Schalkes Manager im Interview

Heidel exklusiv: Saison auch Europapokal stemmbar

Fordert Leidenschaft und Entschlossenheit im Derby: Schalkes Sportvorstand Manager Christian Heidel.
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Fordert Leidenschaft und Entschlossenheit im Derby: Schalkes Sportvorstand Manager Christian Heidel.

Gelsenkirchen - Schalkes Sportvorstand Christian Heidel spricht im Interview über sein erstes Heim-Derby gegen den BVB und welche Pläne er noch mit Königsblau umsetzen will.

Für Christian Heidel ist es das erste Heim-Revierderby als neuer Sportvorstand des FC Schalke 04. Wie der 53-Jährige die Chancen seiner Mannschaft im Duell mit Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) sieht und welche Pläne er auf Schalke noch umsetzen will, verriet er in einem Gespräch mit Jens Greinke.

Wie viel Kribbeln spüren Sie vor Ihrem ersten Derby in der Arena?

Christian Heidel: Ich freue mich drauf. Es ist ein besonderes Spiel, das spürt man im Klub, das spürt man, wenn man Menschen auf der Straße trifft, im Restaurant oder an der Tankstelle. Das ist für den ganzen Ruhrpott ein besonderes Spiel. Es war in Dortmund schon ein Erlebnis, und ich freue mich jetzt auf das Erlebnis hier in der eigenen Arena.

Was darf der BVB erwarten, wenn er am Samstag in die Arena kommen?

Heidel: Wir müssen an dieses Spiel ähnlich heran gehen wie in Dortmund, als uns nicht viele aufgrund der damaligen sportlichen Situation etwas zugetraut haben. Wenn die Mannschaft mit der gleichen Bereitschaft und Leidenschaft, aber auch mit Entschlossenheit in dieses Spiel geht, dann wird es, denke ich, schwer für Borussia Dortmund. Dass uns der BVB momentan fußballerisch überlegen ist, sieht man an der Tabelle. Aber wir haben einiges entgegen zu halten. Und: Wir befinden uns momentan in einer guten Phase, haben die vergangenen beiden Bundesliga-Spiele gewonnen und sind in der Europa League im Viertelfinale. Das gibt der Mannschaft Selbstvertrauen.

Wie gut hat die Länderspielpause getan?

Heidel: Die war für alle sehr wichtig. Diese Anzahl der englischen Wochen, diese Dauerbelastung, das zehrt nicht nur an der Energie der Spieler – das ist auch mental nicht ganz so einfach. Insbesondere, wenn man wie wir seit September gefühlt nur Endspiele hatte.

Ist dieser Spielkalender überhaupt noch tragbar, zumal die Gefahr besteht, dass er noch weiter ausgebaut wird?

Heidel: Ich glaube schon, dass es hart an der Grenze ist. Viel mehr passt da nicht mehr rein. Zumal: Viele der Spieler hatten diese zwei Wochen Pause ja gar nicht, die waren mit ihren Nationalmannschaften wer weiß wo unterwegs. Ich denke, dass man da achtgeben muss. Meiner Meinung nach darf der Spielplan nicht noch einmal aufgestockt werden.

Diese Spieler wechselten zwischen Königsblau und Schwarz-Gelb

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Vor dem Derby im Hinspiel hat Christoph Metzelder, der in beiden Teams gespielt hat, große Differenzen in der Mentalität der Klubs ausgemacht. Hier die meist optimistischen Dortmunder, da die latent pessimistischen Schalker. Stimmt diese These?

Heidel: Ich kann es für Dortmund nicht beurteilen, aber ich kann es mittlerweile für Schalke ein bisschen bewerten. Mit ist etwas aufgefallen, da es der Mainzer Mentalität sehr nah kommt. Da herrscht auch oft die Meinung: Jetzt bricht gleich die ganze Welt zusammen. Die Frage „Was ist, wenn wir das Spiel verlieren?“, wird hier sehr oft gestellt. Und nicht die Frage: „Was ist, wenn wir gewinnen?“ Ob das etwas mit Schalke oder den Menschen hier zu tun hat, kann ich aber noch nicht sagen. Dafür ist die Zeit noch zu kurz.

