Kommentar unseres Sportredakteurs Jens Greinke

Heldt geht in die Offensive - Tage auf Schalke wohl gezählt

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Horst Heldt am Samstag in der Arena.

Gelsenkirchen - Die letzten Tage waren „sicherlich sehr, sehr intensiv“, sagte Horst Heldt am Sonntag in der Sendung „Doppelpass“, die zunächst zu einer Art TV-Tribunal zu verkommen drohte.

Der 45-Jährige wurde dort anfänglich wie ein Delinquent vorgeführt, und man fragte sich zwischendurch, warum er sich das antut. Am Ende wurde deutlich, dass er die Taktik „Angriff ist die beste Verteidigung“ gewählt hatte und damit wahrscheinlich richtig lag. Heldt hat das Heft des Handelns in die Hand genommen – und damit den einzig gangbaren Ausweg für ihn aus dieser Situation genommen.

Bevor der 45-Jährige am Samstagabend vor die Presse getreten war, war er alleine über den Rasen der bereits leeren Arena spaziert und hatte lange Telefonate geführt, wohl auch mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.

Die Ergebnisse des Treffens, das in dieser Woche stattfinden soll, sind nach diesem Wochenende recht gut prognostizierbar: Heldt wird seinen im Sommer 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Und der FC Schalke 04 wird in absehbarer Zeit Christian Heidel als neuen Manager des Klubs vorstellen.

„Ich bin aufrecht hierhin gekommen und gehe auch aufrecht hier raus“, sagte Heldt am Samstagabend. Was ihm gelingen dürfte, wie auch sein Fernseh-Auftritt am Sonntagvormittag zeigte, der zu einer Art Abschiedsvorstellung von Schalke geriet. Nach Medienberichten soll es am Montag beim FSV Mainz 05 ein Gespräch der Entscheidungsträger mit Christian Heidel geben mit dem Ziel, dem 52-Jährigen nach 23 Jahren im Verein die Freigabe für Schalke zu erteilen. Danach könnte alles ganz schnell gehen.

Kommentar von Jens Greinke: "Respektloser Umgang"

"Man mag von der Arbeit des Managers Horst Heldt halten, was man will. Doch dass der 45-Jährige nach sechsjähriger Tätigkeit vom eigenen Verein derart vorgeführt wird, wie es in den vergangenen Tagen geschah, ist ein unwürdiger und vor allem respektloser Vorgang. Den Horst Heldt so nicht verdient hat.

Im besten Fall war es eine subtile Taktik, zu der die Entscheider auf Schalke gegriffen haben. Nämlich durch – mal wieder – gezielte Indiskretionen und öffentliche Zurückhaltung Heldt selbst dazu zu bewegen, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen. Wenn ja, dann dürfte es geklappt haben.

Heldt hat das Heft nun selbst in die Hand genommen. Es ist der einzige Weg für ihn, so unbeschädigt wie möglich aus der Sache heraus zu kommen. Der gebürtige Rheinländer dürfte spätestens am Samstagabend zu dem Entschluss gekommen sein, dass er seine Arbeit auf Schalke beenden wird. Er beansprucht die Hoheit dieser Entscheidung für sich selbst und überlässt sie nicht dem Verein.

Jens Greinke

Die Ergebnisse der Gespräche, die laut Heldt in dieser Woche mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies stattfinden sollen, stehen fest. Heldt wird gehen. Der auf Schalke allmächtige Tönnies wird sich fragen lassen müssen, warum er Heldt auf der Mitgliederversammlung im Juni noch öffentlich eine Bewährungschance gegeben hatte („Horst, daran wirst Du dich messen lassen müssen“), ihn aber nur wenige Wochen später durch Christian Heidel ersetzen will, obwohl fast sämtliche Entwicklungen auf Schalke plötzlich in gute Bahnen gelenkt werden.

Die Mannschaft spielt nicht nur erfolgreich, sondern begeistert auch die Fans. Der neue Trainer André Breitenreiter scheint sich als Glücksgriff zu erweisen, und auch die von Heldt getätigten Transfers wie der von Johannes Geis sind Volltreffer. Heldt kann sich also an seinen Worten („1,69 Meter Arbeit, 1,69 Meter Leidenschaft, 1,69 Meter Einsatz, 1,69 Meter Schalke 04“) durchaus messen lassen.

Vor allem aber verhält er sich menschlich tadellos, steht weiterhin loyal zum Verein. Es wäre ihm zu wünschen, wenn ihm von seinem Noch-Arbeitgeber ein ähnlich großer Respekt entgegen gebracht würde."

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