Kolasinac der Pechvogel beim WM-Einstand

RIO - Der Schalker Sead Kolasinac verhinderte mit seinem Eigentor den perfekten WM-Einstand von Debütant Bosnien-Herzegowina - und war danach untröstlich.

Im Rücken des feiernden Lionel Messi schlich Sead Kolasinac mit gesenktem Blick von dannen. Selbst die Schulterklopfer seiner Teamkollegen konnten den Linksverteidiger von Schalke 04 nach dem 1:2 (0:1) von Bosnien-Herzegowina gegen Argentinien, das er mit einem frühen Eigentor eingeleitet hatte, nicht trösten. Der Unglücksrabe verschwand wortlos in der Kabine und wollte diese gar nicht mehr verlassen. "He is angry", wütend sei der Spieler, berichtete ein FIFA-Angestellter und demonstrierte dies gleich exemplarisch mit einem Tritt in die Luft.

Es war zwei Stunden nach Spielschluss im Maracana, das große Reporter-Heer hatte sich längst verflüchtigt, da versteckte sich der zur Dopingkontrolle zitierte Kolasinac voller Scham auch noch vor dem letzten verbliebenen Fragesteller. Ganze 144 Sekunden genoss der gebürtige Karlsruher die WM-Premiere der Bosnier, dann prallte ihm der Ball unglücklich ans linke Bein und von dort zum schnellsten Eigentor der WM-Geschichte über die Linie. Es folgten für den 20-Jährigen 87 quälende Minuten bis zum Schlusspfiff. Das Missgeschick vor 74.738 Zuschauern war trotz des Anschlusstreffers des Stuttgarters Vedad Ibisevic (85.) nach Messis Geniestreich zum zwischenzeitlichen 2:0 (65.) nicht mehr wettzumachen. "Der Treffer hat für Unruhe in der Mannschaft gesorgt. Wir haben viele junge Spieler, die keine Erfahrung haben", sagte Ibisevic, der dennoch von einem "kleinen Sieg" für das zuletzt von einer Flutkatastrophe gebeutelte Land sprach. Ansonsten genoss der VfB-Stürmer die "beeindruckende Atmosphäre" im Fußballtempel Rio de Janeiros und berichtete stolz von einem "besonderen Tor für mich und mein Land". Das wurde auch in der Heimat gewürdigt, wo Zehntausende auf den Straßen mit Hupkonzerten und Bengalos feierten. Wenn da bloß nicht dieses vermaledeite Eigentor gewesen wäre...  - sid

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