Causa Tönnies

Kommentar: So ist das Schalker Leitbild nichts wert

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Clemens Tönnies lässt sein Amt als Schalker Aufsichtsratsboss für drei Monate ruhen.

Schalkes Ehrenrat hat die Entscheidung von Clemens Tönnies, sein Amt als Aufsichtsratsboss ruhen zu lassen, nur abgenickt. Dabei hat die Kommission das Leitbild ignoriert. Kommentar.

Das Urteil des Schalker Ehrenrates ist gar keines. Seine Strafe, eine dreimonatige Auszeit zu nehmen, hat der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies laut Vereinsmitteilung nämlich selbst vorgeschlagen. Der Ehrenrat hat artig abgenickt. Und damit dieser hochnotpeinlichen Farce tatsächlich noch die Krone aufgesetzt.

Die Klub-Erklärung zur Causa Tönnies am späten Dienstagabend ist ein einziges Desaster. Der Ehrenrat hat den Rassismus-Vorwurf als unbegründet eingestuft. Wohl aber habe der Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück gegen das Diskriminierungsverbot, das in Vereinssatzung und Leitbild verankert ist, verstoßen.

Eine Einschätzung, die falscher nicht sein könnte. Rassismus ist schließlich eine Form von Diskriminierung. Und selbstverständlich waren die fürchterlichen Aussagen über Afrikaner rassistisch. Tönnies hat Menschen aufgrund ihrer Herkunft herabgewürdigt. Daran gibt es keinen Zweifel.

Kein konsequentes Handeln von Tönnies

Tönnies zieht sich nun also für knapp 100 Tage aus der Öffentlichkeit zurück. Ein Vorgehen, wie es im Profi-Fußball längst üblich ist. Der Fleischfabrikant will Gras über seinen Fehler wachsen lassen. Konsequentes Handeln? In diesem Geschäft ist es kaum noch anzutreffen.

So ist die Hoffnung, dass sich die DFB-Ethikkommission und anschließend das Schiedsgericht auf dem rechten Auge weniger blind zeigen, auch nur begrenzt vorhanden. Bleibt die Frage: Wie sollen ähnliche Vorfälle in den Kurven der Republik in Zukunft glaubhaft verfolgt werden? „Der Clemens hat es doch auch gesagt. War doch gar nicht so schlimm...“

Tönnies' Aussage beim Paderborner Tag des Handwerks im Mitschnitt

Den Schalker Anhängern wird eine Rückkehr des Patrons ins Amt wohl nicht erspart bleiben. Gerade für die Fans, die tatsächlich Rassismus die Rote Karte zeigen und tagtäglich gegen negative Entwicklungen in unserer Gesellschaft vorgehen, ist das ein Schlag ins Gesicht. Das antirassistische Bekenntnis im Schalker Leitbild ist mit diesen Protagonisten in Aufsichts- und Ehrenrat kaum etwas wert. Ein schlimmes Signal in einer Zeit, in der die Rechten stärker werden.

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