Champions League

Schalke fehlt nur ein Tor zum Wunder in Madrid

Enttäuschte Schalker Roman Neustädter und Matija Nastasic. Trotz starker Leistung in Madrid reichte es nicht zum Weiterkommen.

MADRID - Wunder gibt es immer wieder - das weiß der schlagerfeste Deutsche, seit Katja Ebstein 1970 dieses Liedchen trällerte. Doch offenbar nicht, wenn der FC Schalke 04 in der Champions League gegen Real Madrid antreten muss. Nach dem 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel erkämpften sich die Knappen in der spanischen Hauptstadt einen fulminanten 4:3 (2:2)-Sieg und verabschiedeten sich hoch erhobenen Hauptes aus der Königsklasse.

Von Jens Greinke

„Wir haben ein Riesenspiel gemacht, waren mutig und haben uns nicht beeindrucken lassen“, meinte Kapitän Benedikt Höwedes nach dem Schlusspfiff. „Schade dass wir nicht belohnt worden sind. Wir hätten das eine Tor mehr verdient gehabt.“ Die Gelsenkirchener zeigten gegen Real eine ihrer besten Leistungen in dieser Saison und luden in Madrid zu einer wilden Achterbahnfahrt.

Trainer Roberto Di Matteo hatte eine erwartet defensive Formation auf den Rasen des Estadio Santiago Bernabéu geschickt. Die Organisation der Schalker Mannschaft war letztlich besser als gut. Wenn es schon nicht zum Wunder kam, so war es zumindest eine wundervolle Vorstellung der Blauweißen.

Die Madrilenen schienen sich ihrer Sache offenbar schon zu sicher, anders lässt sich ihr teilweise blasierter Auftritt nicht erklären. Den Schalkern fiel es scheinbar spielend leicht, in die gegnerische Hälfte zu kommen. In der 10. Minute hatte Eric Maxim Choupo-Moting die erste Riesenchance der Gäste, als er nach einem Konter über den exzellente Max Meyer aus 14 Metern unbedrängt über das Tor schoss. Sechs Minuten später war es Meyer selbst, der aus gut 20 Metern neben das Tor schoss.

Die Statistik

Real Madrid: Casillas – Arbeloa (83. Nacho), Pepe, Varane, Coentrao (58. Marcelo)– Khedira (58. Modric), Kroos, Isco – Bale, Benzema, Ronaldo

FC Schalke:  Wellenreuther – Höwedes, Matip, Nastasic – Barnetta (81. Uchida), Fuchs – Neustädter – Höger (57. Goretzka), Meyer – Choupo-Moting (29. Sane), Huntelaar

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien)

Zuschauer: 60 000

Tore:  0:1 Fuchs (20.), 1:1 Ronaldo (25.), 1:2 Huntelaar (40.), 2:2 Ronaldo (45.), 3:2 Benzema (53.), 3:3 Sane (57.), 3:4 Huntelaar (84.)

Gelbe Karten: Ronaldo, Coentrão

Doch eine Minute später war es dann so weit: Eine Flanke von Tranquillo Barnetta ließ Klaas-Jan Huntelaar passieren, so dass der Ball zu Christian Fuchs kam. Der Österreicher hämmerte die Kugel zum 0:1 ins kurze Eck. Die rund 3000 Schalker Fans hoch oben auf dem vierten und fünften Rang des mächtigen Stadions trauten ihren Augen kaum – und begannen ihre blauweiße Party. „Wenn wir das erste Tor schießen könnten, wird es sehr, sehr interessant für uns“, hatte Di Matteo gesagt. Tatsächlich bekam Real jetzt den Unmut des eigenen Anhangs zu spüren. Doch wer den Weltfußballer in seinen Reihen hat, verfügt über eine unschätzbar wertvolle Lebensversicherung: In der 25. Minute köpfte Cristiano Ronaldo einen Eckball von Toni Kroos in unnachahmlicher Weise ins Netz. Es war eine schicksalhafte Minute für die Schalker, da sich kurz zuvor auch Choupo-Moting so schwer verletzt hatte, dass er von Leroy Sane ersetzt werden musste.

Doch die Schalker hatten Blut geleckt. Ein katastrophaler Rückpass von Raphael Varane zwang Real-Keeper Iker Casillas in einen Pressschlag mit Huntelaar, der Ball ging nur knapp am Tor vorbei. Wenige Sekunden versuchte es Huntelaar aus der Distanz und hämmerte den Ball ans Lattenkreuz. Kurz darauf fand der Niederländer dann doch sein hochverdientes Torglück: Nachdem Casillas einen Schuss von Meyer ungeschickte nach vorne abprallen ließ, staubte Huntelaar zur erneuten Führung ab (40.). Doch wieder war es Ronaldo, der Real im Spiel hielt. Erneut per Kopf nickte er nach Flanke von Fabio Coentrao zum 2:2 (45.) ein.

Und weiter ging‘s im zweiten Abschnitt: Karim Benzema erzielte das 3:2 (52.), doch diese Mal schlugen die Schalker zurück, als Sane den Ball aus 17 Metern ins Tor schlenzte (57.). Es war nicht das letzte Tor an diesem denkwürdigen Abend, denn als Huntelaar die Schalker mit 4:3 (84.) in Führung brachte, fehlte nur ein Treffer zum großen Wunder. Den hatte kurz vor dem Ende auch noch der junge Sane auf dem Fuß, der allerdings wie wenig später Höwedes in aussichtsreicher Position an Torhüter Casillas scheiterte.

Sternstunde in Madrid - 7 Tore und viele Protagonisten

Schalkes Sportvorstand Horst Heldt bestätigte vor dem Anpfiff übrigens das Schalker Interesse an Reals Sami Khedira: „Er würde Schalke gut zu Gesicht stehen. Wenn er zu haben wäre, würden wir ihn natürlich nehmen“, sagte Heldt über den Mittelfeldspieler der Königlichen. „Es wäre arrogant zu sagen, Sami Khedira wäre nichts für Schalke 04. Es gibt aber ganz viele Vereine, die ihn gerne verpflichten würden.“

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