Wie kann man es ändern?

Heidel: Ich denke, das ist nicht so einfach. Dafür brauchen wir prägende Erfolgserlebnisse, wie zuletzt in Gladbach, als wir zur Pause 0:2 hinten lagen und niemand mehr mit uns gerechnet hat. Aber nachher durften wir sagen: Siehst du, es hat geklappt! Nach dem Hinspiel (1:1/Anm. der Redaktion) hat ein sicher auch ein größerer Teil unserer Fans befürchtet, dass wir ausscheiden. Das zu ändern liegt aber ganz allein an uns: durch besondere, positive Erlebnisse.

In dieser Saison sind zwei Szenarien möglich: Entweder Sie qualifizieren sich noch für den internationalen Wettbewerb oder aber Sie qualifizieren sich nicht. Als Sportvorstand dürften Sie beide Möglichkeiten bereits durchgespielt haben. Was sind die weitreichendsten Konsequenzen in den beiden Fällen?

Heidel: Wenn wir den internationalen Wettbewerb nicht erreichen, haben wir wesentlich weniger Spiele und natürlich weniger Einnahmen. Aber: Aus wirtschaftlicher Sicht sind wir auf beide Szenarien eingestellt. Die Wirtschaftsplanungen hierfür sind abgeschlossen. Beide Szenarien sind für Schalke 04 stemmbar. Und wir werden in beiden Fällen die Möglichkeit haben, eine gute Mannschaft auf die Beine zu stellen.

Leon Goretzka wird nicht nur neuen DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch in den höchsten Tönen gelobt, sondern ist auf für viele Experten Schalkes aktuell wichtigster Spieler. Wie wichtig wäre es, ihn zu halten?

Heidel: Extrem wichtig. Das weiß Leon auch. Er hat in dieser Saison den entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Leon ist eine zentrale Figur in unserem Spiel. Deshalb wollen wir unbedingt, dass er bleibt. Großes Lob an Markus Weinzierl, wie er einige Spieler in dieser Saison extrem weiter entwickelt hat. Dabei denke ich nicht nur an Leon, sondern auch an Spieler wie Sead Kolasinac oder Alessandro Schöpf, um nur ein paar zu nennen.

WA-Redakteur Jens Greinke (l.) traf Schalkes Manager Christian Heidel zum Interview.
Markus Weinzierl hat in einem Interview in dieser Woche gesagt: „Es kann nicht auf Dauer so sein, dass uns der Ausfall eines Spielers zwingt, von unserer Philosophie abzuweichen. Jetzt gilt es, den Kader zu stärken und solche besonderen Spieler wie Bayern-Stürmer Robert Lewandowski, Kölns Anthony Modeste oder den Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang zu finden.“ Gehen Sie da mit ihm d‘accord? Und: Haben Sie das als leichte Kritik an der Kaderzusammenstellung empfunden?

Heidel (lacht): Ach, Quatsch! Für die Kader-Zusammenstellung sind hier zwei Personen verantwortlich. Es wird kein Spieler geholt, bei dem Markus seine Zustimmung nicht gibt. Aber: Ich kann seinen Wunsch natürlich nachvollziehen. Die Lewandowskis und Aubameyangs dieser Welt wollen wir natürlich auch entdecken. Aber da konkurrieren wir mit einem großen Kreis von Klubs, nicht nur in Deutschland, sondern international. Zumal: Der Markt hat sich seitdem noch einmal gravierend verändert. Lewandowski hat damals – glaube ich – 4,5 Millionen Euro gekostet, als er nach Dortmund ging. Heute würde man für einen solchen Spieler bereits jetzt 25 Millionen bezahlen. Ich habe übrigens letztens eine sehr interessante Tabelle gesehen, die nur eine Spielerei ist, die Bedeutung dieser Spieler ein bisschen verdeutlicht: Man hat bei jeder Bundesliga-Mannschaft die Treffer des besten Torjägers herausgenommen.

Mit welchem Ergebnis?

Heidel (lacht): Schalke war Zweiter. Und Köln auf dem 16. Platz.

