Interview vor Duell M05 - S04

Mainzer Sportvorstand Schröder: Schalke wird an Bayern kratzen

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Rouven Schröder kam im Mai 2016 als Sportdirektor zu Mainz 05, ist im Juli 2017 zum Sportvorstand bestellt worden.

Rouven Schröder, Sportvorstand von Mainz 05, spricht vor dem direkten Duell über Schalke 04, die aktuelle Lage der Bundesliga und den Abstiegskampf bei den Rheinhessen.

Hamm - Mainz steht mit dem Rücken zur Wand. Die Rheinhessen stecken mitten im Abstiegskampf, wollen alles daran setzen, am Ende auch den Relegationsplatz hinter sich zu lassen.

Vor dem Heimspiel am Freitag gegen den Liga-Zweiten Schalke 04 (20.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) erklärt Sportvorstand Rouven Schröder im Gespräch mit Marcel Guboff, warum in Mainz niemand den Sand in den Kopf steckt und worin im Duell mit Schalke eine Chance liegt.

Herr Schröder, mit einigen Tagen Abstand: War das Remis gegen den HSV zu wenig?

Rouven Schröder: Mit dieser Leistung, die wir geboten haben, war einfach nicht mehr drin. Das muss man so nüchtern bilanzieren. Wir hatten mit Florian Müller an diesem Tag einen sehr guten Keeper. Wenn der Torwart der beste Mann auf dem Feld ist, ist das ja schon ein klares Zeichen. Ich denke, dass dieser Punkt aber noch wichtig sein wird. Aber wir müssen uns natürlich deutlich steigern.

Der Druck wird aber eher nicht weniger.

Schröder: Wir haben grundsätzliche Dinge in dieser Partie nicht umgesetzt. Wer schon einmal professionellen Sport betrieben hat, der weiß, dass es Tage gibt, an denen es einem leichter fällt, vorgegebene und vorgenommene Aufgaben umzusetzen. Dann gibt es welche, an denen es nicht so leicht fällt. Wir haben aber auch schon andere Druck-Situationen gemeistert, von daher mache ich mir dahingehend weniger Sorgen. Wir sind uns unserer Situation bewusst.

Ist es von Vorteil, nicht so sehr im Fokus zu stehen wie der HSV oder Köln?

Schröder: Natürlich wird überregional mehr über Hamburg und Köln berichtet als über Mainz. Wenn es hier mal unruhiger wäre, würden es vermutlich auch weniger Leute überregional registrieren. Die Standorte kann man nicht vergleichen. Das lässt sich aber auch umdrehen: Nach dem Kölner Sieg gegen Leipzig hatte man das Gefühl, dass sie kurz vor der Rettung sind. Wir konzentrieren uns auf uns und fiebern unserem nächsten Spielen entgegen.

Wie sehen Sie Fans im Allgemeinen, die der Mannschaft Angst machen und ihnen wie im Fall des HSV drohen, sie im Abstiegsfall durch die Stadt zu jagen?

Schröder: Wenn allgemein solche Plakate zu sehen sind, kann ich damit nichts anfangen. So etwas gehört nicht ins Stadion, weil es für die Spieler alles andere als fördernd ist und Gewalt im Fußball grundsätzlich nichts zu suchen hat, auch nicht angedrohte. Kritik ist vollkommen in Ordnung, aber nicht in dieser Form. Der Fokus muss auf dem Wesentlichen bleiben.

Ist es aktuell die schwierigste Phase in Ihrer Amtszeit in Mainz?

Schröder: Wenn die Sonne scheint, stehen wir alle gerne draußen. Und wenn es regnet, tun es die meisten nicht so gerne. Dafür steht man in der Verantwortung, dafür geht man voran, dafür hält man den Kopf oben. Ich bin auch kein Freund von plakativen Vergleichen und Begriffen wie der „schwierigsten Phase“. In Mainz kannst du dich nicht nur über Siege definieren und auch nicht davon ausgehen, locker um Platz sechs bis acht zu spielen. Wenn du das zweitgeringste Budget in der Bundesliga hast, weiß man, gegen welche Schwergewichte man aktuell in der unteren Tabellenregion spielt: Wir reden da über Köln, Hamburg, Bremen und Wolfsburg. Das sind Konkurrenten im Abstiegskampf, die sich zum Teil was ihr Budget angeht in ganz anderen Sphären befinden als wir. Das hat auch nichts mit Kleinermachen zu tun, das ist die Realität.

"Abstiegskampf ist wenig überraschend"

Nach dem Europa-Jahr beendete Mainz die Liga auf Rang 15, aktuell sieht es ähnlich aus. Schürt so ein Jahr Europa nicht Erwartungen?

Schröder: Die Erwartungen werden ja überall grundsätzlich immer höher. Dass mal so ein Jahr dabei ist, in dem Mainz 05 eine sehr gute Runde gespielt hat und auch alles andere gepasst hat, weil andere Teams geschwächelt haben, ist wunderbar. Trotzdem muss man seine Situation immer realistisch einschätzen. Daher ist es wenig überraschend, dass wir nun gegen den Abstieg spielen. Natürlich wünschen wir uns das anders. Trotz allem ist dieser Realismus immer wieder gefragt.

Der FC Bayern zieht ganz vorne einsam seine Kreise, hat 20 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Schalke 04. Macht Ihnen die Liga noch Spaß?

