Vor Schalker Testspiel

Hooligan-Randale in Köln: Festnahmen und Appelle

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[UPDATE 18.30 Uhr] KÖLN - Im Zuge der schweren Ausschreitungen vor dem Fußball-Testspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 sind zahlreiche Anhänger vorläufig festgenommen worden. Die Polizei-Gewerkschaft GdP rät Fans, sich von Gewalttätern zu trennen.

Eine genaue Zahl der Festgenommenen wollte eine Sprecherin der Kölner Polizei am Sonntag nicht nennen. Bei der Randale hatte ein 40-jähriger Schalke-Fan Kopfverletzungen erlitten. Er sei aber nach einer Notoperation außer Lebensgefahr, teilte die Polizei mit. Eine Mordkommission der Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Der Mann soll der Hooligan-Szene nahestehen und der Polizei bereits bekannt sein.

Als wahrscheinlich gilt nach Informationen der WAZ, dass sich nicht nur Anhänger des 1. FC Köln und von Schalke 04 geprügelt haben. Auch gewaltbereite Anhänger von Borussia Dortmund, die eine Fanfreundschaft zu gleichgesinnten Kölnern unterhalten sollen, sind am Samstagmittag in der Kölner Innenstadt gesichtet worden. Über ihre mögliche Tatbeteiligung gibt es bislang unterschiedliche Informationen.

Rund 200 Anhänger beider Clubs hatten sich vor der Partie in der Innenstadt getroffen und aufeinander eingeprügelt.

Der 1. FC Köln sei "schockiert und bestürzt über die Gewaltexzesse auf dem Rudolfplatz", teilten die Kölner mit. "Sollten die Ermittlungen ergeben, dass an den Gewalttaten vom Samstag Personen oder Gruppen beteiligt waren, die auch nur entfernt mit der Fanszene des 1. FC Köln in Verbindung stehen, dann werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um diese Personen oder Gruppen aus dem Umfeld unseres Clubs zu entfernen", teilte der Klub mit. Der 1. FC Köln stehe "zum Dialog mit der aktiven Fanszene, mit Fans und Mitgliedern. Doch mitSchlägern und Kriminellen kann es keinen Dialog geben."

Auch DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig verurteilte die Krawalle von Köln beim 2. Fan-Kongress in Berlin. "Es ist schade, dass diese Dinge auch den Fan-Kongress überlagern. Aber diese Leute erreichen wir nicht. Diese Vögel werden wir mit keinem Konzept der Welt einfangen", sagte Rettig vor 700 Fan-Vertretern. Der frühere Bundesliga-Manager forderte die 86 Fan-Gruppen auf, ihre Arbeit für ein freundlicheres Stadionerlebnis fortzusetzen. "Das, was in Köln passiert ist, darf uns nicht davon abhalten, dass wir uns die Hände reichen", sagte Rettig. In Berlin diskutierten Fans zwei Tage mit Sicherheitsbehörden und Verbandsvertretern über ein verbesserten Stadionerlebnis.

Für Irritationen sorgte die Absage von NRW-Innenminister Ralf Jäger. "In seinem Schreiben ist nur davon die Rede, dass man Intensivstraftäter im Fußball stärker verfolgen muss. Es wird nicht differenziert, das ist genau unser Problem", sagte Pressesprecher Sig Zelt vom mitausrichtenden Fan-Bündnis "ProFans", der den Brief als "Kampfansage" interpretierte.

In dem Punkt kritisierte Rettig die Fan-Vertreter. "Es kann nicht sein, dass man nur einige Sätze aus dem Brief eines Ministers veröffentlicht. Ich hätte den gesamten Brief online gestellt", sagte Rettig und erklärte: "Wenn immer nur Auszüge öffentlich gemacht werden, überlege ich mir für meinen nächsten Brief auch, ob ich lieber nur Bla-Bla schreibe."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert, dass sich die Fußballfans in ganz Deutschland endlich von den Gewalttätern in den eigenen Reihen trennen. "Es war reines Glück, dass wir nicht den ersten Toten beklagen mussten", sagte der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende Arnold Plickert. "Aber wenn einzelne Fangruppen weiter brutalen Gewalttätern eine Bühne für ihre Straftaten bieten, ist es nur eine Frage der Zeit bis es im Umfeld der Fußballspiele zu Toten kommt."

Bei Auseinandersetzungen hatte ein Schalke-Fan Kopfverletzungen erlitten. Er sei aber nach einer Notoperation außer Lebensgefahr, teilte die Polizei am Sonntag mit. Eine Mordkommission der Kriminalpolizei habe Ermittlungen aufgenommen. Rund 200 Anhänger beider Clubs hatten sich vor der Partie in der Innenstadt getroffen und aufeinander eingeprügelt.

Die GdP unterstützt ausdrücklich die Linie von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), der eine härtere Gangart gegenüber gewalttätigen Hooligans angekündigt hat. "Die in Köln festgenommenen 50 Straftäter sind genau die Fußball-Intensivstraftäter, die Innenminister Jäger meint", sagte Plickert.  - lnw/sid/WA

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