies hatte in einer Rede beim "Tag des Handwerks" in Paderborn gesagt, man solle jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Der daraufhin vielfach kritisierte Tönnies lässt sein Amt nach einer Entscheidung des Schalker Ehrenrates drei Monate ruhen.

Update 8. August, 18.15 Uhr: Der frühere Fernsehkommissar und Ex-Bundestagsabgeordnete Charles M. Huber tritt nach der Diskussion über die Aussagen von Clemens Tönnies aus der CDU aus. Das kündigte der früher als Kommissar Henry Johnson in der ZDF-Krimiserie "Der Alte" ermittelnde 62-Jährige via Facebook an. 

Als Grund nennt er Äußerungen des Afrika-Beauftragten der Kanzlerin, Günter Nooke (CDU), die seiner Auffassung nach eine rassistisch motivierte Kommunikation von Tönnies relativieren. Huber saß für den Wahlkreis Darmstadt von 2013 bis 2017 für die CDU im Bundestag und setzte sich besonders für die Belange Afrikas ein. Er ist Sohn eines senegalesischen Diplomaten und einer Deutschen. 

16.10 Uhr: Für Ex-Profi Hans Sarpei sind die drei Monate Auszeit von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies beim FC Schalke 04 keine ausreichende Maßnahme nach dessen als rassistisch empfundenen Afrika-Aussagen.

"Der Ehrenrat des FC Schalke 04 hat eine Entscheidung getroffen, die aufgrund der Satzung im Ermessensspielraum liegt, in der Argumentation jedoch nicht überzeugen kann", sagte der ehemalige ghanaische Nationalspieler Sarpei, der von 2010 für 2012 für Schalke spielte und heute dort noch Mitglied ist, der Deutschen Presse-Agentur.

"Von Verein und Herrn Tönnies erwarte ich, dass den Worten Taten folgen und man sich klar und deutlich von jeglicher Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit distanziert", sagte Sarpei: "Dazu gehört auch, dass sich Herr Tönnies noch einmal klar und deutlich gegenüber den Afrikanern in Deutschland und in Afrika öffentlich entschuldigt."

Fleischfabrikant Tönnies hatte sich bei einem öffentlichen Auftritt gegen Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel gewandt. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Tönnies hat sich danach für seine Worte "bei den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04" entschuldigt. Im Einvernehmen mit dem Ehrenrat des Vereins will er sein Amt nun für drei Monate ruhen lassen.

Sarpei hatte Tönnies als einer der Ersten öffentlich kritisiert. Der 43-Jährige hatte über seinen Twitter-Kanal den rund 500 000 Follower erklärt, Tönnies' Aussagen zeigten "ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert. Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des S04 vereinbar sind."

Update 4. August, 11.34 Uhr: Die Aussagen von Schalke-Boss Clemens Tönnies schlagen weiter hohe Wellen. Alle aktuellen Wendungen in dem Fall finden Sie daher in unserem News-Ticker.

Gelsenkirchen - Die Äußerungen des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies über den angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika schlagen hohe Wellen. Deftige Kritik kommt unter anderem vom ehemaligen Fußball-Profi Hans Sarpei.

"Die Aussagen von Tönnies zeigen ein Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert", schrieb Sarpei auf seinen sozialen Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram: "Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des S04 vereinbar sind. Als Mitglied wünsche ich mir, dass der Ehrenrat klar Position bezieht und über Konsequenzen berät."

Sarpei führte aus: "Es ist das Weltbild eines Großwild-Jägers, der ausgestopfte Baby-Elefanten auf seinem Hof als Trophäen präsentiert, auf Arbeitszeitfirmen mit günstigen ausländischen Arbeitskräften setzt und Putin den Hof macht. Es ist das Weltbild eines Mannes, der aus der Zeit gefallen ist. Und der zunehmend eine Belastung für den FC Schalke 04 wird."

Tönnies rudert zurück

Tönnies hatte nach einem Bericht Neue Westfälische beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Seine Begründung: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren."

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Die Aussagen von Clemens Tönnies zeigen ein Weltbild, dass an die Kolonialzeit erinnert. Es sind rassistische Bemerkungen, die in keinster Weise mit dem Leitbild des FC Schalke 04 oder unserer modernen offenen Gesellschaft vereinbar sind. Als Mitglied und Ex-Spieler wünsche ich mir, dass der Ehrenrat hier ganz klar Position bezieht und über Konsequenzen berät. Es ist das Weltbild eines Großwild-Jägers, der ausgestopfte Baby-Elefanten auf seinem Hof als Trophäen präsentiert, auf Arbeitszeitfirmen mit günstigen ausländischen Arbeitskräften setzt und Putin den Hof macht. Es ist das Weltbild eines Mannes, der aus der Zeit gefallen ist. Und der zunehmend eine Belastung für den FC Schalke 04 wird. Das diese Aussagen auf dem Tag des deutschen Handwerks unter der Überschrift "Unternehmer mit Verantwortung" getätigt wurden, verschlimmert die Aussagen noch einmal. Als Deutscher afrikanischer Herkunft widert mich diese Art von Verantwortung zutiefst an.

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Tags darauf hatte sich 63-Jährige öffentlich entschuldigt. "Als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1000-prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung", ließ sich Tönnies auf der Schalker Homepage zitieren. Für seine Aussage wolle er sich entschuldigen. "Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid.

Der frühere ghanaische Nationalspieler Sarpei hatte nach Stationen unter anderem in Duisburg, Wolfsburg und Leverkusen von 2010 bis 2012 für den FC Schalke 04 in der Bundesliga gespielt.

dpa/mg

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