Champions League

Schalke-Wahnsinn: Di Matteo im Wechselbad der Gefühle

+

GELSENKIRCHEN - Am Ende waren es genau fast 96 Minuten Spielzeit gewesen, in denen Roberto Di Matteo sehr, sehr viele Facetten seines neuen Vereins kennenlernte. Freud und Leid, Euphorie und Niedergeschlagenheit, Genie und Wahnsinn - kurz: den ganz normalen FC Schalke 04.

Von Jens Greinke

"Es war ein erlebnisreiches Spiel, an die die Zuschauer und Fans sicher mehr Spaß hatten als ich", sagte der neue Cheftrainer der Knappen und ließ ein etwas konsterniertes "Wahnsinn" folgen.

Der verrückte 4:3 (1:1)-Sieg über Sporting Lissabon war tatsächlich selbst für Schalker Verhältnisse ein außergewöhnlicher gewesen. Die Blauweißen hatten in dieser Partie bereits mit 3:1 geführt und spielten über eine Stunde lang in Überzahl gegen nur zehn Portugiesen, doch hatten sie in der 78. Minute noch den Ausgleich zum 3:3 kassiert.

Als wäre dies noch nicht des Guten genug, bekamen die Knappen in der Nachspielzeit noch einen Hand-Elfmeter geschenkt, den Eric-Maxim Choupo-Mouting zum 4:3 verwandelt hatte. Es war ein Spiel, das den ein oder anderen etwas schneller hat altern lassen.

Schalke-Manager Heldt hätte selbst die Fassung verloren

Auch Horst Heldt sah etwas mitgenommen aus, als er aus der Schalker Umkleidekabine kam. Die entscheidende Szene der Partie in der 93. Minute, als der Schiedsrichter-Assistent an der Torauslinie fälschlicherweise auf ein Handspiel des bedauernswerten Jonathan Silva gepocht hatte, obwohl diesen ein Kopfball von Klaas-Jan Huntelaar im Gesicht getroffen hatte, kommentierte Schalkes Manager zunächst humorig: "Ich habe mich ja das ein oder andere Mal kritisch über die Torrichter geäußert. Diese Mal muss ich sagen: Super Idee von Platini, da greift das System." Die Idee, einen Torrichter einzusetzen, hatte von Uefa-Präsident Michel Platini gestammt. Schließlich überwog bei Heldt aber doch die Empathie für den Gegner: "Als Betroffener hätte ich die Fassung verloren."

Sporting-Trainer Marco Silva aber blieb bemerkenswert ruhig und sagte nur: "Was hätte es gebracht, wenn wir uns weiter beschwert hätten? Außer, dass wir vielleicht noch drei gelbe Karten bekommen hätten ..." Roberto Di Matteo meinte schließlich: "Als Trainer wird man wahnsinnig, wenn man so etwas analysieren muss." Mit so etwas meinte der Coach den Umstand, dass seine Spieler den durch Chinedu Obasi (34.), Klaas-Jan Huntelaar (51.) und Benedikt Höwedes (60.) heraus geholten 3:1-Vorsprung nicht über die Zeit gebracht hatten - obwohl Lissabons Mauricio bereits in der 33. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war. "Da muss man das Spiel besser kontrollieren", mahnte Di Matteo, der einigermaßen fassungslos mit ansehen musste, wie Sporting durch zwei Treffer von Adrien Silva (64./78.) noch ausglich.

Schalke 04 siegt gegen Sporting Lissabon

Am Samstag trifft Schalke auf Leverkusen

Letztlich zählte aber zunächst einmal der erste Sieg der Schalker in dieser Champions-League-Saison, der eine gute Basis für den Einzug ins Achtelfinale sein könnte. "Am Ende des Tages freue ich mich über diesen Sieg - und lasse mir die Freude auch nicht nehmen", sagte Horst Heldt.

Di Matteo hingegen weiß trotz des zweiten Sieges in seinem zweiten Spiel als Schalke-Trainer, dass ihn noch viel Arbeit erwartet. Am Samstag müssen die Blauweißen bei Bayer Leverkusen antreten (18.30 Uhr), eine Mannschaft, die aktuell ebenfalls recht unberechenbar ist. Es könnte ein noch größeres Spektakel als am Dienstagabend werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare