Marcelo Bordon gibt unter Tränen sein Abschiedsspiel

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Marcelo Bordon genoss seine letzte Ehrenrunde. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Es begann mit einer Sünde. In Limousinen mit Dortmunder Kennzeichen fuhren die Spieler, die sich der langjährige Schalker Abwehrchef Marcelo Bordon zu seinem Abschiedsspiel eingeladen hatte, vor der Schalker Arena vor.

Dies aber blieb so ziemlich der einzige Schönheitsfehler beim 4:4 (2:1) beim letzten Auftritt des 35-jährigen Brasilianers am Samstag Abend, bei dem „Marcelo & Friends“ auf die „Marcelo All Stars“ trafen.

Bordon spielte je eine Halbzeit für jedes Team, begann allerdings bei den „All Stars“, die der Protagonist mit ehemaligen Mitspielern aus seiner Schalker und Stuttgarter Zeit gespickt hatte. Besonders umjubelt wurden von den 40 000 Zuschauern die ehemaligen Publikumslieblinge der „Königsblauen“, Ebbe Sand und Gerald Asamoah. Auf Seiten von „Marcelo & Friends“ gaben sich vor allem ehemalige oder aktuelle brasilianische Profis die Klinke in die Hand. So erwiesen etwa Paulo Sergio (Champions- League-Sieger 2001 mit dem FC Bayern), Juliano Beletti (Titelträger 2006 mit dem FC Barcelona) und sogar Leonardo Dede, der 13 Jahre für Schalkes Erzrivalen Borussia Dortmund die Schuhe schnürte, Bordon die Ehre.

Der Haupdarsteller zeigte während des Spiels, dass er auf seine alten Tage noch einmal richtig glänzen wollte. Überall auf dem Rasen war der gelernte Innenverteidiger zu finden. Doch erfolgreich waren zunächst die Kollegen. Unter den Torschützen waren zum Beispiel der frühere „Kugelblitz“ Ailton oder Ebbe Sand. In der zweiten Hälfte kam Bordon zum Zug, auch wenn er mit einem Foulelfmeter noch an Torhüter Mathias Schober scheiterte. „Das war mit Schobi abgesprochen. Einfache Tore klappen eben nicht“, scherzte Bordon später. Schließlich kam er standesgemäß aber doch noch zu zwei Treffern, durch die er seiner brasilianischen Auswahl das 4:4-Unentschieden rettete.

Nach 80 Minuten war der große Moment gekommen. Bordons Ehefrau und die drei Kinder betraten das Feld, Tochter Julia ergriff das Stadionmikrofon und rief: „Papa, jetzt ist Schluss!“ Da war es um den kantigen Verteidiger geschehen – die Tränen flossen. „Er ist eng am Wasser gebaut“, hatte Ex-Keeper und Weggefährte Oliver Reck nicht zu Unrecht bemerkt. Bordon dankte seiner Frau, „meiner deutschen Familie“ Schalke 04 und auch dem aktuellen S04-Coach Ralf Rangnick, der den Brasilianer als Trainer des VfB Stuttgart einst nach Deutschland gelotst hatte. Rangnick erinnerte sich vor allem an Bordons Bundesliga-Anfänge: „Die ersten Monate waren schon schwierig. Marcelo konnte sich bis auf ein paar Brocken Englisch kaum verständigen.“ Nun schloss sich der Kreis nach 297 Bundesliga-Partien, davon 168 für die Gelsenkirchener.

Das gilt freilich nicht für den aktuellen Schalker Kader, der Dienstag ins Trainingslager nach Stegersbach aufbricht. Zuvor strömten gestern 100 000 Fans zur Saisoneröffnung, bei der sich die Mannschaft auf einer Showbühne präsentierte. Unter dem Motto „Schalke zum Anfassen“ gaben sich Superstar Raúl und Co. volksnah. „Wir werden unser Bestes geben, damit ihr Spaß habt“, begrüßte S04-Manager Horst Heldt die Massen. Trainer Ralf Rangnick wollte sich noch nicht zu Saisonzielen äußern. „Darüber kann man erst sprechen, wenn der Kader komplett ist“, erklärte er.

Christian Müller

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