Schröder: Das ist ein aktueller Auszug einer absoluten Überlegenheit. Trotzdem ist es der Anspruch der ganzen Liga, weiter hart zu arbeiten, um den Bayern Konkurrenz zu machen. Da muss man jetzt keine Szenarien mit Playoffs oder anderen Dingen kreieren, damit es wieder spannend wird. Wir haben gute Mannschaften da oben mit Borussia Dortmund, Schalke, Leverkusen und Leipzig, dazu Herausforderer mit Mönchengladbach, Frankfurt und Hoffenheim, die gute Arbeit liefern und an den Bayern kratzen werden. Ich bin davon überzeugt, dass es bald wieder anders aussehen wird.

Sind Sie von Schalke überrascht, dass es in dieser Saison so gut läuft nach dem verkorksten Vorjahr?

Schröder: Nein, überhaupt nicht. Es passt einfach vieles zusammen. Natürlich ist die Liga im oberen Drittel auch ganz eng beisammen. Schalke hat einen sehr guten Kader, in den sie zwei Jahre lang gut investiert haben. Sie haben sehr viele gute und talentierte Spieler, eine gute Kader-Dichte, eine sehr, sehr gute Einstellung. Man sieht Woche für Woche einen absoluten Plan und eine gute Struktur in der Mannschaft. Von daher kann es ja nur der Anspruch von Schalke 04 sein, ganz oben mitzuspielen. Sie treten nach Außen sehr demütig und bodenständig auf. Das machen sie sehr geschickt, um die Erwartungen nicht zu hoch zu halten. Trotzdem haben sie den internen Anspruch, ganz oben dabei zu sein.

"Darin liegt unsere Chance gegen Schalke"

Bei all den positiven Worten kommt hinzu, dass Schalke aktuell die viertbeste Abwehr der Liga stellt. Wie kann Mainz dafür sorgen, die Punkte zu behalten?

Schröder: Aufgrund ihrer Serie und der aktuellen Tabellensituation geht jeder davon aus, dass Schalke bei uns gewinnen wird. Aber wir haben ein Heimspiel. Seitdem Christian Heidel dorthin gewechselt ist, haben sie alle drei Spiele gewonnen. Das ist natürlich noch einmal ein Anreiz für uns. Wir brauchen einen sehr, sehr guten Tag und eine sehr gute Mentalität auf dem Platz, um Schalke Paroli bieten zu können. Schalke ist klarer Favorit, aber darin liegt auch unsere Chance, in der Außenseiter-Rolle über uns hinauszuwachsen gegen die aktuelle Nummer zwei der Liga.

Rouven Schröder (l.) folgte in Mainz auf den heutigen Schalker Sportvorstand Christian Heidel.

Auf Schalke arbeitet Ihr Vorgänger Christian Heidel. Gibt es zwischendurch mal Kontakt?

Schröder: Hier und da gibt es mal eine WhatsApp-Nachricht, aber am Ende ist jeder fokussiert auf seine Aufgaben an seinem Standort.

Ihr Kollege Heidel ist dort auch schon unter Beschuss geraten, weil ihm vorgeworfen wird, nicht würdig genug mit Schalker Identifikationsfiguren umzugehen und nicht alles dafür zu tun, solche zu halten. Macht es sich der Fan da zu einfach?

Schröder: Das steht mir nicht zu, die Dinge vor Ort im Pott zu bewerten. Christian Heidel ist ein sehr guter Manager, der viele Dinge im Vorfeld erahnt und viele Dinge umsetzt. Aber ich bin zu weit weg, um das beurteilen zu können.

Kontakt ins Ruhrgebiet

Aktuell wird viel über eine mögliche Vertragsverlängerung von Max Meyer diskutiert, vorher war es Leon Goretzka. Ganz allgemein gefragt: Wie sehr muss man als Verein aufpassen, dass die Hängepartie nicht endlos wird? Wann muss er gegensteuern?

Schröder: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Da gibt es keine To-Do-Liste. Es ist ein interner Prozess: Mal gibt es Gespräche auf dem Flur, mal in der Kabine, es gibt Treffen mit dem Berater. Dazu gibt es Treffen, die man vielleicht vorher in einem Trainingslager ansetzt. Hinzu kommen gute und schlechte Perioden des Spielers, vielleicht auch mal Verletzungspausen. Für den Außenstehenden ist das schwierig nachzuvollziehen, weil viele dieser Dinge nicht öffentlich stattfinden und auch nie nach einem Schema F. Man kann es nicht an einer Liste abarbeiten und sagen: Weil man diesen Punkt nicht erledigt hat, ist nichts aus der Verlängerung geworden. Es ist jedes Mal anders, deswegen ist das Ganze auch so spannend.

Sie sind geboren in Arnsberg, haben in Bochum und Duisburg gespielt. Haben Sie noch großen Bezug zur Region?

Schröder: Das wird nie abreißen, weil ich fast meine gesamte Zeit im Ruhrgebiet verbracht habe. Von daher ist mir diese Region sehr ans Herz gewachsen, und ich habe noch viele Kontakte dorthin. Daher geht mein Blick weiter in Richtung Pott, natürlich auch auf meine ehemaligen Klubs: Der MSV hat eine überragende Serie. Vielleicht kratzen die Duisburger ja noch an die Tür zur Bundesliga, auch wenn sie jetzt in Kiel hoch verloren haben. Der VfL Bochum hat mit dem Sieg am Montag in dem Druckspiel schlechthin in Ingolstadt ein Ausrufezeichen gesetzt. Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass es für beide Klubs in der kommenden Saison gut weitergeht.

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