Huub Stevens: Die Wandlung des Knurrers

GELSENKIRCHEN - Es ist noch nicht lange her, da hatte Schalke-Boss Clemens Tönnies seine Bewunderung für Huub Stevens in einem äußerst großzügigen Angebot kundgetan. Der Niederländer könne auf Schalke bleiben, solange er wolle, egal in welcher Funktion. Eine Art Rentenvertrag also. „Bin ich denn schon so alt?“, fragt Stevens, wenn man ihn darauf anspricht. Und lächelt.

Von Jens Greinke

Der 58-jährige Trainer hat eine der spannendsten Geschichten in dieser Bundesliga-Saison geschrieben. Völlig unvorbereitet hatte er im Herbst 2011 die Mannschaft übernommen, nachdem Ralf Rangnick wegen eines Burnouts die Notbremse gezogen hatte. Dass die Schalker einen Spieltag vor Saisonende den dritten Platz und damit die Champions-League-Qualifikation gesichert haben, ist angesichts der Voraussetzungen eine bemerkenswerte Leistung, an der Stevens großen Anteil hat.

Viele Befürchtungen, die bei Stevens Rückkehr geäußert wurde, haben sich nicht bewahrheitet. Der einst als Defensiv-Liebhaber abgestempelte Niederländer hat die Mannschaft den Fußball spielen lassen, der ihr am meisten liegt: einen offensiven. Und er hat sich auch abseits des Platzes gewandelt. Aus dem einstigen Knurrer aus Kerkrade ist zwar kein fröhlicher Sonnenschein geworden. Doch die Momente, in denen er sein Gegenüber mit vernichtendem Blick und patzigen Antworten abstraft, sind seltener geworden.

Er, der für sich und seine Spieler stets Respekt einfordert, zeigt, dass er diesen immer öfter auch selbst zollen kann. Stevens lobt nach dieser Saison zwar vor allem den FC Bayern München („Sie sind Zweiter, stehen im Pokal- und im Champions-League-Finale“) sowie Borussia Dortmund („Tolle Saison gespielt“), aber auch den eigenen Klub: „Gratulation auch an Schalke für den dritten Platz.“ Und ist sich sicher: „Ich denke, viele wäre gern in unserer Position.“

Die Ausgangslage der Blauweißen ist tatsächlich gut. Trotz aller Widrigkeiten ist es dem Klub gelungen, viele Probleme zu lösen. Die garantierte Champions-League-Teilnahme schafft zudem Sicherheit bei der Kaderplanung für die kommende Saison. Zwar werden einige Spieler, die bislang ausgeliehen waren, im Sommer zurückkehren, doch Stevens sieht darin kein großes Problem. „Jeder wird seine Chance haben. Allerdings haben die Spieler, die schon hier sind, einen leichten Vorsprung“, sagt der Niederländer und ergänzt: „Falls der Kader zu groß werden wird, werde ich eingreifen.“ Stevens selbst hat natürlich eigene Wünsche, was das Personal angeht: „Die werde ich aber nur intern äußern.“ Allerdings lässt er durchsickern, dass er vor allem in der Offensive Nachbesserungsbedarf sieht, wenn er sagt: „In der Defensive ist alles in Ordnung. Da haben wir alle Probleme, die wir hatten, lösen könne.“ Zudem steht ab Juni mit Roman Neustädter, der von Borussia Mönchengladbach verpflichtet wurde, ein weiterer talentierter Defensiv-Spieler zur Verfügung.

An der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Torjäger Klaas-Jan Huntelaar arbeitet Manager Horst Heldt derzeit mit Hochdruck. Sollte der Niederländer wie Jefferson Farfan seinen Vertrag verlängern, wären für die nächsten Jahre zwei stabile Säulen in der Offensive installiert. Tabellarisch steht heute beim Saisonausklang bei Werder Bremen (15.30 Uhr) für Schalke nichts mehr auf dem Spiel. „Aber wir wollen uns ja keine Packung abholen, oder?“, fragt Stevens rhetorisch. Zudem sei sportlich ja noch ein Ziel in Reichweite. „Es wäre ja nicht schlecht für Klaas-Jan, wenn wir ihm zu dem ein oder anderen Tor verhelfen würden“, sagt Stevens. Huntelaar führt vor dem letzten Spieltag die Torjäger-Liste mit 28 Toren vor Mario Gomez (27) vom FC Bayern München an. „Zumal er uns versprochen hat, uns auf unserer USA-Reise zum Essen einzuladen, wenn er die Torjäger-Kanone holt“, ergänzt der Schalke-Trainer nicht ganz uneigennützig.

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