Gesänge aus dem Wald

Zaunparty von Union stellt DFL-Konzept auf die Probe - Sorge vor Nachahmern

Beim Spiel Union Berlin vs. Schalke waren Fan-Gesänge im Stadion zu hören, die Profis feierten anschließend mit den Anhängern am Zaun. Liegt ein Verstoß gegen das DFL-Konzept vor?

  • Beim Bundesliga-Spiel zwischen Union Berlin und Schalke 04 waren Fan-Gesänge im Stadion zu hören.
  • Anhänger der Eisernen versammelten sich im Wald versammelt.
  • Die Polizei sah keinen Grund zum Eingreifen.

Update vom 8. Juni, 15.35 Uhr: Die Polizei hat keine Einwände, die DFL schreitet nicht ein. Der heikle Jubel der Profis von Union Berlin mit rund 30 fröhlich singenden Fans am Stadionzaun bleibt ohne Konsequenzen. Und doch haben die fußball-nostalgischen Feierlichkeiten in der Alten Försterei der Debatte um die strengen Hygiene-Regeln der Bundesliga in der Corona-Zeit neue Nahrung gegeben.

Fragen wirft das Verhalten nach dem 1:1 der Eisernen gegen den FC Schalke 04 auch für den Saison-Endspurt auf, sollten die heiteren Bilder aus Berlin-Köpenick dort oder an anderen Spielorten Nachahmer in großen Scharen finden.

Was ist im Fußball nun erlaubt, wenn in anderen gesellschaftlichen Bereichen Vorschriften und Einschränkungen gelockert werden? Die BVB-Profis Jadon Sancho und Manuel Akanji wurden von der Deutschen Fußball Liga für ihre Friseurbesuche noch mit Geldstrafen belegt. Die Union-Profis, die teilweise während des Spiels den Regeln folgend noch mit Masken und Abstand auf der Tribüne sitzen mussten, konnten kurz darauf problemlos zu mehr als zwei Dutzend Anhängern marschieren und ihre verschwitzten Trikots über den Zaun reichen.

Zaun-Party stellt DFL-Konzept auf die Probe: Anpassungen sind angekündigt

Am Montag berichtete der Kicker über ein Schreiben von DFL-Chef Christian Seifert, in dem dieser die 36 Profi-Klubs über mögliche Anpassungen unterrichtete. Demnach will die DFL das Hygienekonzept im Dialog mit dem zuständigen Bundesministerium "an die zwischenzeitlichen Entwicklungen in der Gesamtgesellschaft anpassen".

Konkret geht es um das Tragen von Masken der Ersatzspieler. Zudem sollen mehr Klub-Vertreter und Journalisten bei den Spielen erlaubt sein. Auch eine schrittweise Zulassung von Fans zu Spielen von der kommenden Saison an wird thematisiert. Eine DFL-Bestätigung hierzu gab es noch nicht.

Zaun-Party stellt DFL-Konzept auf die Probe: Berliner Polizei richtet sich auf Nachahmer ein

Bislang heißt es im Konzept der "Task Force Sportmedizin / Sonderspielbetrieb" der DFL unter den Vorgaben zu hygienischen Aspekten: "31. WICHTIG: Im Stadion wird der Blick der Öffentlichkeit auf den Profi-Fußball, die Teams und Akteure in der aktuellen Situation nochmals größer sein als bisher. Wir bitten dringend um vorbildliches Verhalten bezüglich der Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen außerhalb des Spielfeldes." In den Vorgaben für die "häusliche private Hygiene" sind den Profis "Kontakte zur Nachbarschaft und Öffentlichkeit" untersagt.

Tatsächlich waren sich die von Torwart Rafal Gikiewicz angeführten Union-Profis und die Fans trotz des Zauns als Barriere recht nahe gekommen. Ob ein Meter oder zwei Meter oder doch sogar noch mehr ließ sich im Einzelfall nicht bemessen. Die Berliner Polizei, die das Verhalten der Union-Fans als "friedlich und kooperativ" bezeichnete, richtet sich schon darauf ein, dass die Aktion Nachahmer mit schlechteren Manieren finden wird.

Eine mögliche Aufstockung der Einsatzkräfte beim nächsten Heimspiel des Aufsteigers gegen den SC Paderborn am 16. Juni schloss ein Sprecher nicht aus. "Das ziehen wir in Betracht. Es gibt eine fortdauernde Lagebewertung", hieß es am Montag auf Anfrage. Sollte es künftig zu Verstößen gegen Corona-Verordnungen kommen, könne man "schnell genug Kräfte" bereit haben, hieß es.

Fans feiern am Stadion von Union Berlin gegen Schalke: Verstoß gegen DFL-Konzept?

[Erstmeldung vom 7. Juni] Berlin - Einige dürften nicht schlecht gestaunt haben. Wer das Spiel Schalke 04 vs. Union Berlin im TV verfolgt hat, wird sich sicherlich über Fan-Gesänge für die Eisernen gewundert haben. Dürfen etwa wieder Zuschauer in Stadion?

Nein, natürlich nicht. Stattdessen haben sich etwa 30 Fans des Aufsteigers in unmittelbarer Nähe des Stadions "An der Alten Försterei" versammelt. Die Rufe und Gesänge der Union-Anhänger aus dem Wald waren im leeren Stadion sehr deutlich zu hören - und zwar während der gesamten Begegnung.

Das Pikante: Dabei haben die Fans eigentlich gegen das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) verstoßen. Der Verband und die Klubs wollten Menschenansammlungen rund um die leeren Stadien während der Geisterspiele unbedingt verhindern. "Es gab keine Beanstandung von irgendeiner Seite", sagte Unions Pressechef Christian Arbeit. "Die Polizei war anwesend und hat keine Platzverweise ausgesprochen."

Fan-Gesänge bei Union Berlin vs. Schalke 04: Profis lassen sich feiern

Nach dem 1:1 gegen Schalke ließen sich die Spieler von Union Berlin sogar von den etwa 30 vor dem Stadion singenden Fans feiern. Nach dem Schlusspfiff skandierten die Fans "Wir wollen die Mannschaft sehen".

Torwart Rafal Gikiewicz sowie mehrere seiner Kollegen gingen daraufhin vom Rasen zu einem Zaun, der die Arena begrenzt, kletterten auf Holztische und ließen sich kurz von den begeisterten Fans hinter dem mit Union-Plakaten zugehängten Zaun feiern.

Fan-Gesänge bei Union Berlin vs. Schalke 04: Torschütze Andrich freut sich über Unterstützung

"Wir haben uns auf die Bänke gestellt und hatten Sichtkontakt zu einigen Fans. Das ist natürlich überragend und in der Zeit mal richtig schön", sagte Unions Torschütze Robert Andrich bei Sky. Schon bei seinem Führungstreffer (11. Minute) war Jubel aufgebrandet.

Pressechef Arbeit betonte: "Sie sind nicht den Fans nahegekommen. Es entsprach den Regeln der Distanzhaltung. Es ist alles korrekt gewesen."

Fan-Gesänge bei Union Berlin vs. Schalke 04: Polizei sieht keinen Grund zum Einschreiten

Die Berliner Polizei war mit zwei Mannschaftswagen vor Ort, sah aber keinen Grund zum Eingreifen. Die Fußball-Fans standen in Kleingruppen beieinander und hielten Abstand, heißt es.

Nach der aktuellen Verordnung über erforderliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Berlin ist die Zusammenkunft von Gruppen für bis zu fünf Personen aus mehreren Haushalten im öffentlichen Raum mit Abstand gestattet.

mg/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance/Christophe Gateau/dpa

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