In der vergangenen Dekade kamen fast jährlich Riesen-Talente aus der Knappenschmiede, die schnell in der ersten Mannschaft für Schlagzeilen sorgten und bei ihren Transfers Millionen in die Kasse gespült haben. Wie gut ist dieses Reservoir noch gefüllt?

Heidel: Die U16, U17 und U19 standen in der vergangenen Woche noch auf dem ersten Tabellenplatz in ihren jeweiligen Ligen. Das zeigt, dass Qualität da ist. Schalke 04 und seine Knappenschmiede haben eine riesengroße Strahlkraft. Worum es uns jetzt geht: eine noch viel bessere Basis zu schaffen. Hier wird top gearbeitet, jedoch unter verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen. Letzteres werden wir ändern, um noch bessere Ergebnisse erzielen zu können. Die Knappenschmiede bekommt eine Heimat mit allem, was für ein modernes Nachwuchsleistungszentrum wichtig ist.

Trotzdem war die Knappenschmiede bislang sehr erfolgreich...

Heidel: Ganz ohne Zweifel. Aber die anderen haben aufgeholt. Wir haben super Trainer, das ist alles in Ordnung. Aber wir müssen die Infrastruktur verändern. Da haben wir noch Nachholbedarf. Die Pläne sind jetzt fertig, wir gehen jetzt in die Realisierung. Schalke 04 und das Berger Feld werden sich verändern.

Borussia Dortmund - FC Schalke 04 0:0

Borussia Dortmund - FC Schalke 04
Borussia Dortmund - FC Schalke 04
Borussia Dortmund - FC Schalke 04
Borussia Dortmund - FC Schalke 04
Borussia Dortmund - FC Schalke 04 0:0
Haben Sie schon zwei, drei Spieler im Auge, bei denen man hoffen kann, dass sie eine ähnliche Karriere wie ein Manuel Neuer oder ein Leroy Sané machen werden?

Heidel: Ja. Aber ich werde jetzt keinem jungen Spieler einen Rucksack aufzwängen und sagen: Der kann was werden.

Was ist Ihre Vision mit Schalke?

Heidel: Vision ist ein zu großer Begriff. Wir wollen nachhaltig erfolgreich sein. Natürlich ist da derzeit eine Diskrepanz zu beobachten, natürlich sind wir mit Platz neun noch nicht zufrieden. Aber wir machen momentan so viele Dinge, mit denen wir die Basis für die Zukunft legen. Unsere Spieler sind mit der neuen medizinischen Abteilung sehr zufrieden. Wir haben die Scouting-Abteilung ausgebaut und komplett neu strukturiert. Alle Ligen in Europa und einige andere mehr haben wir jetzt im wöchentlichen Fokus. Aber es dauert eben ein paar Monate, ehe man die Früchte ernten kann. Die Leute merken dennoch, hier passiert gerade sehr viel.

Das kann als Kritik an ihren Vorgängern aufgefasst werden...

Heidel: … und diese Auffassung wäre falsch. Horst Heldt hatte einen anderen Auftrag, und den hat er immer erfüllt. In meinen Gesprächen mit dem Aufsichtsrat ging es um einen anderen Ansatz: Schalke 04 für die Zukunft neu aufzustellen, denn der Fußball hat sich sehr verändert. Ich habe mich immer als Entwickler gesehen, der über den 34. Spieltag der laufenden Saison hinausschaut. Der Verein hat seine Philosophie geändert. In der Vergangenheit ging es immer nur um die aktuelle laufende sportliche Situation und deswegen konnte Heldt gar nicht einen größeren Schwerpunkt auf die Infrastruktur legen. Somit wäre ein Vorwurf diesbezüglich an ihn nicht korrekt.

Letzte Frage: Mit welchen Ergebnis endet das 150. Revierderby?

Heidel: Ich wünsche mir das, was jeder Schalker sich wünscht: Dass wir am Samstag ein Ausrufezeichen setzen und mit viel Leidenschaft Dortmund in die Knie zwingen. Der BVB sollte schon nach drei Minuten spüren, dass es hier ganz schwierig für ihn werden wird. Ich befürchte nur, die Dortmunder haben denselben Plan (lacht).

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